Darum gehts
- Italien kritisiert Schweizer Spitalrechnungen an Opfer von Crans-Montana
- Parmelin trifft Meloni am Montag in Jerewan zum Gespräch
- Schweiz fordert Gleichbehandlung: Kein rechtlicher Spielraum für Sonderregelung
Der Streit um die Spitalrechnungen vom Drama in Crans-Montana VS spitzt sich zu. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) schiesst gegen die Schweiz, weil Kopien von Spitalrechnungen aus Sitten VS an italienische Opferfamilien geschickt wurden. In Rom ist von «unmenschlicher Bürokratie» die Rede.
Am Montag trifft Bundespräsident Guy Parmelin (66) in Jerewan (Armenien) auf Meloni – am Rande eines Gipfels der Europäischen politischen Gemeinschaft (EPG, nicht zu verwechseln mit der EU oder dem Europarat). Parmelins Sprecher Urs Wiedmer: «Wir können derzeit keine Angaben zum Inhalt und zur Dauer dieses Gesprächs machen.»
Frankreich und Belgien bleiben ruhig
Nach Informationen von Blick hat der Bund die Situation geprüft. Fazit: Die Schweiz will Italien nicht anders behandeln als Frankreich oder Belgien, die im Gegensatz zu Rom geräuschlos kooperieren. Doch laut dem EU-Reglement 883/2004 könnten die Staaten auf eine gegenseitige Erstattung verzichten. Italien hatte angekündigt, der Schweiz für die Behandlung der Brandopfer nichts in Rechnung zu stellen.
Dem Vernehmen nach will Parmelin gegenüber Meloni betonen: Die italienischen Betroffenen von Crans-Montana müssen für den Spitalaufenthalt in der Schweiz keinen Rappen zahlen. Entweder übernimmt die Schweiz oder Italien die Kosten. BJ-Sprecherin Ingrid Ryser: «Die Frage der Verrechnung der Spitalleistungen zwischen den betroffenen Staaten wird derzeit gestützt auf die geltenden Rechtsgrundlagen geprüft.» Sicherheitshalber hat der Bund alle Spitäler gebeten, keine Rechnungskopien mehr an Patienten mit ausländischem Wohnsitz zu versenden.