Darum gehts
- Im Freibad Letzigrund Zürich sorgt ein Bild mit Nackten für Aufregung
- Wegen Kinder- und Jugendschutz wurde das Bild mit Folie abgeklebt
- Künstler Wendland (77) fordert Rückgabe seiner Werke nach Berlin
Wann wird Nacktheit als Kunst wahrgenommen – und wann ist sie einfach nur anstössig? Um diese Frage geht es aktuell im Freibad Letzigrund in Zürich. Das von Architekt und Schriftsteller Max Frisch (1911–1991) entworfene Freibad stellt immer wieder Kunst aus – organisiert von einem gemeinnützigen Verein.
Aktuell können die Badegäste Werke des Berliner Künstlers Sigurd Wendland (77) bestaunen. Eines der Bilder ist der Stadt Zürich jedoch ein Dorn im Auge. «Hide away» heisst es. Zu Deutsch etwa: «sich verstecken». Es zeigt lauter nackte Menschen: Frauen, Männer und Kinder – mit teils speziellen Körperhaltungen und Gesichtsausdrücken.
«Diese Zensur ist ein Skandal»
Der Stadt Zürich passt das nicht, wie die «NZZ» berichtet. Das Bild habe im öffentlichen Raum – mit Zugang für Kinder – nichts zu suchen, kritisierte der Bereichsleiter der Badi gegenüber dem Kurator. Das Werk wird als anstössig erachtet.
Deswegen müsse es abgehängt werden, forderte er. Die Stadt Zürich sieht ebenfalls den Kinder- und Jugendschutz gefährdet. Abgehängt werden müsse das Bild aber nicht. Stattdessen griff man zu einer milderen Massnahme: Die Glasscheibe des Ausstellungsraums wurde mit einer halbtransparenten Folie abgeklebt – das wiederum zum Ärger des Künstlers.
«Diese Zensur ist ein Skandal», lässt sich Wendland in der «NZZ» zitieren. Auf seinen Bildern sind häufiger Nackte zu sehen – und er stellte bereits früher Bilder im Freibad Letzigrund aus. Für die Haltung der Stadt hat er kein Verständnis. Wendland verlangt nun, dass seine Werke nach Berlin zurückgeschickt werden.