Darum gehts
- Brienz kämpft mit hohen Kosten durch Rutsch und Evakuation bis 2025
- Gemeindepräsident fordert kantonale Unterstützung wegen untragbarer finanzieller Belastung
- 50 Millionen Franken Kredit für Umsiedlung vom Bündner Grossen Rat bewilligt
Albula habe in den letzten Jahren allein für Brienz Restkosten von rund 4,6 Millionen Franken getragen, sagte Albertin in einem Interview mit der «Südostschweiz» vom Mittwoch. Darin nicht inkludiert seien die evakuationsbedingten Kosten von 600'000 Franken, die von November 2024 bis November 2025 entstanden sind. In diesen Betrag seien wiederum nicht alle Kosten - etwa für die zusätzliche administrative Arbeit der Gemeindeverwaltung - einberechnet.
«Das sind Kosten, die nicht abwälzbar sind», sagte Albertin. Dies bei einem Budget von 18 bis 19 Millionen Franken und einem Cashflow von rund 250'000 Franken. «Das ist ein Problem, das auch auf kantonaler Ebene intensiv diskutiert werden muss», forderte der Gemeindepräsident von Albula, zu der Brienz gehört.
«Jetzt muss es gehen - bis wir ausgeblutet sind»
Er stellte die Frage, ob eine Gemeinde, die eine Herausforderung wie den Brienzer Rutsch zu bewältigen hat, all diese Kosten tragen müsse. Und antwortete gleich selbst: «Heute ist das so.» Mit den heutigen gesetzlichen Grundlagen sei es schwierig, mehr zu verlangen als das, was die Gemeinde bereits erhalte.
Hätte das Dorf Brienz vor zehn Jahren nicht fusioniert, wäre nicht einmal die Überwachung des Rutsches finanziell möglich gewesen, sagte Albertin und fügte an: «Jetzt sind wir aber fusioniert, jetzt muss es gehen - bis wir ausgeblutet sind. Und dann?»
Eine Steuererhöhung komme nicht infrage. Nur weil man jetzt das Pech habe, vor der grossen Herausforderungen der Rutschbewältigung zu stehen, könne man nicht mehr Steuern von der ganzen Gemeinde verlangen, sagte der Gemeindepräsident. «Wenn wir wollen, dass man in Brienz/Brienzauls weiterhin leben kann, wenn wir wollen, dass die Umsiedlung machbar ist, dann müssen wir aufzeigen, dass wir das als Gemeinde nicht mehr alleine stemmen können.»
Neubeurteilung Ende Januar
Ende 2025 hatte sich der Schuttstrom oberhalb des evakuierten Bergdorfs weiter verlangsamt. Im Dorf selbst gab es so tiefe Rutschgeschwindigkeiten wie nach Behördenangaben zuletzt vor 15 Jahren. Wie es für die Bevölkerung von Brienz längerfristig weitergehen soll, ist derzeit offen. Bis Ende Januar sollen die Verhältnisse am Berg neu beurteilt werden.
Albertin glaubt nicht, dass sich mit einer allfälligen Aufhebung der Evakuation die Frage nach einer Umsiedlung nicht mehr stellt. «Wir sind immer noch der festen Meinung, dass man diese Umsiedlung machen soll, kann und darf, wenn man es für sich als die richtige Lösung betrachtet», sagte er im aktuellen Interview. Zudem wies er darauf hin, dass die letzten Jahre gezeigt hätten, dass sich der Berg manchmal innerhalb weniger Monate anders als erwartet verhalte.
Die Bevölkerung wird unter anderem vom Kanton finanziell unterstützt. Der Bündner Grosse Rat hatte Anfang Dezember für eine präventive Umsiedlung einen Kredit von 50 Millionen Franken gesprochen. Damit sollen diejenigen entschädigt werden, die dauerhaft wegziehen wollen. Bereits vor drei Jahren sprach der Grosse Rat einen Kredit von 40 Millionen Franken für den Entwässerungsstollen unterhalb des Dorfes.