So setzt sich der Medianlohn 2024 zusammen
1:46
Bundesamt für Statistik:So setzt sich der Medianlohn 2024 zusammen

Bund präsentiert neue Zahlen
Medianlohn beträgt 7024 Franken!

2024 betrug der Medianlohn hierzulande 7024 Franken. 236 Franken mehr als zwei Jahre zuvor. Was sich bei den Löhnen sonst noch geändert hat, zeigt die neue Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik. Blick liefert die wichtigsten zahlen.
Kommentieren
1/7
Wie viel Lohn landet im Portemonnaie? Die Lohnstrukturerhebung 2024 liefert neue Zahlen.
Foto: CHRISTIAN BEUTLER

Darum gehts

  • Neue Lohnstrukturerhebung 2024 zeigt Entwicklung der Löhne in der Schweiz
  • Medianlohn liegt neu bei 7024 Franken
  • Lohngefälle zwischen Frauen und Männern nimmt ab – liegt aber n noch immer bei 8,4 Prozent
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_1047.JPG
Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Der Lohn der Arbeitskollegen und Freunde gilt in der Schweiz als Tabuthema. Doch nun legt das Bundesamt für Statistik (BFS) die neusten Zahlen dazu offen. In der Lohnstrukturerhebung 2024 wurden die Saläre von 2,9 Millionen Angestellten analysiert.

BFS-Direktor Georges-Simon Ulrich sowie der für den Bereich Löhne und Arbeitsbedingungen zuständige BFS-Sektionschef Didier Froidevaux präsentierten die jüngsten Daten an einer Medienkonferenz in Bern. Blick liefert die wichtigsten Ergebnisse daraus. 

Medianlohn steigt auf 7024 Franken

Der Medianlohn eines oder einer Angestellten beträgt neu 7024 Franken brutto pro Monat für eine Vollzeitstelle (gerechnet auf zwölf Monatslöhne). Die Hälfte der Bevölkerung verdient also mehr, die andere Hälfte weniger. Gegenüber der letzten Erhebung 2022 ist das ein Anstieg um 236 Franken beziehungsweise 3,5 Prozent. 

Die 10 Prozent der Arbeitnehmenden mit den tiefsten Löhnen verdienen weniger als 4635 Franken pro Monat, während die bestbezahlten 10 Prozent einen Lohn von über 12'526 Franken erhalten.

Teuerung führt zu Kaufkraftverlust

Zwischen 2008 und 2024 sind die Löhne in allen Bereichen gestiegen. In der «Mittelschicht» um 15,4 Prozent. Bei den bestbezahlten 10 Prozent ist der Anstieg mit 16,8 Prozent leicht höher, bei den Wenigverdienenden liegt er sogar bei 18,1 Prozent. 

Nach Jahren der Null-Inflation nahm die Teuerung in jüngster Zeit aber deutlich zu. Seit 2020 sind die Preise um mehr als 7 Prozent gestiegen. Im Jahr 2024 gab es zwar ein Reallohnwachstum, der Rückstand ist aber noch nicht aufgeholt.

«Die Lohnentwicklung der letzten Jahre war für die Normalverdienenden schlecht», betonte Gewerkschaftsbund-Chefökonom Daniel Lampart. In den Jahren 2020 bis 2025 seien die Löhne jährlich real um 0,3 Prozent gesunken. Ein Kaufkraftverlust also. Das sei «erschütternd», so der Gewerkschafter. «Es braucht nun auch in der Schweiz mehr Konflikte und ein härteres gewerkschaftliches Vorgehen, damit es bei den Löhnen aufwärts geht!»

Die Unternehmen seien immer bemüht, die Saläre anzuheben, hielt Arbeitgeber-Direktor Roland A. Müller dagegen. Dabei müssten aber verschiedene Elemente auf dem Arbeitsmarkt wie auch gewisse geopolitische Unsicherheiten berücksichtigt werden. Deshalb habe man in den vergangenen Jahren die Teuerung nicht immer voll ausgleichen können. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

Frauen verdienen immer noch weniger

Die Lohnschere zwischen Frauen und Männern schliesst sich nur langsam. In der Gesamtwirtschaft liegt das Lohngefälle bei 8,4 Prozent – gegenüber 9,5 Prozent im Jahr 2022 oder 11,5 Prozent im Jahr 2018. Ein Teil der Lohnunterschiede ist aber erklärbar, etwa durch das Bildungsniveau oder das Alter. Allgemein finden sich im Tieflohnbereich mehr Frauen als Männer. Umgekehrt dominieren im Hochlohnbereich die Männer.

Was auffällt: Im Kaderbereich ist das Gefälle noch grösser. So verdienen Frauen in besonders verantwortungsvollen Stellen 10'077 Franken monatlich, während Männer auf derselben Stufe 11'715 Franken erhalten. Das entspricht einer Differenz von 14 Prozent. Bei Arbeitsstellen ohne Kaderfunktion ist das Lohngefälle mit 5,2 Prozent zuungunsten der Frauen weniger ausgeprägt.

Bei der Gleichstellung sehe man klare Fortschritte, freut sich Arbeitgeber-Direktor Müller. «Wir sind noch nicht am Ziel, aber der Trend zeigt klar in die richtige Richtung.» Bei jüngeren Altersgruppen seien die Unterschiede zudem kleiner. Langfristig gehe es also weiter Richtung Lohngleichheit.

Grosse Lohnunterschiede je nach Branche

Je nach Wirtschaftszweig gibt es grosse Lohnunterschiede. Am besten verdienen Angestellte in der Tabakindustrie mit einem Medianlohn von 14'303 Franken. Dahinter folgen die Banken mit 10'723 Franken, die Pharmaindustrie mit 10'159 Franken sowie der Bereich Forschung und Entwicklung mit 9139 Franken.

In der Mitte der Skala sind Branchen wie Metallerzeugung und -bearbeitung (6279 Franken), Baugewerbe (6616 Franken), Luftfahrt (7134 Franken), Grosshandel (7478 Franken) und Maschinenindustrie (7632 Franken) zu finden.

Zuunterst in der Lohnpyramide sind der Detailhandel (5214 Franken), die Beherbergung (4715 Franken), die Gastronomie (4744 Franken) und die persönlichen Dienstleistungen (4496 Franken) angesiedelt.

In Zürich verdient man am meisten

Die Schweizer Monatslöhne variieren zwischen den Regionen immer noch deutlich. In der Region Zürich liegt der Medianlohn bei 7502 Franken. In der Nordwestschweiz (7156 Franken) und der Zentralschweiz (7092 Franken) verdient man ebenfalls überdurchschnittlich. Dahinter folgen die Genferseeregion mit 6998, der Espace Mittelland mit 6964 und die Ostschweiz mit 6623 Franken. Das Schlusslicht macht das Tessin mit 5708 Franken.

Diese regionalen Lohnunterschiede sind im Laufe der Zeit relativ beständig. Sie lassen sich laut dem BFS weitgehend durch die räumliche Konzentration von Wirtschaftszweigen mit hoher Wertschöpfung und durch strukturelle Besonderheiten der regionalen Arbeitsmärkte erklären.

13

Monatslohn für viele, Boni für jeden Dritten

Über drei Viertel (75,9 Prozent) der Arbeitnehmenden erhalten einen 13. Monatslohn. Der Anteil der Unternehmen, die nahezu all ihren Angestellten einen 13. Monatslohn zahlen, stieg zwischen 2022 und 2024 leicht von 45,8 auf 46,4 Prozent. Lediglich 27,9 Prozent der Unternehmen zahlten gar keinen 13. Monatslohn aus.

Einen Bonus erhält nur rund ein Drittel der Arbeitnehmenden – das heisst: eine unregelmässige, zusätzlich zum Grundlohn ausbezahlte jährliche Sonderzahlung. Der Wert der ausbezahlten Jahresboni stieg leicht auf durchschnittlich 11'967 Franken (gegenüber 11'670 Franken im Jahr 2022). «Die Höhe der Boni variierte je nach Wirtschaftszweig und Verantwortungsniveau im Unternehmen deutlich», schreibt das BFS.

Im oberen Kader sind die Boni teils massiv. In den mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeiten als auch bei den Banken sind es im Schnitt rund 150'000 Franken. Bei Personen ohne Führungsverantwortung fallen die Boni mit durchschnittlich 4601 Franken pro Jahr deutlich tiefer aus.

Und hier ist der Ticker der Medienkonferenz zum Nachlesen:

25.11.2025, 10:29 Uhr

Teure Wohnungen, höhere Prämien

Die Kosten für Normalverdienende würden ständig steigen, sagt Lampart. Bei den Mieten, bei den Krankenkassenprämien, bei den Lebenshaltungskosten – vieles werde teurer. 

Viele würden den Reichtum im Land zwar sehen, bloss nicht bei sich selbst, so Lampart.

Damit ist die Medienkonferenz beendet. Demnächst liest du hier eine Zusammenfassung. 

25.11.2025, 10:25 Uhr

Im Baugewerbe droht eine Eskalation

Was bedeutet Lamparts Kampfansage? Er verweist auf die aktuell laufende Auseinandersetzung im Baugewerbe. Da gebe es erste Demonstrationen und Kundgebungen. Man können den Druck aber in kleinen Schritten weiter erhöhen und eskalieren, bis hin zum Streik. Was er aus gewerkschaftlicher Sicht bezüglich der Löhne erlebt habe, sei «unerträglich. Das kann es nicht sein!»

25.11.2025, 10:21 Uhr

Arbeitgeber bemüht, Saläre anzuheben

Nun geht es in die Fragerunde. Die Arbeitgeber seien immer bemüht, die Saläre anzuheben, sagt Arbeitgeber-Direktor Müller. Dabei müssten aber verschiedene Elemente auf dem Arbeitsmarkt wie auch gewisse geopolitische Unsicherheiten berücksichtigt werden. Deshalb habe man in den vergangenen Jahren die Teuerung nicht immer voll ausgleichen können.

Oftmals seien die Lohnerhöhungen auch besser, als in den Verhandlungen diskutiert. Etwa, wenn es wirtschaftlich doch besser läuft als zuvor gedacht.

25.11.2025, 10:16 Uhr

Kampfansage der Gewerkschaften

Gewerkschaftsvertreter Lampart macht eine Kampfansage: «Es braucht nun auch in der Schweiz mehr Konflikte und ein härteres gewerkschaftliches Vorgehen, damit es bei den Löhnen aufwärts geht!»

25.11.2025, 10:13 Uhr

«Schlechte Nachricht: Reallöhne sind gesunken»

Nun spricht Daniel Lampart, der Chefökonom des Gewerkschaftsbunds. Er bringt das Kontrastprogramm zu den Vorrednern, nämlich die «schlechten Nachrichten», wie er selbst sagt.

«Die Lohnentwicklung der letzten Jahre war für die Normalverdienenden schlecht», sagt Lampart. Die Reallöhne hätten stagniert. In den letzten fünf Jahren seien sie sogar leicht gesunken. Für die Jahre 2020 bis 2025 seien die Löhne real um 0,3 Prozent gesunken. Das heisst: Die Teuerung war höher als die Lohnerhöhungen. Seit 2020 beträgt die aufgelaufende Inflation über 7 Prozent!

Dass es in Teuerungszeiten teils keine Lohnerhöhungen mehr gebe, sei «erschütternd». Das habe es historisch früher kaum gegeben.

25.11.2025, 10:07 Uhr

«Die Löhne in der Schweiz gehören zu absoluten Spitze!»

«Die Löhne in der Schweiz gehören zu absoluten Spitze!», betont Müller. Das sei kein Zufall, sondern das Resultat des liberalen Arbeitsmarktes, der Berufsbildung wie auch einer funktionierenden Sozialpartnerschaft.

Dazu müsse man Sorge tragen und immer wieder Verbesserungen erreichen, etwa mit einem Bürokratie-Abbau.

25.11.2025, 10:03 Uhr

«Der Schweizer Arbeitsmarkt funktioniert insgesamt sehr gut!»

Arbeitgeber-Direktor Roland A. Müller legt die Sicht der Arbeitgeber dar. «Die neuen Zahlen liefern ein klares Bild: Der Schweizer Arbeitsmarkt funktioniert insgesamt sehr gut!» Der Anstieg auf über 7000 Franken sei erfreulich, gerade aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Die Lohnstruktur sei insgesamt stabil geblieben. 

Bei der Gleichstellung sehe man klare Fortschritte, sagt er. «Wir sind noch nicht am Ziel, aber der Trend zeigt klar in die richtige Richtung.» Bei jüngeren Altersgruppen seien die Unterschiede zudem kleiner. Langfristig führe der Arbeitsmarkt zu mehr Lohngleichheit.

25.11.2025, 09:57 Uhr

Rückgang der Teuerung hilft

Nun ist Seco-Mann Jérôme Cosandey an der Reihe. Für ihn sind die neuen Zahlen wichtig, um die flankierenden Massnahmen umsetzen zu können. Sprich: Um Lohndumping bei der Personenfreizügigkeit zu verhindern. 

Die Verlangsamung des BIP-Wachstums tangiere auch das Stellenangebot, erklärt er. So steigt auch die Zahl der Arbeitslosen wieder an. Im Jahr 2024 habe der Rückgang der Teuerung zu einem Reallohnwachstum geführt. Aktuell habe man fast keine Inflation.

25.11.2025, 09:52 Uhr

Die meisten bekommen einen 13. Monatslohn

Über drei Viertel (75,9 Prozent) der Arbeitnehmenden erhielten 2024 einen 13. Monatslohn. Der Anteil der Unternehmen, die nahezu all ihren Angestellten einen 13. Monatslohn zahlen, stieg zwischen 2022 und 2024 leicht von 45,8 auf 46,4 Prozent. Lediglich 27,9 Prozent der Unternehmen zahlten gar keinen 13. Monatslohn aus.

25.11.2025, 09:51 Uhr

Jeder Dritte erhält einen Bonus

2024 erhielt ein Drittel (32,6 gegenüber 33,6 Prozent im Jahr 2022) der Arbeitnehmenden einen Bonus – das heisst: eine unregelmässige, zusätzlich zum Grundlohn ausbezahlte jährliche Sonderzahlung. Der Wert der ausbezahlten Jahresboni stieg leicht auf durchschnittlich 11'967 Franken (gegenüber 11'670 Franken im Jahr 2022).

«Die Höhe der Boni variierte je nach Wirtschaftszweig und Verantwortungsniveau im Unternehmen deutlich», schreibt das BFS. 

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen