Das hat sich gelohnt. Bei den Wahlen 2023 investierte Adrian Schoop (40) über 260’000 Franken in seinen Wahlkampf. Nur 91 Stimmen fehlten ihm. Doch jetzt, nachdem Maja Riniker (48) in den Aargauer Regierungsrat gewählt wurde, gibt es für Schoop doch noch ein Happy End. Er darf nachrutschen. Wer ist der Aargauer Neo-Nationalrat, der vielen als Rechtsaussen-Politiker gilt?
Der halbe SVPler
Schoop politisiert klar weiter rechts als seine Vorgängerin. Er habe sich nach eigener Angabe im Migrations- und Missbrauchsbereich einen Namen gemacht. Beispielsweise setzte er sich für Fussfesseln für straffällige Asylsuchende ein oder dafür, dass nicht deutschsprachige Eltern den Dolmetscher beim Elterngespräch selber bezahlen müssen: «Der Bürger am Stammtisch, soll nicht das Gefühl haben, dass er Menschen mitfinanzieren muss, die bei uns nichts zu suchen haben und sich nicht integrieren wollen.»
Er sei auch schon öfters angefragt worden, ob er nicht zur SVP wechseln will. Selbst habe er sich dazu aber keine Gedanken gemacht: «Ich bin gegen Abschottung. Die Schweiz braucht auch ein Stück weit globales Denken und gesellschaftspolitische Offenheit.»
Der Kopftuchschreck
Die religiöse Verhüllung von Frauen ist immer wieder Gegenstand von Schoops Vorstössen im Grossrat. Er brachte Kopftuchverbote für Schülerinnen und Staatsangestellte durch. Im Grossrat sagte er kürzlich, dass er selbst keine Frau mit Kopftuch einstellen würde. Zuletzt forderte er ein Verbot von sogenannten Burkinis, also Schwimmanzügen für muslimische Frauen, in Aargauer Bädern. Dass er deswegen schon als Populist bezeichnet wurde, macht ihm nichts aus.
Der Unternehmenserbe
Neben den migrationskritischen Positionen, die Schoop vertritt, entspricht er dem klassischen FDP-Prototyp des Familienunternehmers. Mit 24 wurde er Verwaltungsrat, vor fünf Jahren übernahm die Leitung der Schoop AG von seinem Vater. Das Gartenbau- und Spenglereiunternehmen beschäftigt gut 200 Mitarbeitende und kratzt damit an der oberen Grenze eines KMU.
Wenn es um das Geschäft geht, sieht er die Migration positiver: «Als Unternehmer bin ich mir natürlich durchaus bewusst, dass wir auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sind. In meiner Firma beschäftigen wir 21 verschiedene Nationalitäten», sagt Schoop. Es sei ihm ausserdem ein zentrales Anliegen, dass KMU, Familienunternehmen und Grosskonzerne im Land bleiben. Diese seien der Motor der Schweiz.
Der Social-Media-Star
Mit über 600 Beiträgen auf Instagram und über 150 Beiträgen auf Tiktok bespielt er die Plattformen sehr regelmässig. «Über Tiktok lässt sich eine wahnsinnige Reichweite generieren. Es ist eine gute Möglichkeit, auch ein jüngeres Publikum zu erreichen und über Politik zu informieren.» Inhaltlich geht es darin meist um Schoops politische Forderungen oder Themen aus seinem Unternehmen. Die beliebtesten davon wurden schon mehrere Hunderttausend Mal angesehen. Für einen Kantonalpolitiker lassen sich diese Zahlen sehen.
Noch ist unklar, wann genau Maja Riniker zurücktritt und für Schoop den Platz frei macht. Läuft für Schoop alles nach Plan dürfte er aber schon in der kommenden Wintersession vereidigt werden. Im Gespräch erwähnt Schoop immer wieder, dass er zurückhaltend und demütig an seine neue Aufgabe herangehen will. Er habe sich bisher sehr auf die Kantonale Politik fokussiert, in Bern müsse er sich zuerst einleben und vernetzen: «Ich bin immer noch nur einer von 200. Ich muss es irgendwie hinbringen, aus diesen 0,5 Prozent Stimmkraft 50,5 Prozent zu machen.»