Die vom Bundesrat verfügte Schliessung der Schulen sei der richtige Entscheid gewesen, sagt Silvia Steiner (62), Zürcher Regierungsrätin und oberste Bildungspolitikerin der Schweiz im Gespräch mit Blick TV: «Wir müssen die Bewegungsradien der Menschen einschränken, um die Verletzlichen zu schützen und die Überforderung des Gesundheitswesens zu vermeiden.»
Der Entscheid sei allerdings «tragisch» für die Jugendlichen: «Ausgerechnet diese hoch mobile und sehr kontaktfreudige Bevölkerungsgruppe muss nun ihren Bewegungsradius einschliessen. Dazu wird ihr Recht auf Bildung eingeschränkt.» Die meisten Jugendlichen verstünden aber sehr gut, worum es gehe. «Sie hängen sehr an ihren Grosseltern und wollen sie schützen.»
Turnlehrer bieten virtuellen Unterricht an
Die Lehrer gingen sehr kreativ mit der Situation um, so die Vorsteherin der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz weiter. «Man kann Jugendliche nicht einsperren, sondern muss ihnen auch in diesen Zeiten etwas bieten.» Von der Schule kämen sehr viele Impulse, so Steiner. Eine Gruppe von Turnlehrern habe zum Beispiel ein virtuelles Programm für den Turnunterricht entwickelt. «Es ist wie früher bei Jane Fonda.»
Bleibende Wissenslücken verhindern
Steiner deutete an, dass die Schulen über den 19. April hinaus geschlossen bleiben könnten. «Wir müssen mit der gefährlichsten Entwicklung rechnen», sagte die CVP-Politikerin. «Es kann noch lange dauern.»
Die grösste Herausforderung werde darin bestehen, die Wissenslücken der Schülerinnen und Schüler danach wieder zu schliessen. «Wir dürfen keine Illusionen haben, es wird zu Defiziten kommen.» Die Schule sei aber sehr gut darauf vorbereitet, bleibende Schäden zu verhindern. «Der Unterricht geht bereits heute stark auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler ein», so Steiner.