Mauro Poggia (MCG) und Sommaruga holen Sitze
Grüne Ständerätin Mazzone in Genf abgewählt

In vier Westschweizer Kantonen finden heute Sonntag zweite Wahlgänge für den Ständerat statt. Im Kanton Genf wählte das Stimmvolk Lisa Mazzone, die bisherige Ständerätin der Grünen, ab.
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Lisa Mazzone, Genfer Ständerätin der Grünen, wurde am Sonntag abgwählt.
Foto: keystone-sda.ch
Tobias Ochsenbein, Daniella Gorbunova

Die Brasserie de l'Hôtel-de-Ville in Genf vibriert, als klar wird, dass Mauro Poggia (64) vom Mouvement Citoyens Genevois (MCG) heute Rot-Grün zünftig in die Parade fahren wird. Es ist Sonntag, kurz nach 13 Uhr, das Resultat noch nicht amtlich, aber klar ist bereits: Poggia wird im zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen im Kanton Genf das mit Abstand beste Ergebnis einfahren. Am Schluss holt er 55'317 Stimmen.

Zu diesem Zeitpunkt glaubt Lisa Mazzone (35) bereits nicht mehr an ein Wunder. Noch bevor das Schlussresultat da ist, spricht die bisherige Ständerätin der Grünen ins Mikrofon des lokalen Fernsehsenders Léman Bleu: «Es war mir eine Ehre, Genf vertreten zu dürfen. Ich bedaure das Resultat, damit geht ein Lebensabschnitt zu Ende.»

Mazzone zieht sich aus Politik zurück

Und tatsächlich: Kurze Zeit später wird ihre erste politische Niederlage Realität. Mazzone erreicht mit 45'300 Stimmen nur den dritten Platz. Besonders bitter für die Genfer Grünen: Sie verlieren damit ihren Sitz in der kleinen Kammer. Mazzone vermag ihre Tränen nicht zu verbergen, als sie in der Rue de l'Hôtel-de-Ville ankommt.

Mazzone spricht gleich Klartext. Sagt in einer ersten Reaktion, dass sie sich nun aus der Politik zurückziehen will: «Ich werde meine Überzeugungen anderswo, auf anderem Wege, weiterleben lassen.»

Und weiter: «Wir werden nun von zwei 64-jährigen Männern repräsentiert. Das ist eine Entscheidung von Genf, die ich nur bedauern kann.» Schliesslich erinnerte Mazzone daran, dass sie im Falle ihrer Wiederwahl den Ständerat präsidiert hätte: «Das ist eine verpasste Gelegenheit für Genf.»

Poggia: «Wir sind dort, wo die Lösung liegt»

Der andere 64-Jährige, das ist der Sozialdemokrat Carlo Sommaruga. Er landete mit 46'423 Stimmen auf dem zweiten Platz und sicherte sich damit die Wiederwahl ins Stöckli. Poggias Mitbewerberin, SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz (44), lag mit 40'371 Stimmen auf dem vierten Platz.

Dass Poggia die rot-grüne Genfer Vorherrschaft im Ständerat nach 16 Jahren beenden könnte, hat sich bereits im ersten Wahlgang abgezeichnet. Schon da erreicht er den ersten Platz. Die Anti-Establishment-Partei um Poggia geniesst in Genf grosse Popularität – auch, weil sie sowohl konservative wie linke Standpunkte vertritt.

Sein Resultat zeige, dass das MCG weder links noch rechts stehe, sagt Poggia gestern. «Wir sind dort, wo die Lösung liegt. Damit erreicht die Bewegung auch Menschen, die normalerweise nicht wählen gehen.»

Poggia war von 2011 bis 2013 bereit einmal für zwei Jahre als Nationalrat in Bern. Damals noch – ganz Anti-Establishment – ohne Fraktion im Rücken. Eine solche ist aber wichtig, um tatsächlich politisch etwas bewegen zu können. Jetzt will er sich einer anschliessen. Welcher, ist noch offen. «Derzeit laufen Gespräche der Mitte, der SVP und der FDP», sagte er gestern im Gespräch mit Blick.

FDP-Broulis neu für den Kanton Waadt in Bern

In den drei anderen Kantonen waren die Ausgangslagen deutlich weniger spannend. Im Kanton Waadt holte der FDP-Politiker Pascal Broulis (58) den zweiten Ständeratssitz. Mit 89'058 Stimmen setzte er sich klar gegen den Grünen Raphaël Mahaim (39) durch, dieser erhielt 74'648 Stimmen.

Broulis wird damit erstmals in Bern vertreten sein. Zuvor hatte er die Politik im Kanton Waadt geprägt. Als Finanzminister sanierte er die Kantonsfinanzen. Gemeinsam mit Pierre-Yves Maillard (55) von der SP zimmerte er den «dynamischen Waadtländer Kompromiss», der auf ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaft und Soziales achtet. Maillard war bereits in der ersten Runde in den Ständerat gewählt worden.

Gapany in Freiburg haarscharf wiedergewählt

Im Kanton Freiburg schaffte Mitte-Frau Isabelle Chassot (58) ihre Wiederwahl im zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen mühelos. Sie galt als grosse Favoritin und erhielt 38'161 Stimmen.

Zur Zitterpartie wurde der zweite Wahlgang hingegen für Johanna Gapany (35) von der FDP. Sie wurde – mit 30'538 Stimmen – nur haarscharf wieder im Amt bestätigt. Ihrer Verfolgerin, SP-Kandidatin Alizée Rey (36) gelang gestern beinahe die Überraschung. Sie holte 29'624 Stimmen und verpasste damit die Wahl um nur rund 900 Stimmen.

Mitte verteidigt Vorherrschaft im Kanton Wallis

Im Wallis wurden die bisherigen Amtsinhaber Beat Rieder (60) mit 56'306 Stimmen und Marianne Maret (65) 54'273 Stimmen klar wiedergewählt. Die beiden Mitte-Politiker distanzierten den FDP-Herausforderer Philippe Nantermod mit 29'143 deutlich.

Kommenden Sonntag, 19. November, kommt es in den letzten Kantonen (Aargau, Schaffhausen, Solothurn, Tessin und Zürich) zu den zweiten Ständerats-Wahlgängen – und damit zum Showdown um die letzten Sitze im Stöckli.

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