Darum gehts
- Parmelins Rücktritt entfacht die Debatte ums Bundesratsalter
- Die Mitglieder sind heute 59 bis 66 Jahre alt
- Jungparteien sind sich uneins: Sollte das Alter für Bundesrätinnen und Bundesräte eine grössere Rolle spielen?
Während sich Herr und Frau Schweizer mit 62 Jahren langsam Gedanken über ihren Ruhestand machen – oder eine Frühpensionierung in Betracht ziehen –, scheint es zugleich das perfekte Alter für das Amt als Bundesrat zu sein. Diesen Eindruck macht zumindest das Durchschnittsalter des aktuellen Gremiums. Mit SVP-Bundesrat Guy Parmelin (66) tritt nun der Älteste zurück. Der jüngste in der Runde ist Parteikollege Albert Rösti (59). Die sieben Magistratinnen und Magistraten trennen lediglich sieben Jahre.
Vor 15 Jahren, als Alain Berset (SP) mit 39 Jahren als zweitjüngster Bundesrat seit dem Zweiten Weltkrieg in den Bundesrat gewählt wurde, lag der Altersschnitt noch bei 53 Jahren. Jünger war in der Nachkriegszeit lediglich Ruth Metzler, die 1999 mit 34 Jahren in den Bundesrat gewählt worden war.
Doch ist es ein Problem, wenn sich die Landesregierung fast ausschliesslich aus Vertreterinnen und Vertreter aus den 1960er-Jahren zusammensetzt? Der abtretende Bundesrat hat seine Meinung dazu bereits kundgetan: Es sei Zeit für einen Generationenwechsel, sagte Parmelin gegenüber dem «Bieler Tagblatt» und CH Media. Es ist eine Aussage, der viele Jungparteien zustimmen – aber nicht alle.
Bundesrat soll bei KI und Social Media nicht ahnungslos sein
So findet etwa Jonas Lüthy (23), Präsident der Jungfreisinnigen, dass der Bundesrat im europäischen Vergleich zwar ein altes Gremium sei, doch der Faktor bei der Wahl eines neuen Mitglieds nicht Priorität haben soll. So sieht es auch Nils Fiechter (30), Präsident der Jungen SVP: «Alter und Geschlecht sind im Vergleich zur Kompetenz und politischen Meinung der Kandidaten völlig irrelevant.»
Dennoch lenkt er ein: «Eine jüngere Person kennt die Sorgen und Ängste der jüngeren Generationen zweifelsohne besser als eine ältere Person.» So wäre es während der Corona-Pandemie beispielsweise wertvoll gewesen, die Sichtweise von Jüngeren stärker einzubringen. Für Benedikt Schmid (25), Präsident der Jungen Mitte, sind es Themen wie die Folgen von KI für den Arbeitsmarkt, denen heute mehr Beachtung geschenkt werden müsste. «Unsere Generation ist auf allen politischen Ebenen unterrepräsentiert.» Entsprechend solle das Alter bei der Bundesratswahl berücksichtigt werden.
«35-Jährige nicht weniger problematisch»
Loa Wild (23), Präsidentin der Jungen GLP, nennt gar ein konkretes Wunschalter für das neue Bundesratsmitglied – nämlich zwischen 35 und 45. Und sie erklärt: «Wer näher an der Lebensrealität junger Menschen ist, kann vielleicht auch besser nachvollziehen, wie stark die aktuelle Unsicherheit ist.» Fragen der Altersvorsorge oder des Klimaschutzes prägten die eigenen Zukunftspläne ganz unmittelbar. Dass die Mitglieder des Bundesrats fast gleich alt sind, zeige, wie einseitig das Gremium zusammengesetzt sei. «Da überrascht es wenig, dass sich viele junge Menschen von der Politik kaum abgeholt fühlen.»
Und Myrto Vandersee (27), Co-Präsidentin der Jungen Grünen, sagt: Bei einem so alten Gremium komme die langfristige Perspektive zu kurz. Ein ideales Alter für den oder die neue Bundesrätin nennt sie nicht, sagt aber: «Aufgrund der aktuellen Zusammensetzung braucht es heute eine junge Frau aus der Westschweiz.» Für Nathalie Ruoss (22), Vizepräsidentin der Juso Schweiz, ist indes klar: Von der SVP einfach zu verlangen, dass sie beispielsweise mehr junge oder mehr weibliche Kandidierende aufstelle, reiche nicht. Das Problem sei, dass die Partei eine Politik vertrete, die menschenfeindlich, rassistisch und autoritär sei. «Eine 35-jährige Person mit derselben Politik wäre für uns nicht weniger problematisch als eine 65-jährige.»