Darum gehts
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Die Schweiz hat ein pädiatrisches Versorgungsproblem: Auf 1000 Kinder sollte laut Fachleuten ein Kinderarzt kommen. Aktuell ist es im Schnitt aber eine Vollzeit-Kinderärztin für 1600 Kinder.
Eine neue Studie der Uni Bern zeigt drastische kantonale Unterschiede: Während Genf mit einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt pro 750 Kinder bestens versorgt ist, herrscht in Kantonen wie Appenzell Ausserrhoden (1 pro 4750) und Thurgau (1 pro 3100) akuter Notstand. In Genf behandelt eine Ärztin 15 Kinder pro Tag, in Schaffhausen 42.
Für viele Familien ist das ein Problem, da sie kaum einen neuen Kinderarzt finden und die Wartefristen für Termine lang sind. Notfälle können so zur Herausforderung werden. Kinderarzt Nicolas von der Weid, Präsident von Pädiatrie Schweiz, erklärt, wie betroffene Familien richtig reagieren.
Wie ernst schätzen Sie die Lage bezüglich der Unterversorgung mit Kinderärztinnen und Kinderärzten hierzulande ein?
Nicolas von der Weid: Die Situation ist aktuell schon sehr ernst: Es fehlen etwa 300 niedergelassene Pädiaterinnen und Pädiater, damit die klassische «Grenze» von einem Kinderarzt pro 1000 Kinder/Jugendliche erreicht wäre. Künftig wird sich die Situation noch verschärfen, weil die jüngeren Kollegen oft Teilzeit arbeiten. Es braucht zwei bis drei neue Ärztinnen, um einen alten zu ersetzen.
Wie sollen Eltern bei der Suche nach einer Pädiaterin oder einem Pädiater am besten vorgehen – und wann ist der beste Zeitpunkt?
Sie sollten bereits während der Schwangerschaft suchen. Via Search.ch oder bei Kinderärzte Schweiz.
Nicolas von der Weid ist Präsident der Organisation Pädiatrie Schweiz. Er war von 2012 bis zur Pensionierung 2025 Leiter der Abteilung für pädiatrische Hämatologie/Onkologie und Chefarztstellvertreter Pädiatrie am Uni-Kinderspital beider Basel (UKBB).
Nicolas von der Weid ist Präsident der Organisation Pädiatrie Schweiz. Er war von 2012 bis zur Pensionierung 2025 Leiter der Abteilung für pädiatrische Hämatologie/Onkologie und Chefarztstellvertreter Pädiatrie am Uni-Kinderspital beider Basel (UKBB).
Die kantonalen Unterschiede in der Versorgung sind riesig. Was bedeutet das für Mütter und Väter mit einem kranken Kind in unterversorgten Gegenden?
In diesen «unterversorgten» Regionen sollten Eltern sich bei einem nahen Allgemeinpraktiker, dem Hausarzt, melden. Fast alle haben pädiatrische Erfahrung und können helfen. Vorsicht ist nur bei Säuglingen geboten. Die ärztliche Kindernotfallberatung Medgate Kids Line ist auch in der Lage, bei den meisten Notfällen die Eltern korrekt zu beraten. Erst als letzte Massnahme sollen Eltern die Notfallstation des Regionalspitals aufsuchen und in lebensbedrohlichen Situationen natürlich die Sanität unter 144 rufen.
Welche konkreten Möglichkeiten bestehen für Familien, wenn Praxen in der Region keine Kinder mehr aufnehmen können?
Die Mütter- und Väterberatung, Hausärzte, pädiatrische Telemedizin oder Walk-in-Praxen sind akzeptable Alternativen.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Wo liegen die grössten medizinischen Risiken bei einer verzögerten Versorgung oder beim Ausweichen auf Notfallstationen?
Notfallstationen haben alle eine Triage, so dass die echten Notfälle schnell versorgt werden. Eine verzögerte Diagnostik und Therapie bei ernsthaften Situationen kann aber manchmal lebensbedrohliche Folgen haben, insbesondere bei Säuglingen.
Wie können Eltern selbst einschätzen, wann ein Abwarten noch vertretbar ist und wann sie sofort handeln müssen?
Wenn das Kind den Eltern «nicht gefällt», weil es sich ganz anders verhält als üblich oder erwartet, müssen sie Hilfe suchen. Zum Beispiel Medgate anrufen, um Beratung zu bekommen.