Darum gehts
- Elitepolizist Adrian Leuthard tritt für die SP im Sensebezirk an, um Oberamtmann zu werden
- Das Oberamt ist der verlängerte Arm der kantonalen Regierung, in den Zuständigkeitsbereich gehören Sicherheit, Beschwerden und Baugesuche
- Leuthard tritt für die SP an, jedoch ohne das Logo in seinem Wahlkampf zu nutzen
Die Lage ist ernst. Das ist sich Adrian Leuthard (53) gewohnt. Als Elitepolizist war er mit der Einsatztruppe Tigris auf Auslandeinsätzen, schützte hochrangige Gäste am WEF und Bundesrätinnen und Bundesräte auf Reisen. Er kennt sich aus mit Sprengstoff, kann Flugzeuge steuern und ist einstiger Wettkampfschwimmer. In den sozialen Netzwerken ist er bekannt geworden als «Chuck Norris aus dem Freiburger Oberland».
Doch diese Lage ist anders. Mit einem Kaffeewagen auf drei Rädern tuckert Leuthard derzeit mit 45 km/h durch seine Heimat – die 15 Gemeinden des Sensebezirks im Kanton Freiburg. Nun heisst es: Stimmenfang statt Schutzauftrag. Leuthard will am kommenden Sonntag, 8. November, ins Oberamt des Sensebezirks gewählt werden. Seinen Job bei der Bundespolizei müsste er dann aufgeben.
«Diese Frage höre ich oft»
Das Oberamt ist ein politischer Posten, der heute vor allem noch in den Kantonen Freiburg und Solothurn ausgeübt wird. Die Oberämter sind die verlängerten Arme der Kantonsregierung zu den Gemeinden hin. Sie sind zuständig für die öffentliche Sicherheit, erlassen Strafbefehle und behandeln verschiedene Beschwerden. Sie fördern Fusionen, bewilligen Baugesuche oder weisen sie zurück. Als Baupolizisten kontrollieren sie, dass die Vorschriften eingehalten werden.
«Das Amt passt perfekt in mein Cockpit», ist Leuthard überzeugt. In die Politik gestartet ist er 2021 als Gemeinderat in Plaffeien FR. Er hat die SP Sektion Oberland mitbegründet und amtet als deren Präsident. 2023 versuchte er dann vergeblich den Sprung auf die nationale Bühne, als er für den Nationalrat kandidierte.
Ist das Oberamt für einen Elitepolizisten mit nationalen Ambitionen nicht eine langweilige Aussicht? «Diese Frage höre ich oft», sagt Leuthard. Nach 30 Jahren Polizeilaufbahn habe er nun die Möglichkeit, seinem Bezirk etwas zurückzugeben. «Falls jetzt etwas Schlimmes passiert, bin ich da.»
Sein Sicherheitsbewusstsein zeigt sich bereits im Wahlkampf: «Wenn ich an einem Podium in einer Turnhalle auftrete, achte ich als erstes immer darauf, wie der Raum ausgestattet ist: Fluchtwege, Ausgänge, Feuerlöscher und Standort der Defibrillatoren.»
Getarnter SP-Anwärter
Eigentlich ist Leuthard ein Zugezogener im Sensebezirk, dem einzigen rein deutschsprachigen Teil des Kantons. Geboren ist er in Freiburg, aufgewachsen im Kanton Basel-Landschaft. Dort hat er die Lehre zum Feinmechaniker gemacht, in Basel-Stadt hat er die Polizeischule absolviert. Später war er für die Basler Sondereinheit Basilisk tätig. Dennoch sei es für ihn eine Rückkehr gewesen, als der Familienvater vor zwölf Jahren mit seiner Frau und den Söhnen an den Schwarzsee zog, sagt Leuthard. Seine Mutter war hier am Fuss des Kaisereggs aufgewachsen.
Die Heimat trägt Leuthard auf der Gürtellinie. Ein grosser Drache prangt auf der silbernen Schnalle seines Gurtes – das Symbol seinen Lieblingsclubs Friboug-Gottéron und das Wahrzeichen von Basel. Nicht offen ersichtlich ist hingegen seine Parteizugehörigkeit; zumindest, wenn man den Blick auf die Wahlkampagne richtet.
In schwarz auf weiss strahlt Leuthards Geschicht von den Plakaten, sobald man in den Bezirk einfährt. Auch in den sozialen Medien fehlt in den Wahlkampfbeiträgen auf seinem Profil das rote SP-Logo. «Der Grundgedanke war, die Plakate in den Kantonsfarben zu gestalten.» Die Partei habe es zwar schade gefunden, dass er ohne das SP-Logo auftrete. Er wolle jedoch als Person ins Oberamt gewählt werden, nicht als Vertreter einer Partei. Letzteres würde ihm im Mitte-rechts dominierten Bezirk wohl auch schwer gelingen.
Chuck Norris – Freude und Fluch
Er sei er auch nicht immer linientreu – beispielsweise sehe er den Sinn der Armee und würde sie nicht abschaffen wollen. Doch gehe es etwa um tiefe Krankenkassenprämien oder die Wichtigkeit von Frauenhäusern und Beratungsangeboten sei er durchaus Sozialdemokrat, wie er betont.
Leuthard versteht es auch in anderen Bereichen, vermeintliche Widersprüche zu leben, etwa als linker Polizist. Aber auch, wenn es um seinen Spitznamen «Chuck Norris aus dem Freiburger Oberland» geht. Der amerikanische Action-Schauspieler war für die Sprüche über ihn weltbekannt. Er verstarb am 19. März dieses Jahres im Alter von 86 Jahren. «Zum einen ist er ein Held meiner Kindheit.» Der Vergleich sei daher eine Ehre. «Zum andern war er Republikaner und Trump-Fan.» Politisch verbinde ihn nichts mit Norris.
Und so passt es auch ins Bild, dass sich der einstige Rambo nun vollberuflich in die Verwaltung begeben möchte – und den Ernst der Lage vom Schreibtisch aus regeln möchte.