«Ich bin fassungslos»
Anna Rosenwasser lässt SRF-Auftritt bei Büsser platzen

SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser sagt ihren Besuch in der Sendung «Late Night Switzerland» überraschend ab. Grund ist die Kontroverse um ein früheres Interview von Moderator Stefan Büsser.
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SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser gibt Stefan Büsser einen Korb.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Nationalrätin Anna Rosenwasser sagte für «Late Night Switzerland» erst zu, dann wieder ab
  • Grund ist unter anderem ein Interview, das Moderator Stefan Büsser 2023 führte
  • Statt der SP-Politikerin tritt nun SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel auf
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Wenn am Sonntagabend die Scheinwerfer für die SRF-Show «Late Night Switzerland» angehen, nimmt auf Stefan Büssers Sofa eine andere Gästin Platz als geplant: SVP statt SP, Nationalrätin Nina Fehr Düsel statt Ratskollegin Anna Rosenwasser.

Hinter der Programmänderung steckt eine Kontroverse um Moderator Büsser. Was ist passiert?

«Gar nicht einverstanden»

Begonnen hat alles in Minne: Stefan Büsser traf Anna Rosenwasser in der Wandelhalle des Bundeshauses. Dort sagte die SP-Parlamentarierin dem Comedian spontan für einen Auftritt in seiner Sonntagabend-Show zu. «Zugesagt habe ich mit der Überlegung, meine Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen», sagt Rosenwasser.

Doch dann der Sinneswandel: Als ihr Auftritt öffentlich kommuniziert wurde, überlegte es sich die Nationalrätin anders und sagte ihren Besuch in der Sendung wieder ab.

Im Nachhinein räumt Rosenwasser ein, dass ihr Verhältnis zu Büssers Arbeit «ambivalent» sei. Einerseits gestehe sie Comedians viel Provokation zu und anerkenne, dass ihr selbst nicht alles gefallen müsse. Andererseits sei sie «gar nicht einverstanden» gewesen mit Büssers öffentlichem Umgang mit SP-Jungpolitikerin Vera Çelik.

Kontroverse um Kopftuchträgerin

Rückblende: 2025 verglich Büsser in einem Beitrag Kopftuchträgerin Çelik mit Jung-SVP-Präsident Nils Fiechter, der 2016 auf dem Bundesplatz mit Burka und einem gebastelten Bombengürtel für das Verhüllungsverbot demonstriert hatte.

Stefan Büsser erntete einen Shitstorm. Er bat Vera Çelik um Entschuldigung, verteidigte den Beitrag aber dahingehend, dass es sich um Satire gegen die SVP und nicht gegen eine Muslimin gehandelt habe. Mehr als 500 Personen sahen das anders und reichten Beschwerde bei der Ombudsstelle der SRG ein. Diese rügte den Beitrag daraufhin als diskriminierend.

Den Ausschlag für die Absage gab laut Rosenwasser aber etwas anderes. Es hätten sich mehrere Menschen aus ihrem Umfeld bei ihr gemeldet und sie an etwas erinnert. «Ich hatte das damals zwar mitgekriegt, aber wieder vergessen», sagt die Nationalrätin.

Vorwürfe wegen Luke Mockridge

2023 interviewte Stefan Büsser für einen SRF-Podcast den einst gefeierten deutschen Komiker Luke Mockridge. Es war das erste Gespräch, nachdem eine Ex-Freundin Mockridge sexuelle Nötigung vorgeworfen hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, das Verfahren wurde aber eingestellt.

Aktivistinnen sehen den Komiker bis heute trotzdem als Täter. Rosenwasser: «Als mir das wieder einfiel, war für mich klar: Auch wenn ich dem Publikum von ‹Late Night Switzerland› gerne meine politischen Inhalte nähergebracht hätte, wollte ich Stefan Büssers Arbeit mit meiner Teilnahme an seiner Show nicht legitimieren.»

Dass das Verfahren gegen Mockridge eingestellt wurde, sei ihr bewusst. Trotzdem sagt Rosenwasser: «Ich bin und bleibe fassungslos, dass Stefan Büsser sich bewusst dafür entschieden hat, Mockridge eine riesige Bühne zu geben.» Im Nachhinein bedauere sie, dass sie vorschnell für die Sendung zugesagt habe.

«Wir hätten sie gerne in der Sendung begrüsst»

SRF möchte die Absage der SP-Politikerin inhaltlich nicht kommentieren. Sprecherin Nadine Gliesche sagt einzig: «Wir respektieren den Entscheid von Anna Rosenwasser. Selbstverständlich hätten wir sie gerne in der Sendung begrüsst.» Statt Rosenwasser flimmert heute also SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel über die Bildschirme.

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