Wer sich an den SRF-Standorten Zürich, Basel und Bern umhört, spürt vor allem tief sitzenden Frust. Die SRG muss sparen, Stellen stehen auf der Kippe, in zig Sitzungen wird über die Zukunft verhandelt. Hinter dem Sparprojekt «Enavant» verbirgt sich eine Zentralisierung: mehr Macht der SRG, weniger den Regionen.
Der Unmut richtet sich gegen SRG-Generaldirektorin Susanne Wille (52). Mitarbeiter nehmen es ihr übel, dass sie nicht auf einen Brief geantwortet hat, in dem die Belegschaft die Entlassungen von Sprechtrainern kritisierte. Für Kopfschütteln sorgte auch ein E-Mail nach den Sommerferien: Während im Haus der Spardruck steigt und erstmals Entlassungen auch wegen künstlicher Intelligenz begründet werden, berichtete Wille über ihre sommerliche Lektüre zu KI-Themen.
Im September rollten die ersten Köpfe. Die prominenteste Personalie ist der glücklose TV-Chefredaktor Tristan Brenn (61). Die Turbulenzen rund um die Berichterstattung über den ehemaligen Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer (51) hatten Brenns Chancen auf einen Trostpreis massiv gesenkt.
Altersdiskriminierung? SRF widerspricht
Weitere prominente Abgänge sind jene der Radiojournalistin Susanne Brunner (62) und der Dokumentarfilmerin Karin Bauer (57), über die auch CH Media berichtet hatte. Die Universität Freiburg verleiht Susanne Brunner Mitte November die Ehrendoktorwürde «für einen professionellen, engagierten und mutigen Radiojournalismus». Karin Bauer ist preisgekrönte Journalistin, die unbequeme Wahrheiten über die Migros oder die Zürcher Wohnungsnot ans Licht brachte. Ärger ist da vorprogrammiert – aber nicht mehr gewünscht.
Auffällig: Viele Abgänge betreffen ältere Mitarbeiter, die Belegschaft spricht offen von «Altersdiskriminierung». SRF widerspricht: «Den Vorwurf der Altersdiskriminierung weisen wir zurück. Von den Personalmassnahmen sind alle Alterskategorien betroffen.»
«Samstagsrundschau» muss sparen
Wie die SRG betont, sollen 95 Prozent der Einsparungen bis 2029 über Strukturen und Prozesse erfolgen – und nur 5 Prozent über das Angebot. Vermehrt zeigt sich, wie die 5 Prozent zusammengekratzt werden.
Die Ausgaben der traditionsreichen «Samstagsrundschau» werden um mehr als zehn Prozent gekürzt – es gibt sie künftig nur noch 40 Mal im Jahr. Und das, obwohl sich so nur gut zehntausend Franken sparen lassen. SRF rechtfertigt sich damit, sich auf die «40 wirkungsstärksten Wochen pro Jahr» konzentrieren zu wollen.
Die Sendung «Reporter» wird aus dem TV-Programm gestrichen. Ein Insider warnt: «SRF lässt die Reporter ausbluten. Offiziell heisst es, man entwickle das Format digital weiter.» Externe Firmen, die bislang Themen angeboten haben, können das aktuell nicht mehr. SRF bestätigt: Der fixe TV-Platz ist Geschichte. Doch: «Es wird auch weiterhin spannende Reportagen geben, wie beispielsweise die jüngste Serie von Christoph Franzen über Russland.» Und weiter: «Wir werden ‹Reporter› auf den digitalen Plattformen weiterentwickeln und unter dieser Marke weitere Angebote bündeln und publizieren.» Was das konkret bedeutet, sei noch unklar.
Qualitätsverlust auf dem Sender?
Ein neues Führungsmodell mit «People-Pool-Managern» sorgt zusätzlich für Hohn. Am Leutschenbach werden diese als «Bademeister» verspottet. Intern ist auch von Qualitätsverlust die Rede: Früher musste man kämpfen, um einen Sendeplatz im «Echo der Zeit» zu bekommen. Heute komme man problemlos ins Programm, sagen mehrere Journalisten.
Besonders sauer stossen Ausgaben an anderer Stelle auf. Für externe Berater floss reichlich Geld. SRF engagierte zeitweise die Unternehmensberatung PWC, die SRG liess sich von der Firma Oliver Wyman beraten – letztere kassierte, wie ein Insider sagt, einen Betrag «im tiefen siebenstelligen Bereich». Trotz eigener Liegenschaften tagte die SRG kürzlich extern im Hotel Kreuz. Die SRG verweist darauf, dass sie ihren Hauptsitz an der Giacomettistrasse 1 in Bern verlassen hat und «derzeit provisorische Büroräumlichkeiten» nutze. Ausgaben für externe Sitzungsräume seien «im Grundsatz vernachlässigbar und erfolgen nur in Ausnahmefällen».
Die neue Chefredaktion, Ursula Gabathuler (56) und Beat Soltermann (54), bekommt ebenfalls ihr Fett weg. «Gute Inhalte werden als gegeben betrachtet und nicht als etwas, was es in diesen Sparzeiten auch zu schützen gilt», kritisiert die Belegschaft in einem internen Schreiben. «Ohne gute Inhalte werden wir an Bedeutung verlieren.» Immerhin: Die Chefredaktion hat angekündigt, sich nach den Ferien genau darüber austauschen zu wollen.