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Zur Wildsaison streift Jägerin Melanie Glaus durch die Wälder – die Kritiker sind ihr dicht auf den Fersen:«Sie lassen Luft aus den Pneus und werfen Eier aufs Auto»

Tierschützer sprechen von «Skandal»
SRG-Sender prämiert Fotos von erlegten Tieren

Ein Jagdpatent gewinnen, indem man ein erlegtes Tier meldet: Was beim SRG-Sender RTR seit zwei Jahrzehnten zum Herbst gehört, empört jetzt eine Tierrechtsorganisation. Sie reicht Beschwerde ein, der Sender verteidigt sich.
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Ein Jagd-Contest von RTR namens «La Preda» sorgt für Schlagzeilen.
Foto: rtr

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • RTR verlost Jagdpatent und prämiert Jagdfotos während der Bündner Hochjagd
  • Tierrechtsorganisation kritisiert Aktion scharf und reicht Beschwerde ein
  • 2025 wurden 243 Fotos eingereicht, 2130 Personen nahmen an der Abstimmung teil
Fynn Müller von Schweizer Illustrierte
Fynn MüllerPeople-Redaktor

Im Radiostudio von Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR) klingelt das Telefon. Ein Jäger meldet stolz, was er am Morgen erlegt hat. So läuft es im Herbst täglich beim rätoromanischen SRG-Sender. Dahinter steckt eine Jagdaktion. Genau die sorgt jetzt für Wirbel.

Die Aktion heisst «La Preda», auf Deutsch «die Beute». Es ist ein Fotowettbewerb. Am Ende der Saison wird das «schönste» Erlegerbild prämiert. Unter allen Anrufenden verlost der Sender ein Jagdpatent für das kommende Jahr.

«Es ist ein Skandal!»

Bei der Interessengemeinschaft «Wild beim Wild» sorgt die Aktion für rote Köpfe. Die Tierrechtsorganisation wandte sich am Montag an die SRG-Ombudsstelle. Sie will den Fall an die unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) weiterziehen. Die Wortwahl ist deutlich: «Dass eine gebührenfinanzierte Anstalt mit gesetzlichem Informationsauftrag die Hobbyjagd behandelt wie ein Volksfest, Tötungen als Spielstand meldet und ein Jagdpatent verlost, als wäre es ein Skipass, ist ein Skandal», heisst es auf ihrer Website.

RTR widerspricht. Die Formate gehörten seit rund 20 Jahren zur Jagdberichterstattung. Man wolle die Jagd nicht propagieren, sondern ein Thema begleiten, das im Kanton hohe Bedeutung habe. Der Sender schreibt auf Anfrage von Blick: «Publikumsaktionen wie ‹La Preda› sind keine redaktionelle Positionierung und keine Befürwortung der Jagd. Die Charakterisierung unserer Berichterstattung als Verharmlosung oder Inszenierung der Jagd teilen wir deshalb nicht.»

Das Jagdpatent sei historisch mit «La Preda» verbunden. Mit dem «schönsten» Bild sei das fotografische Werk gemeint, nicht das erlegte Tier. Unter den Einsendungen seien auch Stimmungsbilder, Landschaften und Sonnenaufgänge. 2025 reichte das Publikum 243 Fotos ein, 2130 Personen stimmten am Ende ab. «RTR berichtet darüber im Rahmen seines Informationsauftrags sachgerecht, unabhängig und aus verschiedenen Perspektiven.»

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Diese drei Dinge fordern die Gegner

Gegenüber Blick führt die Tierrechtsorganisation «Wild beim Wild» aus, was sie konkret von RTR erwartet. Gründer Carl Sonnthal sagt: «Wir fordern drei Dinge. Erstens soll RTR die Beute-Hotline und die Verlosung des Jagdpatents einstellen. Zweitens soll der Fotowettbewerb mit Bildern getöteter Wildtiere beendet werden. Drittens muss RTR in der Berichterstattung zur Jagdsaison auch jagdkritische Stimmen und den Tierschutz zu Wort kommen lassen.» Heute gebe es im gesamten Jagdportal keine einzige solche Stimme.

Weiter heisst es: «Zudem verlangen wir Transparenz über das Sponsoring: RTR hat inzwischen bestätigt, dass die Graubündner Kantonalbank das verloste Patent bezahlt, und die Preise des Fotowettbewerbs stammen von einem Jagdausrüstungsgeschäft. Ob das in den Sendungen offengelegt wurde, wie es das Radio- und Fernsehgesetz verlangt, muss die Ombudsstelle klären.»

Was Sonnthal besonders auf die Palme bringt: «RTR sagt, man mache keine Werbung für die Jagd. Wer ein erschossenes Tier anmeldet, kann ein von einer Bank gesponsertes Jagdpatent gewinnen, also die Erlaubnis, im nächsten Jahr weitere Tiere zu töten. Wenn das keine Werbung ist, weiss ich nicht, was Werbung wäre. Und das Ganze bezahlen wir alle mit unseren Gebühren.»

Zum Fotobewerb sagt er: «Das Siegerbild 2025 zeigt einen lächelnden Hobbyjäger neben dem Hirsch, den er erschossen hat. Das Motiv ist das tote Tier, nicht die Bildkomposition.»

Bilder mit Kindern irritieren

Ein anderer Punkt stört ihn ebenfalls: «RTR hat in der Galerie zum aktuellen Wettbewerb selbst mehrere Bilder von Kindern neben getöteten Tieren veröffentlicht, darunter ein Kleinkind neben einem toten Fuchs mit der Legende, es freue sich über die erste Beute, und ein Mädchen mit einer blutenden Gämse im Arm. Der Uno-Kinderrechtsausschuss verlangt, Kinder vor der Konfrontation mit Gewalt gegen Tiere zu schützen. Ein gebührenfinanzierter Sender bewirkt hier das Gegenteil.»

Zur Traditionsfrage sagt er: «Dass es die Formate seit 20 Jahren gibt, macht sie nicht rechtskonform. Es zeigt nur, dass sie bisher niemand beanstandet hat.» Sonnthal, der im Tessin lebt, verweist auf den Schwestersender RSI: Auch dort habe die Hochjagd einen hohen Stellenwert. «Eine Beute-Hotline, eine Patentverlosung oder einen Wettbewerb um das schönste Erlegerbild gibt es dort nach unserer Kenntnis nicht. Zu Recht, denn so etwas ist widerlich und aus der Zeit gefallen.»

Jägerin ist zwiegespalten

Und was meint eine Jägerin zu der Thematik? Blick hat bei der Jägerin des Jahres, Melanie Glaus, nachgefragt. «Ich bin hin- und hergerissen. Ich kann nachvollziehen, wenn sich Leute ekeln. Als Jägerin sehe ich Bilder aus einer anderen Perspektive», sagt die Berner Oberländerin und fügt an: «Ich finde den Wettbewerb grundsätzlich nicht falsch.»

Trotzdem stört Glaus eine Sache: «Ich würde mir wünschen, dass die Story hinter den Bildern mehr in den Vordergrund gerückt wird. Hinter jedem erlegten Tier steckt eine Geschichte.» Statt das «schönste Bild» zu küren, fände sie es schöner, wenn die «schönste Geschichte» gewänne.

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