Darum gehts
- Kinderschutz Schweiz warnt vor sexueller Ausbeutung durch Schweizer Touristen im Ausland
- Fabio Regazzi überlegt sich neuen Vorstoss für Passentzug für verurteilte Pädokriminelle aus der Schweiz
- 2019 stimmte Nationalrat zu, 2020 lehnte Ständerat Massnahme ab
«Sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen als Begleiterscheinung von Reisen und Tourismus stellt ein wachsendes Problem dar», heisst es beim Kinderschutz Schweiz. Eine ausgelassene Ferienstimmung, die relative Anonymität und der leichte Zugang zu Kindern und Jugendlichen würden das Risiko auf sexuelle Ausbeutung verstärken. Blick erzählt die Geschichte eines Mädchens, die für den Schweizer Rentner Ruedi P. missbraucht worden ist.
Auch in Bern sorgt das Thema für Alarm. «Pädokriminelle Machenschaften von Schweizer Touristen sind ein grosses Problem», sagt Mitte-Ständerat Fabio Regazzi (63). Ein Problem, das er vor wenigen Jahren – damals noch als Nationalrat – mit einer strengen Massnahme anpacken wollte. Als pädokriminell verurteilten Schweizer Bürgern sollte der Pass entzogen werden.
Damit wollte er verhindern, dass diese einfach ins Ausland reisen, wo aufgrund von Armut, Korruption oder Toleranz seitens der Behörden günstigere Bedingungen für Kindesmissbrauch bestehen. «Auch die Schweiz, von der aus jedes Jahr Pädophile ins Ausland reisen, um ihre perversen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, kann und muss handeln», verwies er damals auf Australien als Vorbild.
Nationalrat sagte Ja, Ständerat Nein
Im Nationalrat kam sein Vorstoss 2019 durch, der Ständerat hingegen lehnte ihn 2020 ab. Ein Reiseverbot und Passentzug seien in gewissen Fällen zumindest temporär heute schon möglich, argumentierte die damalige Justizministerin Karin Keller-Sutter (62) gegen die Motion. Zudem könnten im Ausland begangene pädokriminelle Straftaten auch in der Schweiz bestraft werden.
Regazzi hingegen wollte auf breiter Front gegen Pädo-Touristen vorgehen. Seit 2023 sitzt der Tessiner im Ständerat, also jener Kammer, die seinen Vorstoss gebodigt hat. Zeit für einen neuen Anlauf?
«Das Problem ist bestimmt nicht kleiner geworden», sagt Regazzi zu Blick. Er will nun prüfen, ob er den Vorstoss allenfalls in angepasster Form noch einmal aufgreift.