Darum gehts
- Am Bahnhof Basel baute man für 60 Millionen eine provisorische Passerelle, die kaum genutzt wird.
- Kritiker sprechen von einer teuren Fehlplanung. Es wäre nicht die einzige in der Schweiz.
- Beispiele sind der überdimensionierte Bahnhof in Stutz-Lattrigen, das Quartier Olten Südwest oder die Leonie-Moser-Brücke in Winterthur.
Für schlappe 60 Millionen Franken wurde am Bahnhof Basel eine neue provisorische Passerelle gebaut – bezahlt vom Steuerzahler. Doch auch nach rund drei Monaten wird sie kaum benutzt. Kritiker sprechen nun von einer Fehlplanung.
Das Bauwerk am Bahnhof Basel ist kein Einzelfall, wie weitere Beispiele zeigen. Auch hier lief es schief.
Der überdimensionierte Bahnhof
So renovierte die Aare Seeland Mobil (ASM) im beschaulichen 1400-Seelen-Dörfchen Sutz-Lattrigen im Berner Seeland einen der zwei Schmalspur-Bahnhöfe für rund 25 Millionen Franken. Nun ist er mehr als viereinhalbmal so gross wie vorher. Dies, obschon die Bevölkerungszahl im Dorf stagniert und die Mehrheit der Bevölkerung näher bei der anderen Station – der Haltestelle Sutz — wohnt.
Gründe für den teuren Umbau sind laut der ASM die Umsetzung des Behindertgleichstellungsgesetzes, die Erhöhung der Sicherheit und des Witterungsschutzes. Zudem geht die AMS – entgegen den aktuellen Zahlen — von einem künftigen Bevölkerungswachstum aus und glaubt somit auch an eine Zunahme der Fahrgäste. Im Dorf stösst das überdimensionierte Bauwerk vor allem auf Unverständnis, wie Blick berichtete.
«Schandfleck» im Mittelland
Auch im Kanton Solothurn gibt es Probleme. In Olten sorgte ein «Schandfleck» über Jahre für Streit: Auf einer ehemaligen Kiesgrube am Rande der Kleinstadt stampfte der legendäre Zürcher Bauunternehmer Leopold Bachmann (1933-2021) einen «DDR-Plattenbau» aus dem Boden. Bis heute kämpft das Quartier Olten Südwest mit leeren Wohnungen und schlechter Anbindung an die Stadt und den ÖV. Auch die Justiz musste sich bereits mit dem Pannen-Projekt auseinandersetzen.
Wie konnte es dazu kommen? 2009 gewährte die Oltner Stadtregierung Bachmann freie Fahrt, um das damals brachliegende Areal günstig aufzukaufen. Die Stadt arbeitete zugleich einen Gestaltungsplan für das Gebiet aus, der den «Billigbauer der Nation» dazu ermächtigte, auch hier eine seiner bekannten Blocksiedlungen hinzupflanzen. Vor knapp elf Jahren entstanden die ersten 420 Wohnungen, gebaut, wie man heute nicht mehr baut: viel Plastik, keine Balkone, Ölheizungen. Zwischenzeitlich stand beinahe ein Drittel der Einheiten leer.
Die Ästhetik war nicht die einzige Abschreckung: Busverbindungen ins Quartier bleiben Mangelware. Und im ursprünglichen Gestaltungsplan versäumte es die Stadt, den Bauherren zur Beteiligung an einer Stadtanbindung zu verpflichten – das Gebiet, das durch Bahngeleise vom Rest der Stadt abgetrennt ist, bleibt deshalb auch heute noch schlecht erschlossen.
Immerhin soll das langersehnte Happy End bald folgen: Da die SBB neben dem Areal bald selbst bauen wird, kann die Stadtverbindung nun doch noch einigermassen kostengünstig umgesetzt werden.
Brücke ins Nirgendwo
Für Empörung sorgt derzeit auch der Bau der Leonie-Moser-Brücke in Winterthur. Im Jahre 2020 stimmten die Einwohner einem Kredit von 60 Millionen Franken zu, wovon der grösste Teil von Kanton und Bund bezahlt wird. Die Brücke verbindet die Sulzerallee mit der St. Gallerstrasse und führt über die Gleise des Bahnhofs Winterthur Grüze. Nur für Busse und Velos wird sie zugänglich sein – nicht für Autos. Das Bauwerk soll als ÖV-Drehscheibe dienen und den Zugang für Busse zum Bahnhof ermöglichen. Mit dem geplanten Bau einer neuen S-Bahn-Haltestelle Grüze Nord soll die Leonie-Moser-Brücke in ihrer Rolle ÖV-Drehscheibe noch einmal an Bedeutung gewinnen.
Das Problem? Ebendiese Realisierung des Bahnhofs Grüze Nord wird sich nun wohl um Jahre verzögern. Im Oktober letzten Jahres wurde die Priorität des Baus der S-Bahn-Haltestelle in einem ETH-Bericht auf die Stufe 6 herunterkorrigiert. «Auf absehbare Zeit nicht realisierbar», bedeutet dies. Der Winterthurer SVP-Vizepräsident Manuel Zanoni kritisiert, dass der Bahnhof Grüze Nord nicht vor 2045 kommt. Dies sei eine «schallende Ohrfeige für den Winterthurer Stadtrat». Der ursprüngliche Plan der Stadt sah vor, dass die Haltestelle «Grüze Nord» bereits ab Mitte der 2030er-Jahre eröffnet werden sollte.
Zudem seien bei der Planung des Bauwerks mehrere Fehler begangen worden. So seien etwa die Rampen der Brücke für viele Fahrradfahrer zu steil. Daher müsse man nun einen zusätzlichen Tunnel für den Velo- und Fussverkehr ausheben, kritisiert der SVP-Politiker. «Man baut also eine Brücke für Velos, die zu steil für Velos ist, um einen Bahnhof zu erschliessen, an dem kein Zug hält.»