Die Kantone sollen sich auf die Auslieferung des Corona-Impfstoffs des Pharmakonzerns von Johnson & Johnson vorbereiten, hat sie der Bund informiert. Doch noch ist der Kaufvertrag für die Vektorimpfung mit dem Namen Janssen nicht unterschrieben.
Wie Recherchen zeigen, könnte der Kauf nun aber in den nächsten Tagen besiegelt werden. Ein Fragezeichen bleibt allerdings: Hersteller Johnson & Johnson gilt als schwierigerer Verhandlungspartner als die Hersteller der bereits im Einsatz stehenden mRNA-Impfstoffe, Biontech/Pfizer und Moderna. Verzögerungen sind deshalb nicht ausgeschlossen.
Alternative für Skeptiker
Geplant war laut zwei voneinander unabhängigen Quellen der Kauf von 150'000 Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson. Auf diese Anzahl Einmaldosen könnte sich auch die Planung der Kantone ausrichten. Sie könnten anhand der bisherigen Zuteilungen ausrechnen, wie gross ihr Anteil an der J&J-Liefermenge ist. Doch unisono geben sie an, noch nicht zu wissen, wann die Dosen kommen und wie viele es sein werden. Zudem warten sie eine Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif) ab.
Gesundheitsminister Alain Berset (49) hatte betont, dass der neue Impfstoff nicht nur für Allergiker gedacht ist – von diesen gebe es ja nicht extrem viele. Sondern die herkömmliche Vektorimpfung soll auch jenen Leuten eine Alternative bieten, die gegenüber den neuartigen mRNA-Impfstoffen skeptisch sind.
«Diesen Menschen muss man eine Alternative bieten», findet auch FDP-Nationalrat Marcel Dobler (41). Sollten sich tatsächlich viele zusätzliche Menschen impfen lassen, «würde das die Lage deutlich entschärfen».
Empfehlung wird ausgearbeitet
Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) evaluiert die Ekif die Daten zum J&J-Impfstoff derzeit. Sie erarbeite derzeit eine Empfehlung. «In dieser wird festgelegt, wie und für wen dieser Impfstoff zum Einsatz kommen wird», so das BAG. Nach dieser werden sich die Kantone dann richten.
Inzwischen ist aber die Frage aufgetaucht, ob 150'000 Einmaldosen denn genügen. Wie viele Leute sich mit herkömmlichen Covid-Impfstoffen piksen lassen und wie viele weiterhin keine Impfung wollen, ist schwer zu sagen. Die in der Presse aufgetauchte Zahl von 1,5 Millionen Impfwilligen, die nur auf J&J warteten, ist nicht verlässlich. Die Sotomo-Studie, mit der die Zahl begründet wird, gibt diese Daten gar nicht her. Das sagen die Studienverfasser.
Dennoch diskutiert man beim Bund auch über grössere Mengen des J&J-Einmalimpfstoffs. «Ich fände es sinnvoll, wenn grosszügig bestellt wird», sagt etwa Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel (64). Die Präsidentin der Gesundheitskommission weist darauf hin, nicht benötigte Impfdosen könnten immer noch an internationale Organisationen weitergegeben werden.
Mehr als 150'000 Dosen?
Es könnten am Schluss auch mehr als 150'000 Dosen werden – wenn es denn klappt mit der Bestellung. Da der Janssen-Impfstoff im bernischen Bümpliz mitentwickelt wurde, wäre es besonders bedauerlich, wenn der Kauf nicht unter Dach und Fach gebracht werden könnte.
Denn Swissmedic bestätigt, dass viele Leute sehnlichst auf den J&J-Impfstoff warten. Die Heilmittelbehörde hat jeden Tag mehrere Nachfragen deswegen. Sie hat den Einmalimpfstoff bereits zugelassen.
Ein weiterer Impfstoff, der nicht auf der mRNA-Technologie basiert und für den die Schweiz schon längst Verträge unterschrieben hat, besitzt noch keine Zulassung: Novavax. Das liegt aber nicht an der Heilmittelbehörde, sondern daran, dass Novavax bis heute noch kein Zulassungsgesuch bei Swissmedic eingereicht hat. Und noch ein weiterer Hersteller hat noch kein grünes Licht erhalten: Astrazeneca.
Booster-Impfung naht
Da der Impfstoff von Astrazeneca hierzulande einen schlechten Ruf hat – ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt –, dürfte die fehlende Zulassung weniger ins Gewicht fallen als bei Novavax. Auch noch hängig ist das Gesuch für den mRNA-Impfstoff von Curevac. Offenbar sind da noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt.
Zudem prüft Swissmedic derzeit Gesuche für die dritte Auffrischungsimpfung von Biontech/Pfizer und Moderna. Die Booster-Impfungen dürften aber erst kommendes Jahr breiter eingesetzt und bis dahin nur Leuten mit einer Immunschwäche verabreicht werden.