Darum gehts
- Geltwil erhöht den Steuerfuss von 50 auf 80 Prozent, bleibt aber unter dem Aargauer Schnitt
- Stäfa stimmt über fünf Prozentpunkte mehr ab, sonst droht ein Loch von 4,8 Millionen Franken
- Wettingen und Biel legen Ende November Budgets mit höheren Steuern der Stimmbevölkerung vor
Die Geltwilerinnen und Geltwiler müssen im kommenden Jahr deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die Gemeinde im Aargauer Freiamt erhöht den Steuerfuss von 50 auf 80 Prozent. Zwar liegt Geltwil damit weiterhin deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt, die Erhöhung ist dennoch beträchtlich.
Grund für die Erhöhung sei, dass die Gemeinde zuletzt von den Reserven zehren musste. Das letzte Jahr endete im Minus. Ausserdem sei in den vergangenen Jahren viel Geld in den kantonalen Finanzausgleich geflossen.
Gegenüber der «Aargauer Zeitung» äusserte Gemeindeammann Felix Enzler die Hoffnung, dass die Bevölkerung Verständnis für diesen Schritt zeige. Kein Wunder: Änderungen am Steuerfuss sorgen in den Gemeinden immer wieder für hitzige Diskussionen.
Zuerst runter, dann wieder hoch
Ähnlich wie Geltwil wird auch das zürcherische Stäfa von den Steuersenkungen der vergangenen Jahre eingeholt. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, hatte die Gemeinde den Steuerfuss 2021 und 2022 um insgesamt zehn Prozentpunkte gesenkt.
Nun soll es wieder in die andere Richtung gehen: Ende November entscheidet die Gemeindeversammlung von Stäfa über eine Erhöhung um fünf Prozentpunkte. Bleibt diese aus, droht laut Gemeinde ein Loch von 4,8 Millionen Franken in der Gemeindekasse.
Wenn die besten Steuerzahler verschwinden
Unweit von Geltwil liegt Meisterschwanden AG, idyllisch gelegen mit Blick auf den Hallwilersee. Auch diese Gemeinde galt lange als Steuerparadies. Zu den Steuerzahlern gehörte jahrzehntelang die Swatch-Besitzerfamilie Hayek.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Dazu beigetragen hat unter anderem der Wegzug der Hayeks, mit dem der Gemeinde wichtige Steuereinnahmen verloren gingen. Seither wurde eine Erhöhung des Steuerfusses wiederholt diskutiert, aber nie umgesetzt. Stattdessen muss die Gemeinde beim Budget den Gürtel enger schnallen.
Der vierte Versuch
Das selbst ernannte grösste Dorf der Schweiz, Wettingen AG, kämpft regelmässig mit der Budgetplanung. Bereits 2020, 2022 und 2024 scheiterten Steuererhöhungen an der Stimmbevölkerung. Für das Jahr 2027 soll der Steuerfuss von 95 auf 108 Prozent ansteigen. Das Volk entscheidet Ende November darüber.
Als einen der Gründe für die angespannte Finanzlage nennt der Wettinger Finanzvorsteher gegenüber dem «Badener Tagblatt» die geringen Einnahmen aus Firmensteuern. Wettingen ist vor allem als Wohngemeinde bekannt. Viele Menschen leben hier, arbeiten aber im benachbarten Baden AG.
Trotz Steuererhöhung im Minus
Budgetdebatten bewegen längst nicht nur kleinere Gemeinden. Auch in Biel BE kommt Ende November ein Budget mit einer vorgesehenen Steuererhöhung vors Volk.
Die Stadt will die Steueranlage von 1,63 auf 1,73 Einheiten anheben (die Steueranlage gibt in Bern an, mit welchem Faktor die einfache Steuer multipliziert wird). Die zusätzlichen Einnahmen sind Teil eines Entlastungspakets, mit dem die Stadt ihre Finanzen wieder ins Lot bringen will.