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Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly kritisiert Berset:«Diesen Anstieg hätte man verhindern können»

So teuer wirds pro Kanton
Berset verkündet den Prämien-Hammer

Der Gesundheitsminister Alain Berset gab die Krankenkassenprämien für das Jahr 2024 bekannt. Die Schweizer erwartet ein happiger Prämienschub.
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Gesundheitsminister Alain Berset muss heute erneut einen Anstieg der Krankenkassenprämien verkünden.
Foto: keystone-sda.ch
Ruedi Studer, Ringier
Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Das ist deftig: Nachdem die Krankenkassenprämien schon dieses Jahr massiv gestiegen sind, trifft der Prämienhammer die Versicherten 2024 noch stärker. Die mittlere Prämie für die obligatorische Grundversicherung steigt im Schnitt um satte 8,7 Prozent. «Das sind schlechte Nachrichten für die bereits teuerungsgeplagten Haushalte», sagte der abtretende SP-Gesundheitsminister Alain Berset (51) vor den Medien, als er zum letzten Mal die Prämien verkündete.

Neben allgemeiner Teuerung, höheren Energiekosten und steigenden Mietkosten schenkt nun auch der Prämienschub nochmals tüchtig ein. Die mittlere Monatsprämie beträgt durchschnittlich 359.50 Franken – fast 29 Franken mehr als jetzt. Für Erwachsene sind es 426.70 Franken, für jugendliche Erwachsene von 19 bis 25 Jahre 300.60 Franken und für Kinder 111.80 Franken.

Für eine Familie mit zwei Kindern steigen die Kosten also locker auf über 1000 Franken monatlich. Das sind jeden Monat über 80 Franken mehr als 2023.

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Umfrage zum Prämienschub bei Krankenkassen:«Politik muss eine Lösung finden – so kann es nicht weitergehen»

Zwischen den Kantonen gibt es allerdings grosse Unterschiede. Am stärksten fällt der Anstieg mit 10,5 Prozent im Kanton Tessin aus, am wenigsten in Basel-Stadt und Appenzell Innerrhoden mit 6,5 Prozent. Die höchsten Prämien aber zahlen die Genfer mit durchschnittlich 454.40 Franken im Monat. Am günstigsten kommt man in Appenzell Innerrhoden weg mit 246.10 Franken. Auf der Website www.priminfo.ch kann man die eigene Prämie individuell berechnen.

Foto: RMS

Stark gestiegene Gesundheitskosten

Den starken Anstieg der Durchschnittsprämien erklärt sich der Bund mit unerwartet stark gestiegenen Gesundheitskosten. «Mehr Arztbesuche, mehr ambulante Spitalleistungen, mehr und teurere Medikamente haben zu diesen hohen Kosten geführt», schreibt der Bund in seiner Mitteilung. Auch Berset zählte eine ganze Liste von Bereichen auf, in welchen die Kosten einmal mehr gestiegen sind.

Und er machte seinem Ärger Luft, dass viele der vom Bundesrat vorgeschlagenen Kostendämpfungsmassnahmen vom Parlament verhindert oder verwässert worden seien. «Überall, wo es wirksam gewesen wäre, nahm das Parlament die wirksamen Elemente weg», bilanzierte Berset.

Das Gesundheitssystem brauche keine Revolution, aber Fortschritte, denen sich viele Kräfte entgegenstemmen würden. So hätten sich auch die Ärzte wenig kompromissbereit gezeigt, wetterte Berset. Und er mahnte auch die Patienten, dass sie sich überlegen sollten, wann ein Arztbesuch wirklich nötig sei.

Es brauche nun ein Kraftakt aller Akteure im Gesundheitswesen, um Lösungen zu finden, so Bersets Appell. Es brauche keine Revolution, aber: «Wir müssen viel dezidierter versuchen, die Kosten im Griff zu haben.» Ins gleiche Horn stiess Anne Lévy (52), die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit: «Der jetzige Kostenanstieg ist ein Warnsignal!» Nun müsse gehandelt werden, damit das Gesundheitswesen für alle bezahlbar bleibe. So brauche es etwa eine bessere Koordination und Prävention.

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Nicht an Leistungen rütteln

Berset machte aber auch gleich klar, wo ein Abbau für ihn nicht in Frage kommt: «Es war mir immer ein Anliegen, den Leistungskatalog nicht anzutasten», betonte er im Rückblick auf seine 12 Jahre im Innendepartement. Das wäre zwar eine einfache Massnahme gewesen, aber «sehr schlecht für die Bevölkerung». Ein Teil der Bevölkerung würde sich gewisse Leistungen dann einfach nicht mehr leisten können. Das habe er nicht gewollt.

Seine Bilanz als Gesundheitsminister sei gemischt, räumte er ein. «Es gab schon Rückschläge, aber auch Erfolge.» Zu den Erfolgen zählt er die Tarmed-Revision von 2017, womit eine halbe Milliarde eingespart worden sei. Auch bei den Medikamenten sei 1 Milliarde eingespart worden. «Es ist nicht alles schiefgelaufen.» Das Ziel seines Nachfolgers müsse sein, alle Akteure an einen Tisch zu bringen.

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