Bähnler wollen mehr Sicherheit: SBB zu Treffen mit Gewerkschaft bereit(01:16)

Erneut vier Schwerverletzte bei Gleisarbeiten
Bähnler fordern von den SBB mehr Sicherheit

Die Unfallserie auf Baustellen der Bahn reisst nicht ab. Jetzt verlangt die Gewerkschaft des Verkehrspersonals, dass konkrete Massnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit zu erhöhen.
Publiziert: 30.10.2022 um 00:30 Uhr
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Aktualisiert: 18.11.2022 um 17:49 Uhr
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Die Unfallserie auf Baustellen der Bahn reisst nicht ab. Jetzt verlangt die Gewerkschaft des Verkehrspersonals, dass konkrete Massnahmen ergriffen werden.
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Thomas SchlittlerWirtschaftsredaktor

Es ist eine traurige Bilanz: Bis Ende September dieses Jahres starben durch Unfälle auf SBB-Baustellen drei Menschen. Drei weitere wurden schwer verletzt. Zudem kam ein Mann beim Rangieren ums Leben.

Anfang Oktober wandte sich SBB-Chef Vincent Ducrot (60) deshalb an die 4000 Beschäftigten, die auf und neben den Geleisen schuften. «Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass es extrem wichtig ist, nie die Aufmerksamkeit und den Respekt vor potenziellen Gefahren zu verlieren – auch wenn man seit vielen Jahren in Gleisnähe arbeitet», so Ducrot damals (SonntagsBlick berichtete).

Bähnler haben genug

Doch die Unglücksserie reisst nicht ab. In den vergangenen zwei Wochen gab es erneut vier schwere Unfälle bei Arbeiten in Gleisnähe. Auf einer SBB-Baustelle im Kanton Neuenburg mussten innert weniger Tage gleich zwei Angestellte einer Drittfirma, die für die SBB arbeitet, ins Krankenhaus eingeliefert werden. In AltdorfUR musste ein Techniker mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden, der sich bei einem Kontakt mit einer Starkstromleitung schwere Verbrennungen zugezogen hatte. Und in Biel BE kam es auf dem Rangierbahnhof zu einem schweren Unfall.

Jetzt haben die Bähnler genug. Sie geben sich nicht mehr mit Mitgefühl und warnenden Worten zufrieden, sondern verlangen eine sofortige Aussprache mit der SBB-Spitze. Diese Woche verschickte die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) deshalb einen Brief an Peter Kummer (57), Leiter Infrastruktur bei den Bundesbahnen. In dem Schreiben, das SonntagsBlick vorliegt, benennen die Personalvertreter mögliche Gründe für die Sicherheitsprobleme.

Drittfirmen sollen kontrolliert werden

Der SEV kritisiert, dass Drittfirmen häufig «völlig unkontrolliert» auf SBB-Baustellen arbeiteten und «Firmen ohne Erfahrungen im Bahnbereich» mit zu wenigen Vorgaben auf und neben die Geleise gelassen würden.

Die Gewerkschafter fordern deshalb eine «sofortige Überprüfung» von Ausschreibungen und Vergaben mit Bezug zu Sicherheitsthemen. «Es kann nicht sein, dass z.B. Firmen Aufträge erhalten, die kein eigenes qualifiziertes Personal oder keine Erfahrungen im entsprechenden Bahnbereich aufweisen können», heisst es in dem Brief.

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Weiter kritisieren die Bähnler, dass die SBB-Mitarbeitenden laufend zugedeckt würden mit zusätzlichen Systemen, Arbeitsmitteln, Prozessen und Formularen. «Wichtiges und Unwichtiges verschwimmt immer mehr», schreibt der SEV. Und weiter: «Wir gehen davon aus, dass die heutige Situation die Aufmerksamkeit in Sachen Sicherheit beeinträchtigen kann.»

SBB ist gesprächsbereit

Als Konsequenz verlangen die Gewerkschafter eine Krisensitzung mit den Verantwortlichen der SBB. «Es geht dabei nicht um eine Schuldzuweisung, sondern um eine möglichst schnelle Verbesserung für die Sicherheit für alle Kolleginnen und Kollegen.»

Von SonntagsBlick auf das Schreiben angesprochen, zeigen sich die SBB gesprächsbereit: «Wir treffen uns am 1. November 2022 mit dem SEV und besprechen dabei auch die Inhalte des erhaltenen Briefes», schreibt die Medienstelle.

Den Vorwurf, dass die SBB bei Drittfirmen ihre Sorgfaltspflicht nicht wahrnehme, weist das Unternehmen jedoch entschieden zurück. «Wir investieren enorm viel in die Sicherheit unserer Baustellen.» Zudem sei man daran, das Personal weiter zu schulen und zu sensibilisieren – auch das Personal von Drittfirmen. Die Häufung von Unfällen erklären die SBB damit, dass man derzeit sehr viel baue.

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Den Gewerkschaftern reichen solche Erklärungen nicht länger. «So kann es nicht weitergehen», sagt Urs Huber(60), der beim SEV den Bereich Infrastruktur leitet. Nach all den schrecklichen Ereignissen könne man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

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