Darum gehts
- Nina Burri war vor 20 Jahren bei der weltbekannten Revue «Moulin Rouge» in Paris engagiert
- Revue und Musical lassen sich gemäss Burri nur schwer vergleichen. Doch Erotik sei ebenfalls ein Thema
- Besonders die zweite, ernsthaftere und tiefgründigere Hälfte gefiel Nina Burri
Bis Anfang März läuft im Theater 11 in Zürich der preisgekrönte Broadway-Hit «Moulin Rouge! The Musical». Die als frühere Schlangenfrau international bekannte Bernerin Nina Burri (48) war letzte Woche bei der Premiere dabei. Keine andere Schweizer Künstlerin hat eine stärkere Beziehung zur namensgebenden Revueshow in Paris. Burri gehörte von 2004 bis 2006 zum dortigen Ensemble.
Umso wertvoller ist ihre Einschätzung. Burri zeigt sich begeistert vom Musical, warnt aber vor einer falschen Erwartungshaltung. «Die Produktion im Theater 11 hat nur wenig mit der Pariser Revueshow zu tun. Was das Publikum in Zürich sieht, ist eine ebenso berührende wie mitreissende Liebesgeschichte mit vielen grandiosen Songs, die sich stark am Kinofilm von 2001 orientiert», sagt sie gegenüber Blick.
Erotik ist auch im Musical ein Thema
Beide, Film und Musical, basieren auf der historischen Entstehungszeit des Etablissements ab 1889. «Das muss eine verruchte und wilde Zeit gewesen sein», sagt Burri.
In der Pariser Show gibt es jeweils mehrere Topless-Girls. Auch Burri war mit entblösster Brust zu sehen, wenn sie als Ersatz für eine der Hauptrollen auf der Bühne stand. «Das Gefühl von echter Nacktheit kommt aber nicht wirklich auf. Es gibt so viel Glitter und Schmuck, der das Publikum in Bann schlägt und auch etwas ablenkt. Wer mehr sehen will in einer Revue, geht ins Cabaret ‹Crazy Horse›», sagt Burri lachend.
Erotik sei auch im Musical ein Thema. «Aber sie wird mehr angedeutet als effektiv gezeigt. Wohl auch zugunsten einer gewissen Familientauglichkeit.» Verbindend zwischen Paris und dem Musical sei vor allem der französische Tanzstil Cancan. «Nur dass er in der Revue zehn Minuten zu sehen ist und im Musical viel kürzer.»
Nina Burri und ihr Mann Marco Desimoni (45) hätten letzte Woche jedenfalls einen wunderbaren Abend verbracht. «Der Applaus war verdientermassen lautstark. Gefallen haben mir persönlich die liebevoll gestaltete Kulisse und die gesanglichen Topleistungen.»
«Die ganze Bandbreite an Emotionen»
Angetan war Burri insbesondere vom zweiten Teil. «Viele Musicals haben die Tendenz zur Oberflächlichkeit. Doch ist dies hier überhaupt nicht der Fall. Der zweite Teil war intimer, ernsthafter und tiefgründiger als vieles, was ich sonst in dieser Richtung schon gesehen habe. Eine stimmige Mischung, die die ganze Bandbreite an Emotionen abdeckte.»
Burri genoss die Premiere auch als Ablenkung. Sie ist in der Hälfte ihres 2024 begonnenen Ergotherapie-Studiums, und gerade finden die Semesterprüfungen statt. «Dafür bin ich guten Mutes», sagt sie.
Ende 2025 hat sie wegen einer Hüftverletzung definitiv als Schlangenfrau aufgehört. Nebst dem Studium arbeitet sie als Wetter- und Eventmoderatorin, hat Engagements als Model und Schauspielerin und bleibt der Bühne in Musicals treu. «Ich bin zurzeit vollkommen happy», sagt sie.