Die Schweiz im Rüstungs-Abseits
Keine Jets, keine Patriots und keine Drohnen

Im Ernstfall könnte unser Land den Luftraum nicht verteidigen. Auch bei den Drohnen droht die Schweiz abgehängt zu werden.
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Reto Nause fordert: Die Schweiz muss sofort Abwehrdrohnen beschaffen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweiz hat keine effektive Luftverteidigung
  • Parlament fordert rasche Beschaffung von Abwehrdrohnen
  • Für Rüstungskooperationen ist Schweiz unattraktiv
  • Schweizer Drohnen dürften auf dem Weltmarkt auf wenig Interesse stossen
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Annalena MüllerPolitredaktorin SonntagsBlick

Jede Session das gleiche Schauspiel. Das Parlament stellt fest: Im Ernstfall könnte sich die Schweiz nicht verteidigen und fordert Lösungen. Nächste Woche steht erneut die Forderung nach sofortiger Beschaffung von Abwehrdrohnen auf der Agenda.

Obschon das Parlament den Bundesrat bereits in der Wintersession damit beauftragt hat, «haben wir bisher keine einzige Abwehrdrohne», sagt Motionär Reto Nause (54). Deshalb hält der Berner Mitte-Nationalrat an seinem Vorstoss fest und hofft auf eine entsprechende Debatte. «Es kann nicht sein, dass russische Drohnen immer wieder in den europäischen Luftraum eindringen und wir bis heute nichts haben, mit dem wir uns schützen können», so der Sicherheitspolitiker gegenüber Blick.

Wenn es knallt, ist die Schweiz schutzlos

In Bundesbern herrscht Einigkeit: Die Schweiz braucht dringend eine funktionierende Luftverteidigung. Da sich ausserdem die Erkenntnis durchsetzt, dass die F-35-Kampfjets teurer werden und sich verspäten und die Patriot-Abwehrraketen allenfalls gar nicht kommen, hofft die Politik umso mehr auf Schutz durch hochmoderne Abwehrdrohnen.

Frank Sauer (46) von der Universität der deutschen Bundeswehr in München empfiehlt der Schweiz bei Drohnenfragen die Nähe zur Ukraine: «Die besten und billigsten Drohnen gibt es dort.» In letzter Zeit habe die ukrainische Führung verstärktes Interesse an westlichen Partnerschaften bei der Waffenproduktion signalisiert, so Sauer. In der Diskussion sind nicht nur ukrainische Exporte in EU- und Nato-Länder, sondern auch Koproduktionen mit europäischen Rüstungskonzernen. Dies brächte für beide Seiten Vorteile: das ukrainische Know-how für Europa und für die Ukraine Produktionsstätten, die Russland nicht anzugreifen wagt.

Schweiz als Partnerin ist unsexy

Allerdings käme die Schweiz für die Ukraine kaum als Partnerin infrage. Zwar hat das Parlament das strenge Kriegsmaterialgesetz gelockert und erlaubt künftig Ausfuhren in zahlreiche Länder. Die Ukraine steht aber weiterhin auf der Roten Liste. Mit anderen Worten: Alles, was hierzulande produziert wird, dürfte nicht nach Kiew ausgeführt werden.

Höchstens könnte die Schweiz der Ukraine ein Lizenz-Angebot machen, wie es bei der Herstellung anderer Waffensysteme durchaus häufiger vorkommt. So produziert das europäische Rüstungsunternehmen MBDA zum Beispiel Patriot-Pac-2-Raketen des US-Konzerns Raytheon. Allerdings: Die Ukraine kann sich ihre Partner beim Thema Drohnen bald aussuchen. «Warum sollten sie die Schweiz statt der EU wählen?»

Schweizer Drohnen wären international kaum absatzfähig

Bleibt also die Eigenproduktion. Seit 2024 arbeitet die Taskforce Drohnen des Bundesamts für Rüstung, Armasuisse, daran, ein Drohnenproduktionssystem aufzubauen. Insgesamt stehen dafür 47 Millionen Franken zur Verfügung. Die Schweizer Drohnen sollen den Bedarf der Armee decken, aber auch exportiert werden. Mit den billigen und kampferprobten Drohnen aus der Ukraine dürften die Schweizer realistischerweise kaum konkurrieren können, gibt Sauer zu bedenken.

Laut Armasuisse sollen bis Ende 2027 erste Drohnen aus Schweizer Entwicklung an die Truppe ausgeliefert werden. Wie realistisch diese Aussage ist, lässt sich schwer einschätzen. In der Vergangenheit haben sich Beschaffungsprojekte des VBS um viele Jahre verzögert. Aus Sicherheitsgründen macht die Behörde weder Angaben zum Stand der Entwicklung noch zur Zahl der Schweizer Soldaten, die solche Drohnen bedienen können. Armasuisse bestätigt aber, dass eine Zusammenarbeit mit der Ukraine aktuell kein Thema sei.

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