Darum gehts
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Markus Adzic (52) den Tell spielen würde. Wer wie er in Matten bei Interlaken BE aufwächst, kriegt den alljährlichen Trubel um die Tellspiele hautnah mit. Seine Grossmutter Anna Buchs war mit ihren Geissen 40 Jahre lang im Ensemble. Als 18-Jähriger meinte auch Adzic, der schon in praktisch jedem Dorfverein Mitglied war: «Ich könnte ja auch mal bei den Tellspielen mitmachen.»
Und wie es so geht, wenn man irgendwo reinrutscht: Erst spielt man einen stummen Söldner, dann eine Rolle mit Text, und plötzlich verkörpert man die Hauptrolle. 2016 spielte Markus Adzic erstmals die Rolle des Freiheitskämpfers Wilhelm Tell, frei nach Friedrich Schiller (1759–1805). Unterdessen hat er abgesehen von berittenen und Frauenrollen schon fast jede Figur einmal gespielt.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Rolle ist eine grosse Ehre
Ab dem 25. Juli wird mit «Tell unser Held» eine «zackigere und kraftvolle» Neuinszenierung von Urs Häberli (65) gezeigt. Darin teilt sich Markus Adzic mit Michael Meyer (35) die Hauptrolle als Tell. Beide Männer identifizieren sich so stark mit der Figur, dass sie auch privat Bart tragen. «Es ist eine Ehre, Tell zu spielen», sagt Markus Adzic. Wenn er nicht den Tell verkörpert, übernimmt er die Rolle des Walter Fürst. Er sagt: «Das Probenpensum und der Einsatz sind enorm gross, aber es macht riesigen Spass.»
Nachdem er im Ausgang seine heutige Frau Daniela (49) kennenlernte, folgte sie ihm schon bald ins Ensemble. Sie liessen sich in Wilderswil BE nieder. Als sich Nachwuchs ankündigte, legten sie eine Spielpause ein. 2013 wurden die Tellspiele schliesslich zum Familienprojekt: Tochter Leonie (19) gab mit fünf Jahren ihren Einstand, Sohn Nico (16) war gar erst zweieinhalb. Anders hätten Adzics das Familienleben nicht mit der intensiven Probenzeit vereinbaren können.
Er liebt die Berge
«Unterdessen spielte Nico auch schon den Walter, 2016 musste ich als Tell also tatsächlich die Armbrust auf ihn richten», erzählt Papa Markus. Für Adzics gibt es aber nicht nur den Tell: In den nahen Bergen wandern sie ebenso gern, wie sie im Winter Ski fahren oder snowboarden. «Wir lassen aber auch mal daheim die Seele baumeln.»
Für den Projektleiter in einem Energietechnik-Unternehmen ist Tells Geschichte «feinstes Kulturgut mit einer langen Geschichte». Allerdings sind die Besucherzahlen heute tiefer, und der Verein kämpft Jahr für Jahr damit, die nötigen Finanzen aufzutreiben. Ein grosser Kostenpunkt sei das vereinseigene Gelände, und ein Problem das inzwischen riesige Angebot an Freilichttheatern oder -Musicals. Zur Rettung der Spiele wurde eine Taskforce eingesetzt. Adzics Wunsch: «Schillers Geschichte müsste wieder in die Schulstuben kommen. Das würde etwas Schwung reinbringen.»
Seine Tellspiele möchte er nicht mehr missen. «Hier kann ich mich vom Alltag ausklinken und ein anderer sein. Ich bin dann nicht mehr der Markus, sondern eine Rolle. Egal welche.»