Darum gehts
- Neue Bienen-Initiative verlangt Lebensraumschutz für Insekten in der Schweiz
- Fast die Hälfte der 600 Wildbienenarten bedroht, 59 Arten ausgestorben
- Unterschriftensammlung startet Dienstag, Ziel sind 100'000 Unterschriften bis 2027
2018 berichtete die ganze Welt über die Schweiz: Die Hornkuh-Initiative wollte, dass mehr Kühe ihre Hörner behalten. Heidi-Vergleiche und grosse Verwunderung machten im Ausland die Runde. Das Vorhaben scheiterte – doch jetzt sollen die nächsten Tiere in die Verfassung. Die Imker haben eine Bienen-Initiative lanciert.
So sollen Bund und Kantone dafür sorgen, dass die Bestäubung von Pflanzen durch Insekten sichergestellt ist. Die Förderung von Bienen wird in der Verfassung vorgeschrieben. «Es sollen insbesondere Anreize zur Bereitstellung, zum Unterhalt und zur qualitativen Verbesserung von naturnahen Lebensräumen geschaffen werden», heisst es im Initiativtext.
Bedrohte Tiere
Denn die summenden Insekten sind bedroht. Fast die Hälfte der über 600 Wildbienenarten in der Schweiz ist gefährdet. 59 Arten gelten als ausgestorben. In den letzten 30 Jahren hat die Insektenpopulation um mehr als drei Viertel abgenommen.
Die Initiative findet nicht nur bei den Grünen Anhänger. Auch der Zuger Mitte-Ständerat Peter Hegglin (65) setzt sich für die Initiative ein. «Die Bienen sind wichtig für unsere Pflanzen und die Umwelt», sagt er. «Ohne die Bestäubung gibt es weniger Beeren, Obst und Gemüse.»
Nun müsse man den Lebensraum schützen – aber nicht nur. «Noch immer wird die Ausbildung von Imkerinnen und Imkern grösstenteils privat finanziert. Wird die Initiative angenommen, sollte sich das ändern.»
Kaffeepause für Tiere
Hegglin ist selbst ein Imker. Vor 40 Jahren hat er den Kurs besucht, vor über 20 Jahren dann den Bienenstock vom Vater übernommen. «Es ist anspruchsvoller geworden über die Jahre», sagt er zu Blick. Insbesondere die Varroamilbe oder die asiatische Hornisse machen Hegglin und seinen Bienen das Leben schwer. Er fordert deshalb auch eine stärkere nationale Koordination.
«Früher hielt man die Bienen nebenbei, heute muss man sie pflegen, altes Wabenmaterial austauschen und schauen, dass es der jungen Königin gut geht.» Im Frühling und im Sommer ist Hegglin ein- bis zweimal pro Woche bei seinen Bienen, teilweise dauert das einen ganzen Nachmittag lang. «Meistens ist das meine Kaffeepause», sagt er lachend. Und im Winter gebe es dann oftmals monatelang nichts zu tun.
Doch Umweltthemen haben es momentan schwer vor dem Volk. Im September 2024 lehnte das Volk die Biodiversitäts-Initiative ab. Auch Hegglin war dagegen. «Die Bienen-Initiative jetzt hat weniger starre Vorgaben, zum Beispiel gibt es keine Flächenziele.»
Am kommenden Dienstag startet die Unterschriftensammlung. Dann müssen Hegglin und sein Team 100'000 Unterschriften in eineinhalb Jahren sammeln, damit das Volk über den Bienenschutz abstimmen kann. Hegglin hofft, das Parlament von der Initiative zu überzeugen oder dieses zumindest zur Erarbeitung eines Gegenvorschlags zu bringen, damit das Problem schneller gelöst wird.