Erste globale Analyse
Weltweit sind fast 40 Prozent aller Krebsfälle vermeidbar

Fast 40 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit könnten vermieden werden. Das ergibt eine Analyse globaler Daten zu Krebsfällen und Risikofaktoren. In der Schweiz sind Rauchen und Alkoholkonsum die Hauptursachen. Männer sind stärker betroffen als Frauen.
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Foto: imago images/Westend61

Darum gehts

  • Rund 40 Prozent aller weltweiten Krebserkrankungen entstehen durch vermeidbare Ursachen
  • Rauchen, Alkoholkonsum und Infektionen zählen zu den häufigsten Risikofaktoren
  • 2022 wären von 18,7 Millionen Krebsfällen sieben Millionen vermeidbar gewesen
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Weltweit gehen fast 40 Prozent aller Krebserkrankungen auf vermeidbare Ursachen zurück. Das ergibt eine Analyse globaler Daten zu Krebsfällen und Risikofaktoren. Auch in der Schweiz könnte demnach rund jeder dritte Krebsfall vermieden werden. 

Rauchen, Alkoholkonsum und Infektionen 2022 waren der Analyse zufolge die häufigsten solchen Ursachen. Bei Frauen sind global etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen vermeidbar, bei Männern sogar gut 45 Prozent. Insgesamt sind es rund 38 Prozent, wie eine Gruppe um Isabelle Soerjomataram von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon im Fachmagazin "Nature Medicine" berichtet. 

So hoch ist das Krebsrisiko durch vermeidbare Ursachen

«Dies ist die erste globale Analyse, die aufzeigt, wie hoch das Krebsrisiko durch vermeidbare Ursachen ist» sagt Co-Autor André Ilbawi, Leiter des Teams der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Krebsbekämpfung. Neu im Vergleich zu ähnlichen Studien für einzelne Länder und Weltregionen ist zudem die Aufnahme von Infektionen als Krebsursache. 

Am bekanntesten sind hier Gebärmutterhalskrebs, der vor allem durch Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst wird, und Magenkrebs, verursacht häufig durch das Bakterium Helicobacter pylori. Die Forscher nutzten weltweite Datenbanken, um die Krebsneuerkrankungen 2022 mit womöglich auslösenden Faktoren in Verbindung zu bringen. 

Diese Rolle spielt das Rauchen

In der Schweiz gehen der Analyse zufolge bei Frauen rund 29 Prozent und bei Männern gut 37 Prozent auf vermeidbare Faktoren zurück. Allein auf Rauchen sind hierzulande bei Frauen knapp 13 Prozent, bei Männern sogar 21 Prozent der Krebsneuerkrankungen zurückzuführen. 

Weitere wichtige Ursachen sind Alkoholkonsum (Frauen 3,0 Prozent; Männer 4,5 Prozent), ein hoher Körper-Masse-Index (Frauen 3,6 Prozent; Männer 2,8 Prozent), UV-Strahlung (Frauen 4,1 Prozent; Männer 4,5 Prozent) und Infektionen (Frauen 4,6 Prozent; Männer 4,1 Prozent). 

Kontakt zu krebserregenden Stoffen

Bei den berufsbedingten Risiken – etwa Kontakt zu krebserregenden Stoffen – liegen Männer in der Schweiz mit 5,5 Prozent deutlich vor Frauen mit 1,4 Prozent. Zu wenig Bewegung und Luftverschmutzung spielen der Analyse zufolge in der Schweiz hingegen nur eine geringe Rolle (Bewegungsmangel: Frauen 2,5 Prozent, Männer 0,3 Prozent; Luftverschmutzung: Frauen 0,2 Prozent, Männer 0,2 Prozent). 

Die Studienautoren verwendeten ausschliesslich Risikofaktoren mit einem nachgewiesenen ursächlichen Zusammenhang mit Krebs, bei denen es ausserdem zuverlässige Daten dazu gibt, wie sehr die Bevölkerung eines Landes ihnen ausgesetzt ist. Neben verhaltensbedingten Risiken wie Rauchen betrachteten sie auch Umweltaspekte wie etwa Luftverschmutzung und berufsbedingte Risiken. Auf dieser Basis kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass von den weltweit insgesamt 18,7 Millionen Krebsneuerkrankungen im Jahr 2022 gut sieben Millionen vermeidbar gewesen wären, wenn Risiken verringert oder beseitigt worden wären. 

Risiken nach Weltregion ungleich verteilt

Die Risiken sind nach Weltregion und Geschlecht ungleich verteilt. Bei Frauen sind in Afrika südlich der Sahara 38 Prozent aller Krebsfälle vermeidbar, in Nordafrika und Westasien dagegen nur knapp 25 Prozent. Häufigste Ursache bei den vermeidbaren Krebserkrankungen sind in grossen Teilen Afrikas und Asiens Infektionen. 

In Europa, Australien, USA und Kanada herrscht hingegen Rauchen als wichtiger Risikofaktor vor. Bei Männern ist der Anteil vermeidbarer Krebsfälle in Ostasien mit gut 57 Prozent am höchsten und in Lateinamerika und der Karibik mit etwa 28 Prozent am niedrigsten.

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