Brille, Bart und ein blau-weiss gestreiftes T-Shirt. «Das war nicht so schwer zu malen. Und so bin ich relativ schnell als ich erkennbar», meint Nik Hartmann lapidar über sein mit Acryl gemaltes Selbstporträt, das er in den Händen hält. Dieses zierte die Einladung zu seinem 50. Geburtstag vor vier Jahren. Denn was bisher nur wenige wussten: Der «Happy Day»-Moderator (nächste Sendung am 3. 10., 20.10 Uhr, SRF 1) greift privat seit Jugendzeiten gern zu Stift und Pinsel. «Ich war kein guter Zeichner und schon gar kein Usmöleler. Aber ich finde es lässig, wenn man eine Realität spannen kann», sagt der Rechtshänder. «Malen ist ein Hobby, das ich für mich allein mache, völlig frei, zwanglos und unverkrampft. Hier muss ich für einmal nichts leisten, habe ich keinen Druck.»
Im Zuhause von Nik Hartmann und Frau Carla (54) in Buonas ZG gibt es keine leere Wand. «Schon meine Grosseltern und Eltern hatten immer Bilder von Leuten, die sie kannten. Das habe ich weitergeführt», erklärt er. «Vieles hat einen inneren Wert für uns. Diese Leidenschaft spüre ich weder für Autos, Uhren oder andere Gegenstände.» Unter all den Bildern an den Wänden ist allerdings nur ein Werk von ihm zu finden. Ein Holzkistli, das er mit Aquarell so bemalt hat, dass eine weibliche Silhouette erkennbar ist.
Die meisten seiner Bilder würden sich «irgendwo stapeln». So liegen etwa mit Acryl gemalte Porträts der Söhne Frederik (20) und Constantin (23) oder das mit Aquarell auf Holz verewigte seines Sohns Melchior (17) irgendwo, ebenso die mehrfach auf Papier skizzierte Gattin Carla. «Ich male vor allem Gesichter, konkrete Porträts, aber stets sehr intuitiv. Gesichter sind überaus schwierig. Bis zum Schluss weiss ich nicht, ob man die Person dann auch erkennt.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Alles begann mit Rolf
Angefangen hat seine Leidenschaft für Kunst und Gemälde in der beschaulichen Zuger Gemeinde Hünenberg, wo Nik Hartmann aufwuchs – und zwar mit Rolf in der Nachbarschaft. «Rolf war Apotheker und Kunstmaler und fuhr abends jeweils mit seinem Deux-Chevaux weg in sein Atelier», erinnert sich Hartmann. «Mich hat es immer beeindruckt, dass er von eigener Hand Dinge erschuf. Ich denke, auch meine Eltern waren fasziniert davon.» Lachend ergänzt er: «Und auch von seinem Leben und den opulenten Festen, die er feierte.»
Während seiner Zeit im musischen Gymi lernte Nik Hartmann unter anderem dann auch Radieren auf Kupferplatten oder mit Öl zu malen. «Am Ende fand ich immer, dass alles noch schmuck aussah.» Während der Studienzeit gab es Abende, an denen er und Carla, in die er sich zu jener Zeit verliebte, mit Freunden zusammen sich gegenseitig porträtierten.
«Das Schöne an Kunst ist, dass sie so herrlich unmodisch ist und für immer verhebt», findet Nik Hartmann, ein grosser Fan von Egon Schiele (1890–1918). Das Malen sei über die Jahre sein persönlicher «Bio-Indikator» geworden. «Wenn ich vorher und nachher 24 Stunden nichts habe, finde ich manchmal Musse und ein Stück Unterlage – ob Holz oder Papier – und male etwas. Für mich ist es ein Zeichen, dass ich gerade sehr entspannt bin.» Dann witzelt er: «Aktuell male ich deshalb pro Jahr ungefähr ein Bild, oder zwei.»
Seit ein paar Jahren sei er beruflich so engagiert wie noch nie. «Jetzt mit meinen 54 Jahren habe ich beruflich die intensivste Phase meines Lebens», meint er. Das sei gut, intensiv, alles komme zusammen. «Carla und ich unterstützen uns gegenseitig bei all unseren Vorhaben mit viel Freiraum. Doch wegen des beruflichen Engagementes bleibt wenig freier Kopf für das Malen. Aber ich habe auch keinen Anspruch, muss ja nicht davon leben.»
Viel Schwung durch «Happy Day»
Seit nun einem Jahr ist Nik Hartmann das Aushängeschild der SRF-Erfolgsshow «Happy Day». Nach seinem Job als Co-Leiter der Eigenproduktionen bei CH Media kehrte er mit der Sendung wieder auf den Fernsehbildschirm zurück. «Dass der Start mit mir als neuem Moderator so geglückt ist, hat uns wahnsinnig viel Schwung gegeben», freut sich Hartmann. «Diesen nehmen wir nun ins zweite Jahr mit.»
Mit dem Erfolg ist vor allem auch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit für den aktuellen Prix-Walo-Publikumsliebling erneut gewachsen. «Es wurde schon sehr breit zur Kenntnis genommen, dass ich die Sendung moderiere.» Im Alltag spüre er, dass er von fremden Leuten noch öfter erkannt und angesprochen wird. Einfluss auf das Familienleben hat es jedoch nicht. «Es ist im angenehmen Rahmen. Und als Familie machen wir das seit Anfang alle miteinander», sagt er. «Zudem sind unsere Jungs in einem Alter, in dem sie ihr eigenes Leben haben. Ich glaube, darum habe ich auch so viel zu tun, weil ich jetzt wieder Kapazität habe. Länger oder mehr Zeit habe, da das Familienleben etwas abnimmt oder sich verlagert. Diese muss ich füllen.»
Carla Hartmann, die als Friedensrichterin tätig ist, und er hätten bisher als Eltern aber keinerlei Anzeichen vom «Leeres-Nest»-Syndrom. «Allein dadurch, dass Melchior durch seine zerebrale Behinderung im Alltag auf Hilfe angewiesen ist», sagt Hartmann. «Carla und ich haben also noch keinen Tanzkurs begonnen, um unsere Liebe zu pflegen.» Die beruflich intensive Zeit weiss das Paar privat durchaus auszubalancieren.
Das Daheim als Treffpunkt
Dennoch: Das Daheim von Ehepaar Hartmann leert sich langsam, alle haben zu tun und sind oft ausser Haus. Seit Frühling ist Sohn Constantin unter der Woche mehrheitlich weg, wohnt in einer WG in Zürich, wo er Germanistik und Kunstgeschichte studiert. «Die Kunst ist auf ihn übergeschwappt, er malt und macht Musik. Und auch Frederik spielt Sousaphon», erzählt Hartmann. Dass in den eigenen vier Wänden musiziert und gestaltet wird, habe es bei ihnen immer gegeben. «Die Muse kommt und geht, wie sie will. Und niemand muss.»
Der dreifache Vater findet es schön, dass die ganze Familie sich so beschäftigen kann. «Unser Zuhause ist dann der Ort, an dem wir zusammen sind und wir uns treffen. Wir sehen uns nicht weniger und schauen auch, dass wir ein paar Tage gemeinsam Ferien machen.» So verbrachten die Zuger die Sommerferien im Berner Oberland. Und soeben war das Ehepaar, das seit 35 Jahren liiert ist, gemeinsam mit dem jüngsten Sohn Melchior und Border-Collie-Hündin Oshkosh für ein Wochenende im Engadin. «Sonst hat sich nicht viel verändert», meint er lachend, «ausser unser Apfelbaum im Garten. Er hatte so viele Äpfel wie noch nie, sodass wir bereits gefühlt 50 Kilo Apfelmus gemacht haben.»
Nik Hartmann blickt auf sein Selbstporträt. «Es ist eigentlich erstaunlich, dass ich vor der TV-Kamera bin.» Denn vieles, wie das Musizieren oder das Malen, mache er lieber nur für sich selbst und möchte es niemandem zeigen. «Ich glaube, ich habe etwas Angst vor dem Scheitern und davor, dass es die Leute lustig finden.» Dass er am Anfang der Karriere als Radiomoderator am Mikrofon kläglich gescheitert sei, habe ihn geprägt. «Ich brauche immer einen gewissen Grad an Sicherheit, bis ich mit etwas rausgehe», sagt er. «Gleichzeitig verlasse ich meine Komfortzone halt auch immer wieder gerne.»