«Sie haben doch damals Ja gestimmt, Herr Silberschmidt»
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Junge fragen kritisch nach:«Sie haben doch damals Ja gestimmt, Herr Silberschmidt»

«Das ist ja sehr interessant, Herr Silberschmidt»
16-Jähriger nimmt FDP-Vizepräsident in der Verkehrs-Arena auseinander

Normalerweise sitzen Junge in der Arena nur im Publikum. Am Freitag war das anders: Vier Jugendliche konfrontierten Politikerinnen und Politiker mit ihren Fragen zum Thema Verkehr – und sorgten damit für einige Schweissperlen. Besonders bei Andri Silberschmidt.
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Vier Jugendliche befragten die Arena-Gäste kritisch zum Thema Verkehr – und brachten damit den einen oder anderen etwas in die Bredouille.
Foto: SRF Arena

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Jugendliche nahmen Arena-Gäste zum Thema Verkehr in die Mangel
  • Dabei hinterfragten sie die Positionen der Politiker kritisch
  • Besonders die unterschiedlichen Lösungsansätze gaben zu reden
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Patrick GerberRedaktor Politik

Stau, überfüllte Züge, teure Billette – das betrifft alle. Gerade auch die Jungen. Diese konnten nun in der SRF-Arena zum Thema Verkehr Politikerinnen und Politiker in die Mangel nehmen – und gingen dabei in unterschiedliche Richtungen. 

Mit von der Partie waren SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner (44), SP-Vizepräsident David Roth (40), FDP-Vizepräsident Andri Silberschmidt (32) und die Vizepräsidentin der Grünen, Marionna Schlatter (45). Die Frage, wie sich die Schweiz verkehrstechnisch am besten für die Zukunft aufstellen kann, beantworten diese unterschiedlich. 

Autobahn, ÖV – oder beides?

Giezendanner sieht die Schweiz vor einem «Verkehrskollaps». Um den schädlichen Ausweichverkehr – etwa durch Dörfer – zu verhindern, müsse man das Autobahnnetz ausbauen. Dem widerspricht Marionna Schlatter: Die Bevölkerung wolle gar keine neuen Autobahnen. Im November 2024 lehnte die Stimmbevölkerung den geplanten Ausbau von sechs Autobahnabschnitten ab. Deswegen müsse man nun beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs vorwärtsmachen, so Schlatter. 

Andri Silberschmidt hingegen hält es nicht für sinnvoll, das Strassennetz und den öffentlichen Verkehr gegeneinander auszuspielen. Die Schweiz brauche beides. Für David Roth ist klar: «Wir müssen in einen zuverlässigen öffentlichen Verkehr investieren.» Die vier Jugendlichen – die verteilt über die Sendung je ein Eins-zu-eins-Gespräch mit einem Arena-Gast führen konnten – wollten es genauer wissen.

«Der beste oder der einfachste Weg?»

«Ich hoffe, ich kann ihn etwas fordern», sagte die 17-jährige Gymnasiastin Lena Wittwer vor ihrem Gespräch mit Giezendanner. Sie wollte von ihm wissen, «ob der Autobahnausbau der einzige oder der einfachste Weg» sei, um das Stauproblem zu lösen. «Das ist der einzige Weg», gab sich Giezendanner überzeugt. Das heutige Autobahnnetz sei in den 1960er-Jahren entworfen worden. Damals habe es erst fünf Millionen Menschen in der Schweiz gegeben – nicht mehr vergleichbar mit heute. «Man muss wieder frei fahren können», fordert er. Das bedeute Lebensqualität für alle. 

Der 19-jährige Maris Hofer nahm hingegen David Roth in die Mangel. Im Jahr 2025 habe es so viele Schwarzfahrer gegeben wie noch nie, führt der Mediamatiker-Lehrling ins Feld. Die ÖV-Branche verliere damit viel Geld, das man für den Ausbau und den Erhalt der Infrastruktur bräuchte. «Müsste man nicht einfach höhere Bussen verlangen?», fragt er. Die Billettpreise seien bereits sehr hoch, entgegnet Roth. Wenn die Tickets gratis wären, gäbe es auch keine Schwarzfahrer, witzelt er. 

«Das ist ja sehr interessant, Herr Silberschmidt»

Auch die letzten beiden Jugendlichen befragen die Arena-Gäste zu möglichen Lösungsansätzen. Die 19-jährige Céline Furrer, die bei Radio 3FACH arbeitet, fordert Antworten von Marionna Schlatter. Der Bundesrat wolle weniger Tempo 30 einführen und dafür vermehrt lärmarme Flüsterbeläge nutzen, so Furrer. Mit diesen könne man gemäss Untersuchungen die Lärmbelastung effizienter senken, argumentierte sie. «Es gibt Gründe, warum die Gemeinden so fundamental dagegen sind», entgegnet Schlatter. «Die Flüsterbeläge sind teuer und gehen schnell kaputt.» 

Mit 16 Jahren ist Lukas Richard der jüngste Herausforderer der Arena-Gäste – von dem merkt man aber nichts. Er fühlte Andri Silberschmidt zum Thema Flugticketabgabe auf den Zahn. Aktuell fordert die Mobilitätsbon-Initiative eine Abgabe von 30 Franken pro Ticket. «Ich finde das falsch», sagt Silberschmidt deutlich. Man brauche eine europäische Lösung – und müsse den Flugverkehr emissionsarmer gestalten. «Das ist ja sehr interessant, Herr Silberschmidt», kontert Richard.

Vor ein paar Jahren habe er im Parlament im Rahmen des CO2-Gesetzes einer Flugticketabgabe zugestimmt. «Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?», fragt Richard. «Das habe ich nicht», so Silberschmidt. Das sei damals ein anderer Kontext gewesen, sagt er. Heute gehe es um eine Volksinitiative, damals habe man über das CO2-Gesetz diskutiert. «Ich habe ja gesagt, es ging um das CO2-Gesetz», entgegnet Richard. Moderator Sandro Brotz gab sich beeindruckt von den Jugendlichen.

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