Bund zieht Notbremse
SBB wollen Bahnstrom verteuern – auf Kosten der Passagiere

Die Bundesbahnen wollten ihren Bahnstrom zum doppelten Preis verkaufen. Das hätte die Züge um zehn Prozent verteuert. Doch Preisüberwacher Stefan Meierhans und das Bundesamt für Verkehr stoppen die Preisexplosion auf der Schiene.
Publiziert: 24.11.2022 um 00:11 Uhr
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Aktualisiert: 24.11.2022 um 16:41 Uhr
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Die SBB wollen ihren Bahnstrom teurer verkaufen.
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Pascal TischhauserStv. Politikchef

Die SBB wollten ihren Strom verteuern. Ihr Ziel war es, den Bahnstrom, den sie grösstenteils selbst produzieren, zum doppelten Preis weiterzuverkaufen. Folge: Die allermeisten Zugfahrten sowie der Güterverkehr hätten sich verteuert. Der Bund hat die Notbremse gezogen.

Derzeit können die SBB unter Chef Vincent Ducrot (60) den Bahnstrom für 10,5 Rappen pro Kilowattstunde an andere Bahnen verkaufen. Wie Blick weiss, hätten sie gern 20,5 Rappen geheuscht. Die SBB bestätigen, dass sie im August eine Erhöhung um zehn Rappen für die nächsten zwei Jahre forderten.

SBB-Chef Vincent Ducrot: «Wird der Strom teilweise abgeschaltet, stehen wir still»(08:18)

Züge werden teurer

Laut dem Bundesamt für Verkehr (BAV) führt eine Erhöhung des Bahnstrom-Preises um einen Rappen zu einem Anstieg der Stromkosten von zehn Prozent. Rechne man das auf die Gesamtkosten eines Zugs hoch, verteuere sich dieser um ein Prozent. Bei zehn Rappen mehr wären die Züge also zehn Prozent teurer geworden.

Eingestiegen ist bei der Wettfahrt um die Kosten auch Stefan Meierhans (54). Für den Preisüberwacher ist klar, dass eine starke Erhöhung Auswirkungen aufs Portemonnaie von Passagieren und Transportunternehmen hätte. Das räumen selbst die SBB ein.

Forderung gesenkt

Inzwischen haben die Staatsbahnen selbst gemerkt, dass die Forderung überrissen war. Im Sommer habe die extreme Trockenheit zu einer tieferen Energieproduktion geführt, weshalb man am Markt zu hohen Preisen habe Strom zukaufen müssen, damit die Züge rollten, begründen sie diese. Es werde wohl ein Verlust von 180 Millionen Franken resultieren, das sei laut Eisenbahngesetz nicht erlaubt.

Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, die SBB haben ihre Forderung gesenkt. Zwischenzeitlich war noch von fünf bis sechs Rappen die Rede, doch auch diese sind vom Gleis: Die Lösung des Bundes liege deutlich darunter, so das BAV.

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Entgegen den Klimazielen

Der SBB-Bahnstrom kommt zu 90 Prozent aus Wasserkraft – vor allem aus eigenen Anlagen. Zudem bestehen Lieferverträge mit Partnern.

Umso unverständlicher, dass die SBB die Forderung überhaupt erhoben. Der Präsident der nationalrätlichen Verkehrskommission sowie der Alpen-Initiative, Jon Pult (38, SP), warnt wegen der Verteuerung, man dürfe den Güterverkehr auf der Schiene gegenüber der Strasse nicht benachteiligen. Das laufe den Schweizer Klimazielen entgegen.

Und auch für den Urner Ständerat und Präsidenten des Verbandes der verlandenden Wirtschaft (VAP), Josef Dittli (65, FDP), ist das Vorgehen der SBB nicht zielführend. Er zeigt zwar Verständnis für eine moderate Erhöhung, weil auch Diesel und somit der Transport auf der Strasse teurer geworden sind. «Aber auf der Strasse hat die Marktwirtschaft Vorfahrt, auf der Schiene besteht ein Monopol.»

Weniger, aber länger

Das BAV wird den SBB laut Recherchen kommende Woche einen kleinen Preisanstieg zugestehen. Horrende Heizkosten, die Teuerung und die Krankenkassenprämien belasten die Bürgerinnen und Bürger ohnehin schon stark. Aus Sicht des Bundes sollten da die SBB die Leute nicht noch unnötig schröpfen.

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Doch ganz so einfach geben sich die SBB nicht geschlagen: Statt der starken Erhöhung, begrenzt auf zwei Jahre, haben sie nun eine länger anhaltende Preissteigerung aufgegleist.

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