René Lagler (84)
Dieser Basler prägt den US-Nationalfeiertag

Er gehört zu den Grössten des US-Showbiz. Auch dieses Jahr hat René Lagler die Kulisse für die traditionellste und patriotischste TV-Geburtstagsparty «A Capitol Fourth» der USA gestaltet. Aufgeführt wird sie vor dem Capitol in Washington D. C.
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Darum gehts

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  • René Lagler gestaltet 2026 erneut «A Capitol Fourth» in Washington D. C.
  • Trump blockiert Sichtachse, Feuerwerk wird nach Mount Vernon verlegt
  • Über 100'000 Zuschauer, TV-Ausstrahlung landesweit und im Internet
Text: Zeno van Essel Fotos: Caroline Gutman
Schweizer Illustrierte

Arbeiter schieben Material-Trolleys über den West Lawn, die grosse Wiese westlich des United States Capitol in Washington D. C. Bühnentechniker bauen an Stahlgerüsten, Kabeltrommeln rollen, Kräne schwingen. Mittendrin ein älterer Herr mit einem Bauplan in der Hand, offenes Hemd, um den Hals den «All Access»-Pass, ohne den hier im Herzen des US-Regierungsbezirks kein Durchkommen ist. Im Hintergrund die Kuppel des Capitols – majestätisch, zeitlos.

Die mächtige Kulisse für den vielleicht persönlichsten Auftrag, den René Lagler (84) hier seit über zwei Jahrzehnten realisiert. «Die Bühne, die ich im Jahr 2000 entworfen habe, funktioniert heute noch», sagt er. «Jedes Jahr kommt sie aus dem Lager, wird aufgebaut, renoviert und frisch gestrichen.»

Die Szenerie für «A Capitol Fourth» hat sich ins Gedächtnis der Amerikaner eingebrannt. Am 3. Juli wird die traditionsreichste patriotische TV-Gala zum Nationalfeiertag der USA zum 46. Mal live ausgestrahlt – landesweit, auch im Internet. Mit dabei: das National Symphony Orchestra unter Gianandrea Noseda, Künstler wie Kool & the Gang, Chicago und Patti LaBelle, Moderator Alfonso Ribeiro (54) – und über 100'000 Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort!

Bühnenelemente in dezenter US-Symbolik. «Mein Bühnenbild tut niemandem weh», sagt René Lagler. «Darum funktioniert es noch immer.»
Foto: Caroline Gutman

Basel – Hollywood – Washington

René Lagler ist in Zürich geboren, wuchs in Basel auf – «in bescheidenen Verhältnissen», wie er sagt. Als er 13 Jahre alt war, wanderte er mit seinen Eltern nach Amerika aus. Zuerst nach Beloit, Wisconsin. «Nach drei Jahren Schneeschippen», so Lagler, beschloss sein Vater, nach Hollywood zu ziehen, wo der junge René im Egyptian Theatre einen Job als Platzanweiser annahm. Er schaffte es an die Hollywood High School, danach ans Art Center College of Design am Beverly Boulevard und schliesslich zu E. Jay Krause, einem der grossen Szenenbildner Hollywoods. Dieser wurde sein Mentor, Vorbild, väterlicher Freund – und verhalf ihm zu einer Traumkarriere, wie sie nur in Amerika möglich ist. René Lagler wird zum Production-Designer für die Grössten des amerikanischen Showbiz: Frank Sinatra, Barbra Streisand, Dolly Parton. Er gestaltet die Grammy Awards, die Emmy Awards, die Country Music Awards – und die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles.

US-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary danken René Lagler persönlich für die Gestaltung der Inauguration.

1986 liefert er das Design für die Feiern zu 100 Jahre Miss Liberty. Auch die Politik setzt auf sein Gespür für emotionale Inszenierungen: Vier nationale Conventions der Demokraten und zwei präsidiale Inaugurationsfeiern finden in seinen Kulissen statt – dazu kommen über 2500 weitere Produktionen. Dafür wird er mit fünf Emmys und dem Lifetime Achievement Award der Art Directors Guild ausgezeichnet.

Jetzt also die grosse TV-Show zum Nationalfeiertag. 250 Jahre USA – das ist auch für einen alten Haudegen wie René Lagler ein besonderer Moment. Und «A Capitol Fourth» 2026 ist keine Routine. Denn Donald Trump veranstaltet auf der Mall gegenüber zeitgleich seine «American Fair» und verdeckt dabei die klassische Sichtachse auf das Washington Monument. Dies zwingt das Produktionsteam zu einer kreativen Lösung: Das Feuerwerk zum Abschluss der TV-Show – inklusive der legendären «1812 Ouvertüre» von Tschaikowsky – findet in diesem Jahr nicht vor dem Capitol statt, sondern wird aus Mount Vernon, dem historischen Anwesen George Washingtons, übertragen.

«Es funktioniert wunderbar», sagt Lagler und lacht verschmitzt. Auf die Frage, ob sein dezentes Set – die amerikanischen Flaggen bleiben im Hintergrund, stattdessen dominieren sublime Rot-Weiss-Blau-Töne – eine stille Gegenposition zum schrillen Patriotismus des aktuellen Zeitgeists in den USA sei, lacht er. «Wenn Trump mir sagen würde, was ich designen soll, würde er wahrscheinlich alles in Gold wollen. Riesige Flaggen, überall. Aber ich bin kein politischer Mensch.» Kurze Pause. «Nur – manchmal denke ich: Mein Gott, was denken die sich da eigentlich?»

Mehr als 100'000 Besucherinnen und Besucher nehmen in Washington D. C. an der Live-TV-Show «A Capital Fourth» von René Lagler teil.

Der Heimweh-Schweizer

René Lagler lebt mit seiner Frau Gloria Loring (79), einer Schauspielerin, Sängerin, Buchautorin, in Lake Arrowhead in den Bergen östlich von Los Angeles. Sein Stiefsohn Robin Thicke (49) wurde als Popstar mit «Blurred Lines» weltberühmt. Die Schweiz hat Lagler aber nie vergessen. «Zu Hause höre ich via Internet Radio Basilisk, um meinen Dialekt zu pflegen», sagt er. Ob er für den Schweizer Nationalfeiertag vor dem Bundeshaus in Bern auch einmal eine Kulisse bauen würde? «Sofort», sagt er wie aus der Pistole geschossen. «Ich weiss schon, wie das aussehen könnte!»

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