Kaum ein Thema wird in der Schweizer Sicherheitspolitik derzeit so kontrovers diskutiert wie die Frage, wie die Armee ihren Nachwuchs sichern kann. Erst im Juni hat die Schweiz darüber abgestimmt: Der Wechsel von der Armee in den Zivildienst soll schwerer werden.
Eigentlich wäre der Nachwuchs der Armee gesichert: 70 Prozent der Stellungspflichtigen sind militärtauglich, zudem wächst ihre Zahl demografisch moderat. Mit 147'017 Armeeangehörigen in den Formationen ist der Bestand derzeit noch ausreichend. Damit kann die Armee den Sollbestand von mindestens 100'000 Angehörigen im Einsatzfall sicherstellen. Das zeigt die neue Armeeauszählung, die das VBS am Dienstag veröffentlicht hat.
Frauenanteil steigt weiter
Doch die Armee verliert jedes Jahr fast 12'000 der knapp 26'000 Militärdienstpflichtigen – vor allem durch vorzeitige Abgänge in den Zivildienst. Und die Lücke dürfte grösser werden: Bis 2030 wird der Bestand voraussichtlich auf weniger als 130'000 Armeeangehörige sinken. Dann werden die letzten beiden Jahrgänge, die noch zwölf Jahre militärdienstpflichtig waren, aus der Armee entlassen sein. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt das VBS neben den bereits beschlossenen Massnahmen auf flexiblere Ausbildungs- und Laufbahnmodelle.
Eine Entwicklung läuft derweil gegen den allgemeinen Trend: Trotz rückläufiger Rekrutierungen steigt der Frauenanteil in der Armee weiter. Besonders gross ist das Interesse von Frauen an Kaderlaufbahnen. Diese gehen mit einer längeren Militärdienstpflicht einher. Das VBS rechnet deshalb damit, dass der Frauenanteil weiter leicht zunehmen wird.
«Die Einführung eines obligatorischen Orientierungstages könnte den Frauenanteil langfristig weiter erhöhen», schreibt das VBS in einer Mitteilung. Der Bundesrat hat die entsprechende Botschaft am 9. September 2026 verabschiedet. Nun ist das Parlament am Zug. Die Volksabstimmung dürfte 2028 stattfinden.