Darum gehts
- Bundesrätin Baume-Schneider verteidigt Frühfranzösisch an Primarschulen in der Deutschschweiz
- Bundesrat erwägt Eingriff ins Sprachengesetz, falls die Kantone ihre bestehende Sprachstrategie aufgeben
- Frühfranzösisch soll nationalen Zusammenhalt und Sprachverständnis sichern, so Bundesrat
Französisch-Befehl aus Bern!
Der Entscheid des Bundesrats im Klartext: Der Bundesrat macht im Streit ums Frühfranzösisch Druck auf die Kantone.
- Elisabeth Baume-Schneider will den Unterricht einer zweiten Landessprache notfalls im Sprachengesetz verankern. Damit soll verhindert werden, dass weitere Kantone Französisch von der Primarstufe auf die Oberstufe verschieben.
- Der Bund will allerdings nur eingreifen, falls die Kantone ihren bisherigen gemeinsamen Kurs verlassen.
Die Medienkonferenz ist jetzt zu Ende
Die Medienkonferenz ist sei einigen Minuten beendet. In Kürze liest du hier eine Zusammenfassung.
Schwyzerdüütsch vs. Hochdeutsch
«I cha guet Schwyzerdüütsch, das isch fasch mini zwöiti Muetersprach», sagt Baume-Schneider. Für die französischsprachige Bevölkerung sei es aber manchmal abschreckend, wenn man Deutsch gelernt habe und Deutschschweizer nur auf Schweizerdeutsch sprechen würden. «Das war nie einfach.»
«Fundamentales Element unseres Zusammenhalts»
Deutsch sei nicht einfach für die französischsprachige Bevölkerung, sowie das Frühfranzösisch nicht einfach sei für die Deutschschweizer. «Es ist wichtig, sich für die Sprache und die Kultur des Nachbarn zu interessieren». Das Frühfranzösisch sei nicht nur eine pädagogische Frage, sondern «ein fundamentales Element unseres Zusammenhalts und unserer Fähigkeit, einander zu verstehen».
Kein persönliches Projekt von Baume-Schneider
Die Fragestunde hat bereits begonnen. Bundesrätin Baume-Schneider erklärt, dass Frühfranzösisch nicht «ihr persönliches Projekt» sei, sondern ein Anliegen des Bundesrates. Baume-Schneider betont ein weiters Mal die Wichtigkeit des frühen Sprachunterrichts für die Schweiz und die Wirtschaft.
Bundesrat sieht Sprachenstrategie verletzt
Mit der Sprachenstrategie von 2004 und dem sogenannten HarmoS-Konkordat von 2009 einigten sich die Kantone darauf, dass Schülerinnen und Schüler bereits in der Primarschule Englisch und eine zweite Landessprache lernen. Wer davon abrücke, verletze diese Vereinbarung, argumentiert der Bundesrat um Baume-Schneider.
Deshalb bringt der Bundesrat eine Verankerung im Sprachengesetz ins Spiel. Zur Diskussion stehen zwei Varianten: Entweder wird die heutige HarmoS-Regelung übernommen, oder es gelten Mindestvorgaben mit mehr Spielraum für die Kantone. In beiden Fällen müsste eine zweite Landessprache bereits auf Primarstufe unterrichtet werden.
Eingreifen wolle der Bund aber nur, falls die Kantone den bisherigen Kurs verlassen, betont Baume-Schneider.
Bundesrat warnt vor Folgen für den Zusammenhalt
Für den Bundesrat ist der Unterricht einer zweiten Landessprache auf Primarstufe mehr als eine schulpolitische Frage. Er sei ein zentraler Pfeiler des nationalen Zusammenhalts, so der Bundesrat um Elisabeth Baume-Schneider (62, SP). Die Stellung der Landessprachen im Unterricht sei deshalb von nationaler Bedeutung.
Zwar liege die Verantwortung für das Schulwesen bei den Kantonen. Gleichzeitig hätten diese den Auftrag, den Bildungsraum Schweiz zu harmonisieren und dessen Qualität sowie Durchlässigkeit sicherzustellen.
Das heisst: Der Bundesrat will durchgreifen, wenn einzelne Kantone Frühfranzösisch aus dem Primarschulunterricht streichen!
Live aus Bern
Wie entscheidet der Bundesrat im Zoff um die Landessprachen? Um 13.30 Uhr tritt Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider vor die Medien.
Der Streit ums Frühfranzösisch beschäftigt die Schweiz seit Monaten. Nachdem mehrere Deutschschweizer Kantone die zweite Landessprache auf der Primarstufe infrage gestellt haben, äussert sich heute Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (61, SP) vor den Medien. Wie stark will sich die Landesregierung einmischen?
Baume-Schneider hat ihre Haltung mehrfach klargemacht: Für den Bundesrat gehört eine zweite Landessprache auf die Primarstufe. Sollte die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) keine gemeinsame Lösung finden, sei der Bundesrat bereit, den Unterricht einer zweiten Landessprache im Sprachengesetz festzuschreiben.
Wie entscheidet Bern?
Klar ist: Der Bund greift in eine Debatte ein, die eigentlich in die Bildungshoheit der Kantone fällt. Kritiker werfen dem Bund vor, seine Kompetenzen zu überschreiten. Klar ist auch: Für die Westschweizerin Baume-Schneider geht es wohl um mehr als Schulpolitik. Der Bundesrat argumentiert, die Abschaffung des Frühfranzösisch gefährde den nationalen Zusammenhalt und das Verständnis zwischen den Sprachregionen.
Was die Innenministerin heute ankündigt und ob der Bund tatsächlich Druck auf die Kantone ausüben will, wird mit Spannung erwartet. Blick berichtet ab 13.30 Uhr live über die Medienkonferenz in Bern.