Medizin
Neuer Antibiotika-Test aus Basel macht «aussitzende» Keime sichtbar

Basler Forschende haben einen neuen Wirksamkeits-Test für Antibiotika entwickelt. Er misst im Gegensatz zu bisherigen Tests nicht nur, ob ein Medikament das Wachstum von Keimen hemmt, sondern auch, ob es sie tatsächlich abtötet.
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Antibiotikaresistente Keime gehören zu den grossen Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Aber auch ohne Resistenz können Bakterien Antibiotika mitunter gut aushalten. Ein neuer Text kommt ihnen auf die Schliche. (Symbolbild)
Foto: CHRISTIAN BEUTLER
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Einige Bakterien können eine Antibiotikatherapie auch ohne klassische Antibiotikaresistenz überstehen, indem sie in einen Ruhezustand wechseln und die Behandlung quasi «aussitzen», wie die Universität Basel in einer Mitteilung vom Dienstag erklärte. Sie vermehren sich dann zwar nicht, sterben aber auch nicht ab und können nach der Therapie wieder aktiv werden.

Bisherige Labortests erfassen laut der Universität nur, ob ein Medikament das Wachstum von Bakterien stoppt, nicht aber, ob es sie eliminiert.

Ein Forschungsteam von der Universität und dem Universitätsspital Basel hat deshalb ein neues Verfahren entwickelt. Wie die Forschenden im Fachjournal «Nature Microbiology» berichten, wird das Schicksal einzelner Bakterien dafür gefilmt. Konkret beruht das neue Verfahren mit dem Namen «Antimicrobial Single-Cell Testing» auf mikroskopischen Aufnahmen von Millionen von einzelnen Bakterien unter tausenden verschiedenen Bedingungen über mehrere Tage lang.

Die Methode wurde an Tuberkulose-Erreger sowie an Bakterienproben von 400 Patientinnen und Patienten mit einer anderen Lungeninfektion getestet. Dabei zeigten sich Unterschiede in der Wirksamkeit verschiedener Therapien und in der Widerstandsfähigkeit der Bakterienstämme.

Laut den Forschenden spiegeln die Ergebnisse des neuen Tests gut wider, wie effektiv die Therapien in klinischen Studien und Tiermodellen sind. «Je besser Bakterien ein Antibiotikum tolerieren, desto schlechter sind die Chancen für den Erfolg der Therapie bei den Patientinnen und Patienten», erklärte Studienleiter Lucas Boeck in der Mitteilung.

Das Verfahren ist derzeit noch ein Forschungswerkzeug. Künftig könnte es aber helfen, Therapien individuell auf die Bakterienstämme von Betroffenen abzustimmen. Zudem könnte es die Entwicklung neuer Medikamente unterstützen.

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