Darum gehts
- Martin Pfister sieht sich mit Kritik an seiner Sicherheitspolitik und Armeereform konfrontiert
- 2025 meldeten sich 14 ältere Mitarbeitende beim VBS wegen Problemen im Armeestab
- 2025 verzeichnete Vertrauensstelle 110 Fälle gegenüber 80 im Jahr 2022
Martin Pfister (62) hat derzeit keine ruhige Minute. Die sicherheitspolitische Strategie des VBS-Bundesrats, die er im Dezember präsentierte, steht von allen Seiten unter Beschuss: Die SVP weist sie wegen schwerwiegender Mängel zurück, die SP kritisiert fehlende finanzielle und zeitliche Priorisierung, und sogar Pfisters eigene Partei, die Mitte, sieht Verbesserungsbedarf. Auch die Armeebotschaft 2026 – sein 3,4-Milliarden-Rüstungsprogramm – stösst in sämtlichen politischen Lagern auf Widerstand.
Dabei hat Pfister das VBS erst vor einem Jahr von Viola Amherd (63) übernommen. Es ist ein Departement voller Probleme – und die sind nicht nur von aussen sichtbar, sondern auch intern. So zeigten im vergangenen Jahr Meldungen an die Vertrauensstelle des VBS: Es brodelt nach wie vor. Neuste Baustelle: der Armeestab.
Das Zentrum der Armee
Der Stab ist das strategische Zentrum der Armee: Hier werden Einsätze geplant, Ressourcen koordiniert und die Beratung des Armeechefs organisiert. Seit Januar 2025 führt Divisionär Daniel Keller (61) den Stab. Keller sollte die Abteilung nicht nur leiten, sondern auch transformieren. Doch laut Vertrauensstelle gelingt das nur bedingt. «Die aktuelle Reorganisation beim Armeestab wird problematisch geführt», heisst es im Jahresbericht 2025.
Demnach geraten vor allem Ältere unter Druck: «Langjährige Mitarbeitende über 60 Jahre werden weder wertschätzend behandelt noch werden akzeptable Lösungen gesucht», kritisiert Walter Mengisen (73), Leiter der Vertrauensstelle. 14 Betroffene meldeten sich 2025 bei ihm, im Jahr zuvor waren es erst 6. Der Stab beschäftigt rund 570 Personen.
Die Armee widerspricht: Eine Reorganisation fordere alle Beteiligten heraus. Gerade ältere Mitarbeitende hätten häufig Fragen zu ihrer Perspektive oder Weiterbeschäftigung. Von Führungsproblemen will die Armee nichts wissen. Ein Sprecher betont: Für alle Älteren im Stab seien Lösungen gefunden worden, Entlassungen habe es nicht gegeben.
Konflikte in mehreren Ämtern
Unbestritten ist: In den letzten Jahren lösten Reformen im VBS wiederholt Konflikte aus. Besonders heftig waren sie beim Nachrichtendienst: Direktor Christian Dussey (60) scheiterte mit einem Umbau, löste Unmut aus und verursachte Abwanderungen. Zudem nahmen Meldungen an die Vertrauensstelle zu.
Bei Armasuisse und beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) gab es ähnliche Verwerfungen. Beide wurden neu aufgestellt. Im Dezember trennte sich Pfister nach Pannen, Kritik und schlechter Stimmung von Babs-Direktorin Michaela Schärer (55).
Gemessen an den Meldungen hat sich die Lage bei Nachrichtendienst und Babs inzwischen beruhigt. Bei Armasuisse führt die Reorganisation auf unterster Stufe weiter zu Konflikten, wie Vertrauensstellenleiter Mengisen schreibt. Sein Fazit: Bei Reorganisationen könne man kaum ausreichend kommunizieren, um die Verunsicherung einzudämmen.
Kommunizieren statt kommandieren
Insgesamt nahmen 2025 die Meldungen bei der Vertrauensstelle zu: 110 Fälle gegenüber 105 im Vorjahr, 80 im Jahr 2022. Gemessen an 12’000 Mitarbeitenden im VBS ist das jedoch weiterhin ein niedriges Niveau. Mengisen attestiert dem Departement denn auch grundsätzlich eine gute Unternehmenskultur. Defizite sieht er jedoch in der Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Mitarbeitenden.
Modernes Führen bedeute nicht nur Kommandieren, sondern transparentes Kommunizieren und Erklären, schreibt Mengisen. Die militärische Führungskultur führe wiederholt zu Konflikten, speziell mit weiblichen Mitarbeitenden, kritisierte Mengisen in den letzten Jahren wiederholt. Der Leiter der Vertrauensstelle schliesst daraus: «Es scheinen noch nicht alle männlichen militärischen Führungskräfte mit den gesellschaftlichen Veränderungen im 21. Jahrhundert umgehen zu können.»