Nationalrat aus SVP-Fraktion fordert: 5 Wochen für alle!
So viele Ferien hast du in deiner Branche – die Übersicht

Das Volk sagte einst Nein zu mehr Ferien. Jetzt will ausgerechnet ein Nationalrat aus der SVP-Fraktion im Bundeshaus fünf Wochen Ferien für alle. Aber ist das nicht längst die Norm? Wir zeigen, wo es nicht so ist.
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

2012 stimmte die Schweiz über sechs Wochen Ferien für alle ab. Das Volk lehnte die Initiative deutlich ab. Besonders die SVP hatte sich vehement dagegen gewehrt. Mehr Ferien könne sich die Schweiz nicht leisten, warnte sie. «Zwangsferien» führten zu mehr Stress und Arbeitslosigkeit.

Nun hat ausgerechnet ein Mitglied der SVP-Bundeshausfraktion die Seiten gewechselt: In einem Vorstoss fordert Nationalrat Daniel Sormanni (76, GE), Mitglied des «Mouvement Citoyens Genevois» (MCG), fünf Wochen Ferien für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für Unter-21-Jährige sollen es sechs Wochen sein. Aber ist das nicht längst die Norm? Blick zeigt die grosse Branchenübersicht.

Hier gibt es schon fünf Wochen Ferien

In der Baubranche und in der Elektrotechnik sind fünf Wochen Ferien längst üblich. Der Landesmantelvertrag für das Schweizer Bauhauptgewerbe schreibt sie vor, für Unter-21-Jährige und Über-50-Jährige sind es sogar sechs Wochen. Das hat seinen Grund: Die Arbeit ist körperlich anstrengend, zudem sind die Mitarbeitenden das ganze Jahr über Hitze, Kälte und anderen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Die zusätzlichen Ferienwochen helfen auch im Kampf um Fachkräfte: Die Branche boomt, etwa wegen Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen.

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Nationalrat Daniel Sormanni (MCG, Mitglied der SVP-Fraktion) fordert fünf Wochen Ferien für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Foto: keystone-sda.ch

Die Gastronomie sowie Bäcker und Konditoren haben ungewöhnliche Arbeitszeiten: In der Gastronomie gehören Abende, Wochenenden und Feiertage zum Arbeitsalltag. Oft kommen sogenannte Zimmerstunden hinzu – lange Pausen zwischen zwei Schichten. In Bäckereien beginnt die Arbeit dagegen häufig schon um 2 oder 3 Uhr morgens, damit früh frisches Brot und Gebäck bereitstehen. Die fünf Ferienwochen schaffen einen Ausgleich für diese besonderen Arbeitszeiten.

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Noch grosszügiger sind die MEM- und die Uhrenindustrie. Die Uhrenindustrie war 1937 die erste Schweizer Branche mit einem Gesamtarbeitsvertrag. In der Uhrenindustrie haben Lernende im ersten Jahr sogar sieben Wochen. In der MEM-Branche gibt es ab 40 sechs Wochen Ferien, viele angeschlossene Unternehmen gewähren langjährigen Mitarbeitenden ab 50 oder 60 Jahren sogar 6,5 oder 7 Wochen.

Beide Branchen verlangen viel Präzisionsarbeit: In der MEM-Industrie kommen Schichtarbeit und Lärm hinzu, in der Uhrenbranche stundenlanges Arbeiten an kleinsten Bauteilen. Das erfordert hohe Konzentration und belastet Körper und Augen. Die zusätzlichen Ferien sind auch ein Argument im «War for Talents».

Hier entscheidet der Arbeitgeber

Bei Lehrpersonen ist die Rechnung komplizierter: Sie haben meist fünf Wochen Ferien, obwohl die Schulferien rund 13 Wochen dauern. Rund acht dieser Wochen gelten als Arbeitszeit – etwa für Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, Weiterbildungen und Schulorganisation. Diese Arbeiten können Lehrpersonen meist frei einteilen, müssen sie aber im Laufe des Jahres erledigen.

Im Gesundheitswesen gibt es keinen einheitlichen GAV. Je nach Kanton, Spital, Pflegeheim, Spitex oder Trägerschaft gelten unterschiedliche Regeln. Die meisten Institutionen gewähren jedoch fünf statt der gesetzlich vorgeschriebenen vier Wochen.

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In der IT- und Tech-Branche gibt es ebenfalls kaum allgemeinverbindliche GAV. Gesetzlich sind vier Wochen vorgeschrieben. Viele etablierte Unternehmen bieten freiwillig fünf Wochen, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Bei Start-ups sind vier Wochen jedoch noch verbreitet.

Ähnlich ist es bei Beratung, Banken und Versicherungen. Berufseinsteiger haben häufig vier Wochen, während erfahrene Mitarbeitende je nach Arbeitgeber fünf oder sechs Wochen erhalten können. Auch bei klassischen Dienstleistungs-KMU wie Marketingagenturen, Architekturbüros oder Treuhandfirmen entscheidet jedes Büro selbst.

Hier gibt es nur vier Wochen

Bei Temporärarbeit bleibt es für 20- bis 49-Jährige grundsätzlich bei vier Wochen. Der GAV-Personalverleih gilt für eine grosse Bandbreite von Berufen – vom IT-Spezialisten bis zur Bauarbeiterin – und setzt deshalb auf einen einheitlichen Grundanspruch.

Auch in der Reinigungsbranche und bei privaten Sicherheitsdiensten gilt: vier Wochen zwischen 21 und 49 Jahren, fünf Wochen für Jüngere und Ältere. In der Reinigung gibt es ab dem Kalenderjahr, in dem man 50 wird, allerdings nur dann fünf Wochen, wenn mindestens fünf Dienstjahre zurückgelegt wurden. Die Branchen sind stark von Stundenlohn und flexiblen Einsätzen geprägt und stehen unter hohem Preisdruck.

Im Coiffeurgewerbe gibt es ebenfalls grundsätzlich nur vier Wochen Ferien. Wer nach der Ausbildung mindestens fünf Jahre im gleichen Betrieb bleibt, erhält eine zusätzliche Woche. Auch im Detailhandel, etwa in kleinen Boutiquen, Kiosken oder Dorfläden, sind vier Wochen das gesetzliche Minimum. Grosse Ketten wie Coop, Migros oder Manor bieten ihren Angestellten dank eigenen Gesamtarbeitsverträgen jedoch meist mehr.

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