Darum gehts
- Tobias Eisert, 27, kehrt nach mehrjährigem Swisscoy-Einsatz im Kosovo zurück.
- Er vermisst Schweizer Essen, doch auch Kameradschaft und Leben im Camp.
- Im Mai startet er einen neuen Job beim Bund und plant eine Zukunft mit der Freundin.
Wer hat’s erfunden? Die Schweizer. Genauer: die Schweizer Ärzte. Diese diagnostizierten im 16./17. Jahrhundert immer wieder eine rätselhafte Plage bei Schweizer Söldnern.
«Heimweh» drückte ein Gefühl aus, für das es davor noch kein Wort gab. Es füllte eine Lücke und wird erst seit Ende des 18. Jh. im ganzen deutschen Sprachraum verwendet.
SRF-Serie und Einsatz im Kosovo
«SRF bi de Lüt – Heimweh» begleitet seit 2018 Menschen, die dahin zurückkehren, wo für sie Heimat ist. In der neuen Staffel ist das u. a. Tobias Eisert (27), der seit drei Jahren im Kosovo Dienst leistet.
Dass er das tut, war so nicht geplant. Doch kaum beginnt er nach der RS erstmals zu arbeiten, kommt Corona. «Ich war im Verkauf, eine schwierige Zeit», fasst er zusammen. Das brachte ihn dazu, sich bei Swisscoy zu bewerben.
Er wird Teil der multinationalen Kfor-Truppe. «Ich fing unten an, war Munitionschef, erhielt einen neuen Vertrag und wechselte ins Hauptquartier.» Halbjahr um Halbjahr verpflichtet er sich, ist am Ende ranghöchster CH-Unteroffizier.
Sowohl Leben wie Arbeiten findet im Camp statt. «Ausgang, Shoppen oder Tourismus gibt es nicht für uns.» Darum sei die Bindung zu den Kameraden auch so eng, das Camp wie eine eigene kleine Welt.
Heimweh im Einsatz
Heimweh? Ja, das verspürt der Zuger, nach den Liebsten daheim. «Und wenn es ums Essen geht, vermisst man die Schweizer Kost.» Aber sonst sei man mit der Einstellung dort, «das ist mein Job, mein Abenteuer – und das ist jetzt so».
In einer anderen Welt, gut 1000 Kilometer entfernt, lebt Stefanie. Sie kennen sich schon lange, sind aber erst seit rund einem Jahr zusammen. «Es ist das Richtige», sagt er dazu nur, obschon er seine Freundin nur in den Ferien sieht. Und oft natürlich via Whatsapp.
Doch die Distanz ist auf Dauer nichts, Eisert entscheidet sich zur Rückkehr. Er tut das auch, weil es im Kosovo keine Funktion mehr gibt, die ihn gereizt hätte. Und damit er in der Schweiz nicht komplett den Anschluss verliert, privat und beruflich. Doch bald wird er merken: So einfach ist das nicht.
Rückkehr in die Schweiz
Im letzten Herbst quittiert er den Dienst und bezieht mit Stefanie die erste gemeinsame Wohnung. «Wegen des Zügelns waren wir die erste Woche etwas im Züüg, aber das hat mir gutgetan.»
Als er dann runterfahren kann, als nichts mehr zu tun ist, wird es schwierig. Nun muss er in sein Leben in der Schweiz zurückfinden. Ein Leben ohne die fixen Strukturen der vergangenen Jahre.
«Der Tagesablauf im Militär ist strikt und durchgeplant, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.» Das alles fehlt ihm nun, und auch das Anknüpfen an alte Freundschaften gelingt nicht immer.
«Wenn ich nach den Ferien zurück in den Einsatz flog», erklärt Eisert, «blieb für mich die Zeit in der Schweiz stehen, für die anderen aber lief sie weiter.»
Von zehn Freunden vor dem Einsatz seien zwei übrig geblieben. «Dass man sich auseinanderlebt, passiert ja auch sonst im Leben», meint er dazu, «es wurde einfach etwas beschleunigt, weil ich weg war.»
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Die grösste Herausforderung sieht Eisert darin, nicht zu sehr in der Vergangenheit zu leben. «Das schaffe ich nicht immer», räumt er ein, «ich denke oft an jene Zeit, wir haben so coole Dinge erlebt!»
Er erwähnt das Zusammensitzen auf Campingstühlen, wie sie in die Nacht hinein redeten. Kleine Momente, von denen er heute denkt, es wäre schön, mit diesen Leuten wieder dort sitzen zu können.
Mit den Kameraden im Kosovo und denen, die mit ihm retour kamen, hält er regen Kontakt. «Ein Kamerad ist mehr als ein Freund, Beruf und Privat sind eins», erläutert er, «wir leben zusammen wie eine Familie.» Schwierig zu beschreiben sei das, man müsse es erlebt haben.
Heimweh in beide Richtungen
Eisert definiert Heimweh als Sehnsucht nach Menschen. «Ich hatte Heimweh nach Steffi und meiner Familie. Seit ich hier bin, habe ich Heimweh nach den Leuten im Kosovo.» Den Kameraden im Camp, aber auch den Menschen im Land.
«Sie haben einen ganz speziellen Lebensstil und sind unglaublich gastfreundlich.» Er möchte Steffi das Land dereinst zeigen.
Neustart und Zukunft
Seit seiner Rückkehr macht Eisert eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung. Zwei Monate nach der Rückkehr gerät er trotzdem in eine Krise. «Selbstzweifel – was mache ich eigentlich hier?» Zudem gestaltet sich der Einstieg in die Privatwirtschaft schwierig. Er hat ja «nur» Militärerfahrung.
Gut, kann er seine Weiterbildung online machen, also auch im Ausland. Im Mai tritt er einen Job beim Bund an, ist aber nicht mehr permanent weg, sondern ab und zu mal 1 oder 2 Monate. «Voll mein Ding», sagt er froh und sieht sich auch in fernerer Zukunft beim Bund. «Aber eher in der Schweiz.»
Das wiederum liegt an seiner Freundin. «Wir haben es super zusammen. Steffi und ich wollen heiraten und eine Familie gründen.» Zwei Katzen haben sie schon.