Darum gehts
- GLP-Ständerätin Tiana Angelina Moser fordert mehr Aufmerksamkeit für die Menopause
- Studie: Mehr als 80 Prozent der Frauen leiden unter Symptomen, 47 Prozent schweigen bei der Arbeit
- 1,5 Millionen Frauen in der Schweiz betroffen, Ständerat debattiert am 30. September
Schlafstörungen, Brainfog und depressive Verstimmungen: Die Menopause trifft viele Frauen mitten im Berufsleben. Trotzdem wird am Arbeitsplatz kaum darüber gesprochen. «Für viele sind die Wechseljahre ein Tabuthema», sagt die GLP-Ständerätin Tiana Angelina Moser (47). Darum will sie dem Thema mithilfe eines Vorstosses mehr Aufmerksamkeit verschaffen.
In der Schweiz befinden sich potenziell 1,5 Millionen Frauen zwischen 40 und 65 Jahren in den Wechseljahren. «Für sie ist die hormonelle Umstellung nicht selten eine Belastung», so Moser. Die Schlafprobleme würden sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Zudem komme es zu Ausfällen am Arbeitsplatz. Doch obwohl so viele betroffen seien, gebe es noch zu wenig Forschung zum Thema. Und auch in der Wirtschaft finde die Menopause noch zu wenig Gehör.
Viele kaschieren Symptome
Diese Beobachtungen bestätigt die schweizweit erste Studie zum Thema von «MenoSupport Suisse». Durchgeführt wurde sie von der Gynäkologin Petra Stute (54) am Inselspital mit mehr als 2200 Teilnehmerinnen zwischen 30 und 67 Jahren. «Mehr als 80 Prozent der Frauen gaben an, schon unter Schlafstörungen, Erschöpfung, depressiven Verstimmungen oder Hitzewallungen gelitten zu haben», sagt Stute.
Das hat auch Auswirkungen auf das Berufsleben. Jede fünfte Frau gibt an, wegen der Symptome ihr Arbeitspensum reduziert zu haben. 16 Prozent der Befragten haben die Stelle gewechselt, 13 Prozent sogar eine Auszeit genommen. Viele fühlen sich alleingelassen: 47 Prozent verschweigen ihre Symptome bei der Arbeit. Bei 68 Prozent der Befragten wird am Arbeitsplatz nie oder selten über das Thema gesprochen.
Angepasste Kleidung für Hitzewallungen
In der Schweiz gebe es nur wenige Firmen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, so Gynäkologin Stute. Dabei gebe es verschiedene Möglichkeiten, den betroffenen Frauen entgegenzukommen. Bei Bürojobs könnten Gleitzeiten oder Homeoffice entlasten. In Berufen mit Uniformen – etwa bei Polizistinnen oder Schaffnerinnen – könnten Anpassungen bei der Kleidung gegen die Hitzewallungen helfen.
Wichtig sei aber auch Aufklärung. Viele Frauen merkten: «Ich packe das nicht mehr», wüssten aber gar nicht warum. Ausserdem würde zusätzliche Sensibilisierung für mehr Verständnis sorgen. Und auch bei der Versorgung gebe es Handlungsbedarf. Aktuell müssten Frauen je nach Praxis bis zu eineinhalb Jahre auf einen Termin warten.
Bisher kaum ein Thema beim Bund
Moser will bei all diesen Punkten ansetzen. In ihrem Postulat fordert sie den Bundesrat auf, zu prüfen, mit welchen Massnahmen die Gesundheit von Frauen während der Wechseljahre verbessert werden kann. Dabei spricht sie insbesondere die Felder Forschung, Arbeitsplatz und Aufklärung an. Ihre Parteikollegin Kathrin Bertschy (47) hat denselben Vorstoss in der grossen Kammer eingereicht.
Das Geschäft wird nächsten Mittwoch im Ständerat diskutiert. Sollte es in beiden Kammern durchkommen, wäre das eine Premiere. Denn der Bund hat sich noch nie explizit mit den Wechseljahren beschäftigt. Gestreift hat er es allerdings im Jahr 2024. Damals hatte er eine Studie zur Benachteiligung von Frauen im Gesundheitsbereich und der Forschung in Auftrag gegeben. Danach kam das Bundesamt für Gesundheit zum Schluss, dass den Bedürfnissen der Frauen zu wenig Rechnung getragen werde.
Einige Länder sind der Schweiz in diesem Feld voraus. In Grossbritannien etwa müssen Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden ab nächstem Jahr einen Plan vorlegen, wie sie Frauen in der Menopause unterstützen wollen. In Portugal ist das Thema in der nationalen Gesundheitsstrategie verankert. Und in den Niederlanden werden Betriebsärzte für das Thema sensibilisiert.