Jahresbericht des Schweizer Geheimdienstes zur Bedrohungslage
Russische Kriegsindustrie nutzt Schweizer Technologie

Russland schmuggelt Schweizer Technik in seine Kriegsmaschine – und der Bundesrat schlägt jetzt offiziell Alarm: Die Schweiz ist Teil der russischen Beschaffungslogik für Waffen und Drohnen. Der Bund steht unter Druck, die Lücken zu schliessen.
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Sitz des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in Berin, wo sich auch der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) befindet.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russland laut Bundesrat grösste Bedrohung für Europas Sicherheit, Schweiz direkt betroffen
  • Schweizer Technologie taucht in russischen Drohnen auf, trotz Sanktionen
  • Dual-Use-Güter und Drittstaaten ermöglichen Russlands Zugriff auf kritische Produkte
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Der Bundesrat schlägt Alarm: Russland bleibt laut dem neuen jährlichen Bedrohungsbericht des Schweizer Geheimdienstes die «grösste Bedrohung für Sicherheit, Stabilität und Frieden in Europa» – und die Schweiz ist längst direkt betroffen. Moskau führe bereits heute einen hybriden Konflikt gegen den Westen: mit Cyberangriffen, Sabotage, Propaganda, Desinformation und Spionage.

Der am Mittwoch vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB) veröffentlichte Bericht spricht von einem «erheblich verschlechterten Sicherheitsumfeld» der Schweiz. «Russland bleibt die grösste Bedrohung für Europa auch aufgrund hybrider Konfliktführung» – wovon die Schweiz «direkt betroffen» sei.

Der vom Bundesrat gutgeheissene Bericht zeigt detailliert, wie Russland trotz Sanktionen weiterhin an westliche Hochtechnologie gelangt – speziell mit Bezug zur Schweiz. Laut Bundesrat nutzt Moskau komplexe Beschaffungsnetzwerke, Drittstaaten und internationale Lieferketten, um an kritische Güter zu kommen.

Im Alltag harmlose Produkte

Im Fokus stehen Schweizer Werkzeugmaschinen, Mikrotechnik, Laborgüter und Mikroelektronik. Selbst Komponenten mit Bezug zu Schweizer Firmen tauchen laut Bericht in russischen Drohnen auf. Oft werden diese Teile zwar im Ausland produziert und weltweit verkauft – trotzdem führen die Spuren zurück zu Schweizer Technologie.

Die Methode ist simpel und schwer kontrollierbar: Güter werden zuerst in Drittstaaten exportiert und von dort weiter nach Russland geliefert. Teilweise bleiben Schweizer Maschinen offiziell im Ausland, produzieren dort aber Komponenten für russische Waffenprogramme. Besonders problematisch sind sogenannte Dual-Use-Güter – Produkte mit ziviler und militärischer Nutzung.

Der Bundesrat beschreibt Russland dabei als hochprofessionell und lernfähig. Beschaffungsversuche liefen nicht nur über Firmen und Zwischenhändler, sondern teils auch über Nachrichtendienste und spezialisierte Netzwerke. Dass viele dieser Produkte im Alltag völlig harmlos wirken – industrielle Massengüter, Labormaterial, Mikrochips – macht die Kontrolle so schwierig.

Bern unter Druck

Die politische Botschaft ist deutlich: Die Schweiz ist für Russland nicht nur ein Ort für Spionage, sondern Teil der technologischen Umgehungsstrategie des Kremls.

Der Bundesrat warnt indirekt davor, dass die Schweiz unter zunehmenden Druck westlicher Partner geraten könnte, weil russische Beschaffungsnetzwerke weiterhin Zugang zu westlicher Technologie finden – auch über Schweizer Firmen, Lieferketten und Hochtechnologie.

Im Bericht heisst es, die Schweiz müsse die Bemühungen westlicher Staaten gegen Proliferation, Spionage und technologische Umgehung «mittragen oder zumindest nicht untergraben». Falls die Schweizer Massnahmen als ungenügend wahrgenommen würden, könnten laut Bundesrat Sanktionen gegen Schweizer Unternehmen, der Ausschluss aus Forschungskooperationen oder anderer politischer und wirtschaftlicher Druck folgen. Sprich: Westliche Partner erwarten ein härteres Durchgreifen Berns.

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