Darum gehts
- Initiative will Klybeckquai in Basel bis 2035 zur Insel umgestalten
- Regierung und Parteien lehnen Projekt ab – aus diversen Gründen
- Abstimmung über die Zukunft des Areals am 14. Juni 2026
Mehr Bäume oder neue Wohnungen? Um diese grundsätzliche Frage geht es bei einer Abstimmung in Basel am Ende: Weg mit der Industrie am Klybeckquai in der Stadt – stattdessen soll es eine Insel mit Bäumen und Sträuchern geben. Das fordert die Initiative eines Lehrers. Im Quartier am Rhein befinden sich heute vor allem Industriegebäude, Bahnschienen und Beton. Doch das war nicht immer so.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das direkt am Wasser liegende Areal eine Insel. Ein Seitenarm des Rheins trennte sie vom Festland. Später wurde der Rheinarm zugeschüttet – und die Insel verschwand. Immer mehr Industriebetriebe siedelten sich an. Ein Teil des Areals ist heute im Besitz des Kantons, der andere gehört dem Unternehmen Rhystadt AG. Diesen müsste der Kanton möglicherweise abkaufen.
Keine Unterstützung von Regierung und Parteien
Die Initiative – dahinter steht der Basler Lehrer Philippe Ramseyer (66) – will das Rad der Zeit zurückdrehen. «Nach Beseitigung der industriellen Altlasten soll das Gebiet durch Freilegung des aufgeschütteten Altrheins bis 2035 als Insel wiederhergestellt und mit einheimischen Bäumen und Sträuchern wieder aufgeforstet werden», fordern die Initianten.
Dafür müsste das Areal zuerst in die Grünzone umgezont werden. Das Projekt schaffe «die grösste zusammenhängende Grünfläche Kleinbasels» sowie Erholungsmöglichkeiten, so die Befürworter. Das sei auch für das Klima vorteilhaft.
Doch der Zuspruch bleibt grösstenteils aus. Der Regierungsrat und die Basler Parteien unterstützen das Projekt nicht – nicht einmal die Grünen. Die Gegner argumentieren etwa mit den hohen Kosten – mindestens eine halbe Milliarde Franken. Für die Realisierung des Projekts müssten etwa die Hafenbahn sowie Schiffsanlegestellen verlegt werden. Die Umsetzung der Initiative sei «bis 2035 nicht realistisch».
Am Schluss entscheidet das Volk
Zudem plant der Kanton auf dem Areal 3500 Wohnungen – ebenfalls verbunden mit einer Verschiebung der Hafenbahn. Bei einer Annahme der Initiative könnten wohl nur noch 1000 Wohnungen gebaut werden, heisst es in einer Medienmitteilung des Regierungsrates. Doch selbst das sei nicht sicher.
Zudem würde «der Verlust an potenziellem Wohnraum den Druck auf die Mietpreise in Basel weiter erhöhen» und «zu mehr Pendelverkehr führen», warnen die Behörden. Auch bei «fast allen Grossprojekten in Basel Nord» führe die Initiative zu «wesentlichen Unsicherheiten und mehrjährigen Verzögerungen», so die Regierung weiter. Ein Gegenvorschlag wurde nicht vorgelegt.
Die Zukunft des Klybeck-Areals ist dennoch noch offen. Am 14. Juni entscheiden die Stimmbürger von Basel-Stadt über die Initiative.