Sabina Rasser erzählt von ihrem bewegten Leben
«Vater war auch daheim meistens wie Läppli»

Alfred Rasser sei zu Hause eher ein sanfter Clown als ein strenger Vater gewesen, erinnert sich seine Tochter. Ihm zu Ehren hat sie nun ein Theaterstück geschrieben. Darin taucht seine Paraderolle, HD-Soldat Läppli, in der heutigen Zeit auf.
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Mit dem Theaterstück «Mensch Läppli» hat Sabina Rasser umgesetzt, was ihr verstorbener Vater noch vorgehabt hatte.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Sabina Rasser tourt mit «Mensch Läppli» durch die Deutschschweiz
  • Alfred Rasser wurde einst als Kommunist diffamiert und verarmte
  • Sabina erhielt den «Salzburger Stier» für ihre Rolle Frau Bitterli
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Andrea Butorin (Text) und Thomas Meier (Fotos), GlücksPost
Glückspost

Sabina Rasser (75) sitzt in ihrer Atelierwohnung am Stadtrand von Basel und blättert in ihrem Archiv: Fotos und Zeitungsartikel zeugen von ihrer Karriere als Tänzerin, Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin. Darin sind auch zahlreiche Erinnerungen an ihren Vater Alfred Rasser (1907–1977). Bald 50 Jahre nach dem Tod des Schauspielers, Kabarettisten und Politikers ist er für seine Rolle als HD Läppli unvergessen: der tollpatschige Baselbieter Hilfsdienst-Soldat mit Schnauz, der im Aktivdienst alle Militärs zur Verzweiflung brachte.

In seinen letzten Lebensjahren hätte Alfred Rasser gern nochmals ein Läppli-Stück geschrieben. Weil er aber schon sehr krank war, übernahm Tochter Sabina das Schreiben für ihn. Doch es blieb bei Skizzen. Erst der Anstupser von Komiker Patrick «Almi» Allmandinger (59) brachte wieder Bewegung in die Sache: Vor sechs Jahren rief er Sabina Rasser an und bat sie, ihm eine Läppli-Nummer für die Vorfasnacht zu schreiben. «Wie er den Läppli verkörperte, überwältigte mich schon am Telefon», erinnert sie sich.

Nach diesem erfolgreichen Start hatte das Duo Lust auf ein abendfüllendes Läppli-Theaterstück: Nun touren Rasser, Allmandinger und die weitere Crew mit «Mensch Läppli» durch die Deutschschweiz. Darin muss sich Läppli in unserer digitalen Zeit zurechtfinden und will sogar zum Mond fliegen.

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Vom Erfolg zur Ächtung

Alfred Rasser war zweimal verheiratet. Aus erster Ehe ging Sohn Roland Rasser (93) hervor. Dieser gründete das Theater Fauteuil in Basel, das heute seine beiden Kinder Caroline und Claude Rasser leiten.

Seine zweite Frau, die Genfer Schauspielerin und Tänzerin Anne-Marie Rossellat (†92), lernte Alfred Rasser an der Landesausstellung von 1939 kennen. «Erst wollte sich Mama nicht auf ihn einlassen, weil Hollywood bei ihr angeklopft hatte. Doch der Krieg machte ihre Karriere zunichte», sagt Sabina Rasser. Das Paar heiratete, sie wurden Eltern von Dominik († 65), Sabina und Brigitte (heute 71).

Vater war kinderliebend

«Unser Vater war so kinderliebend und hat pausenlos mit uns gespielt», sagt Sabina Rasser, «er war auch daheim meistens wie der Läppli.» So habe er, wenn es nötig wurde, die Kinder zwar gerügt oder zurechtgewiesen. Doch nach jedem «man soll dieses oder jenes nicht tun» habe er am Ende läpplihaft gesagt: «Schiints.» Alfred Rasser träumte davon, mit seinen Kindern eine «Rasserbande» zu gründen. Dass Kinder in erster Linie zur Schule gehen müssen, habe er nicht so auf seinem Radar gehabt. Für praktische Angelegenheiten sei die Mutter zuständig gewesen.

Nachdem Alfred Rasser von einer Künstler-Einladung aus China zurückgekehrt war, wurden er und seine ganze Familie als Kommunisten beschimpft. Die Armee verbot ihm, als Läppli in Uniform aufzutreten. Das stürzte die Familie in die Armut.

Als Sechsjährige wurde Sabina Rasser für drei Monate in London engagiert, um in einem Kinder-Stummfilm mitzuspielen: «Ich war allein, konnte kein Englisch und habe sehr darunter gelitten. Da haben meine Eltern eigentlich eine Straftat begangen», sagt sie. Heute verstehe sie aber, dass sie damals mitgeholfen habe, die Familie zu ernähren. Alles wurde besser, nachdem Alfred Rasser den Kultfilm «HD-Soldat Läppli» gedreht hatte.

Frühe Leidenschaft für Ballett

Schon von klein an tanzte Sabina Rasser Ballett, und nach der Schulzeit gründete sie eine Ballettschule für Kinder. Mit 20 wurde sie glückliche Mama von Olivia (heute 55): «Beim Spielen mit ihr und auch in seinem Garten konnte sich mein Vater wunderbar von den Tournee-Strapazen erholen.» 

Alfred Rasser war von 1967 bis 1975 für den Landesring der Unabhängigen im Nationalrat. «Ich spürte, dass er schon damals gesundheitlich angeschlagen war. Ihm war nicht wohl in dieser Rolle, im Bundeshaus wollten sie ihn nur als Läppli», sagt die Tochter. Für seine «Rasserbande» erwarb er verschiedene Immobilien. Doch damit und mit diversen Firmenkäufen habe er sich übernommen. Als er 1977 starb, sei er hoch verschuldet gewesen.

Mit «Salzburger Stier» ausgezeichnet

Sabina Rassers Karriere als Schauspielerin und politische Kabarettistin erlebte Alfred Rasser nicht mehr: Zehn Jahre nach seinem Tod erhielt sie für ein Programm mit ihrer Paraderolle «Frau Bitterli» den renommierten Kleinkunstpreis «Salzburger Stier». Viele Jahre erfreute sie auch die kleinen Zuschauer mit ihrem Märchentheater und der von ihr kreierten Figur Fidibus.

In ihrem Leben gab es auch Tiefschläge: Mit ihrem Halbbruder Roland Rasser arbeitete sie 15 Jahre lang zusammen, doch nach dem Tod des Vaters sei der Kontakt zu diesem Familienzweig weggebrochen.

Keine Angst vor der Zukunft

Vor dreieinhalb Jahren ist Sabina Rassers Partner verstorben, ein Lebenskünstler, wie sie sagt. «Heute verspüre ich eine grosse Ruhe in mir. Ich habe keine Angst davor, was kommt.» Ihre Mutter, um die sie sich 30 Jahre gekümmert hat und die arm, aber zufrieden mit 92 gestorben ist, habe ihr das vorgelebt. Mit spirituellen Fragen beschäftigt sich Sabina Rasser schon lange. Nach einer Ausbildung und mehrmaligen Indien-Reisen arbeitet sie bis heute als Lehrerin für Hatha-Yoga. Auch am Schreiben ist sie unermüdlich, sei es literarisch oder für die Bühne.

Im Moment ist sie noch intensiv mit den Aufführungen von «Mensch Läppli» beschäftigt. Doch beinahe verschwörerisch sagt sie: «Ich habe bereits wieder eine Idee für ein neues Stück.»

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