«60 bis 70 Prozent der Fläche ist in Schweizer Hand»
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Deutscher Bauer schlägt Alarm:«60 bis 70 Prozent der Fläche ist in Schweizer Hand»

Sie kassieren EU-Subventionen
Deutsche Landwirte toben wegen Schweizer Schnäppli-Bauern

Schweizer Bauern bauen in Deutschland günstig an, bringen die Ernte zollfrei in die Heimat und bekommen dafür auch noch EU-Mittel. Deutsche Landwirte toben – und wenden sich in einem Brandbrief an die Politik.
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Schweizer Bauern erhalten EU-Gelder für Felder in Deutschland.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Die EU zahlt Schweizer Bauern Subventionen für Anbau in Deutschland
  • Schweizer Landwirte profitieren doppelt: EU-Gelder und höhere Schweizer Marktpreise
  • 2024 erhielten 80 Betriebe aus der Schweiz 766'837 Euro von der EU
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Systemfehler, sorgt ennet der deutschen Grenze gerade für grossen Ärger. Die EU unterstützt nicht nur ihre eigenen Landwirte, sondern auch Schweizer Bauern. 2024 flossen so 766'837 Euro an rund 80 Betriebe, wie Blick berichtete.

Die EU-Gelder gehen an Schweizer Landwirte, die Ackerland in Deutschland bewirtschaften. Sie profitieren dort von einem alten Regelwerk. Es erlaubt Landwirten aus der Schweiz, in der deutschen Grenzregion günstig anzubauen und die Ernte anschliessend in der Schweiz zu hiesigen Marktpreisen zu verkaufen. Böse Zungen bezeichnen sie als Schnäppli-Bauern.

Dass sie nebenbei auch noch Subventionen aus Brüssel erhalten, bringt die deutschen Landwirte nun endgültig auf die Palme. 

«Schoklädle» für die Schweizer Bauern

In einem regelrechten Brandbrief wendet sich der badische Bauernverband an die Politik. Kritisiert wird die «nicht hinnehmbare Ungleichbehandlung». Zusätzlich werde die Situation von Schweizer Landwirten «verharmlost». 

Offenbar gibt es Schweizer Bauern, die diese Finanzhilfen als «Schoklädle» bezeichnen, wie der «Südkurier» berichtet. Ein willkommener Zuschuss also, zusätzlich zum Gewinn, den sie dank des Abkommens sowieso erwirtschaften. «Da müssen Sie in Brüssel fragen, warum das so ist», sagte Christian Müller der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» kürzlich zu den EU-Geldern. Müller ist Präsident der Schaffhauser Bauern und profitiert selbst von den Subventionen

Beim Bauernverband kommt das gar nicht gut an. «Die EU wird quasi als Lachnummer dargestellt, die den ohnehin schon hoch-subventionierten EU-Gegnern in der Schweizer Landwirtschaft auch noch das Geld hinterherwirft», heisst es im Schreiben. Der Verband fordert deswegen einen sofortigen Auszahlungsstopp von EU-Geldern an Schweizer Bauern.

Landtagswahlen am 8. März

Der Verband verlangt ein entschiedenes Eingreifen von Landes-, Bundes- und EU-Politik. Künftig sollen EU-Agrarmittel nur noch an Bewirtschafter fliessen, die ihren registrierten Sitz innerhalb der Europäischen Union haben. Zudem müsse das Kontrollregime deutlich nachgeschärft werden: Antragsteller mit Betriebssitz ausserhalb der EU sollen genauso intensiv überprüft werden wie Betriebe innerhalb der Union. Sollte das kurzfristig nicht umsetzbar sein, fordert der Verband, das Thema bei künftigen Agrarabkommen mit der Schweiz zwingend neu zu regeln.

Die Situation ennet der Grenze sorgt schon lange für Unmut. Mittlerweile werden in Südbaden rund 5700 Hektar Land von Schweizer Landwirten bewirtschaftet. Kurz vor den Landtagswahlen am 8. März kocht der Streit nun wieder auf. Bernhard Bolkart, Präsident des badischen Bauernverbands, hofft, dass das Thema von der Politik aufgegriffen wird. Auch Politiker und Politikerinnen in der Schweiz würden sehen, «dass da was aus dem Ruder läuft». 

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