Darum gehts
- Christa Rigozzi feiert 20 Jahre seit ihrem Sieg bei Miss Schweiz 2006
- Sie wandelte sich von Schönheitskönigin zur erfolgreichen Geschäftsfrau und Moderatorin
- Mit Ehemann Giovanni und ihren 9-jährigen Zwillingen lebt sie in Ascona
Vor 20 Jahren trat sie erstmals ins Rampenlicht: Christa Rigozzi aus dem kleinen Tessiner Dorf Monte Carasso. Sie ist damals 23, seit sechs Jahren mit Giovanni liiert, studiert in Freiburg Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Strafrecht und Kriminologie im Nebenfach, spricht neben Italienisch fliessend Französisch und Deutsch, und an einem ihrer Eckzähne blitzt ein kleiner Brillant – ihr Markenzeichen.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Im letzten Moment hatte sie sich zur Miss-Schweiz-Wahl 2006 angemeldet – mit Bikini-Fotos, die Vater Fausto vor einem aufgehängten Betttuch knipste, während Mutter Lorenza mit einem Föhn die langen Haare der Tochter wehen liess. «Ich hatte im TV einen Aufruf für die Wahl gesehen und dachte mir: Ich muss nur noch die Diplomarbeit schreiben – jetzt oder nie. Mitzumachen war eine spontane Entscheidung.»
Seit die Tessinerin – die wegen ihres sonnigen Gemüts und ihrer positiven Ausstrahlung schnell als «Sonnenschein der Nation» angehimmelt wird – am Abend des 9. September 2006 um 22.44 Uhr in Genf zur Miss Schweiz gekrönt wurde, hat sich viel getan. Manches ist geblieben: Christa, die aus dem Ruhm von damals bis heute Kapital schlägt. Giovanni, mit dem sie seit 15 Jahren verheiratet ist.
Papa Fausto (71) und Mama Lorenza (67), Bruder Christian (45) und ihr Grosi Rina (98). Verschwunden sind dagegen die Miss-Wahlen – und vom funkelnden Eckzahn-Brilli trennte sich Christa 2015. Neues kam hinzu: Christa und Gio bauten ihr eigenes Haus und bekamen Zwillinge, Zoe und Alissa (9). Und Christa selbst? Die 43-Jährige ist noch immer ein Sonnenschein. Doch sie sagt auch: «Ich bin härter geworden.» Die Schönheitskönigin von einst hat sich zur taffen Geschäftsfrau gewandelt.
Christa Rigozzi, wie präsent ist Ihnen die Miss-Schweiz-Wahl von 2006 noch?
Christa Rigozzi: Sehr, dieser Abend hat mein Leben komplett verändert. Die Wahl war ein Sprungbrett, ich entdeckte ein Talent in mir, eine Leidenschaft – und fand so meinen Traumjob als Moderatorin.
Es war damals ein knapper Entscheid zwischen Ihnen und Ihrer Tessiner Konkurrentin Xenia Tchoumitcheva.
Erstens, ich hatte keinerlei Erwartung. Zweitens, ich war wahnsinnig aufgeregt und nervös, erinnere mich noch, dass – als wir vor dem Final backstage ein letztes Mal frisiert wurden – ein Coiffeur jammerte: ‹Wenn diese Christa gewinnt, hält die Missen-Krone nicht, ihre Frisur ist zu hoch.› Mit Xenia habe ich übrigens bis heute ab und zu Kontakt, ich treffe sie verschiedentlich an Events, und wir reden dann natürlich auch miteinander.
Ihre Karriere als Miss starteten Sie nicht gerade mit einer weissen Weste?
(Lacht.) Stimmt, genau genommen war es ein grau verfärbter Bademantel, in dem ich mich beim ersten Casting für die Miss-Schweiz-Wahl in Zürich präsentierte. Ich bewohnte damals als Studentin ein kleines Studio und reinigte meine Kleider im öffentlichen Waschsalon. Am Vorabend des Castings stopfte ich meinen weissen Bademantel in die Maschine, und heraus kam er grau. Irgendwer hatte eine schwarze Socke in der Trommel vergessen. Mir blieb weder die Zeit noch hatte ich das Geld, um mir einen neuen Bademantel zu kaufen. Und so trat ich «als graue Maus» vor die Jury.
Christa und ihre Liebsten brunchen an diesem Samstag ausgiebig im «Castello del Sole» in Ascona im Schatten einer weit ausladenden Hainbuche. Die massive Tafel unterm Blätterdach ist ebenfalls aus dem Holz dieses Baums. Mit dem Tisch verbindet Christa viele schöne Erinnerungen. Zuletzt feierte sie hier ihren 40. Geburtstag. Auch sonst ist sie für Familienfeste gern in dem Fünf-Sterne-Superior-Haus am Lago Maggiore. Der Luxus ist für Christa nicht selbstverständlich, sie und Giovanni wuchsen bescheiden auf.
«Wir erziehen auch unsere Kinder sehr bodenständig, Zoe und Alissa logieren nicht ständig in Luxushotels, und wir haben auch keine Nanny. Zu Hause müssen beide im Haushalt mit anpacken, beim Kochen, Tischdecken, Abräumen, und sie bringen auch ihre Schmutzwäsche in die Waschküche.» Als Eltern ist es Christa und ihrem Mann Giovanni wichtig, ihren Zwillingstöchtern Werte wie Respekt und Anstand zu vermitteln. «Dass sie beispielsweise freundlich Bitte und Danke sagen, andere ausreden lassen und ihrem Gegenüber in die Augen schauen.»
Christa, wer ist bei Ihnen strenger in der Kindererziehung: Sie oder Ihr Mann?
Grundsätzlich, würde ich sagen, gibt es keinen Unterschied. Giovanni ist vielleicht ein kleines bisschen strenger, weil er unter der Woche zu Hause ist und so mehr Zeit mit den Mädchen verbringt.
Sie und Ihr Mann leben nicht das traditionelle Familienmodell: Sie arbeiten 100 Prozent, und Giovanni kümmert sich um die Kinder und den Haushalt.
Giovanni: Ich habe schon am Anfang unserer Beziehung zu Christa gesagt, dass sie, wenn sie das möchte, ihren Job machen soll und ich von daheim aus arbeite. Ich bin durch und durch ein Familienmensch, wäre schon mit 20 bereit gewesen für Kinder. Das bin ich, das ist meine Mentalität, und die ist mir geblieben. Für meine Familie, für meine Frau und meine Kinder mache ich alles.
Christa: Es ist ja nicht so, dass ich ständig weg bin von zu Hause. Aber – und da spreche ich jetzt für mich – als berufstätige Mutter habe ich schon hin und wieder ein schlechtes Gewissen.
Warum?
Wenn ein Mann zur Arbeit geht, fragt ihn keiner, wo seine Kinder sind. Ich dagegen habe oft zu hören bekommen: «Wo hast du deine Kinder?» Obwohl ich weiss, dass unser Entscheid der richtige war, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Und es gab Momente, in denen ich allein irgendwo in einem Hotelzimmer sass und geweint habe, weil ich an Gio und die Mädchen zu Hause dachte, wie sie gerade irgendetwas Tolles erleben, das ich verpasse.
Bereuten Sie in solchen Momenten Ihren Entscheid?
Nein! Denn ich möchte für meine Mädchen auch ein Vorbild sein, ihnen zeigen, was man als Frau alles erreichen kann. Zoe und Alissa steht das irgendwann auch offen, es liegt in ihren Händen.
Giovanni, wenn Ihre Frau fort ist von zu Hause, wie oft rufen Sie Christa an?
Giovanni: Nie! Ihre Arbeitstage sind streng durchgeplant. Wenn Christa Zeit hat, ruft sie mich an.
Sie sind kein bisschen eifersüchtig?
Giovanni: Dafür gibts keinen Anlass. Wir vertrauen uns, und wir sprechen miteinander – über alles. Bin ich mit etwas nicht zufrieden, sage ich zu Christa: «Wir haben ein Problem, lass uns das bereden.» Umgekehrt macht sie das auch so. Ich muss nicht fragen: «Wo bist du? Was machst du?» Ich bin kein Mann, der alles kontrollieren will.
Dank Fleiss, Eifer, Ehrlichkeit und Leidenschaft etablierte sich Christa Rigozzi als TV-Moderatorin. Seit 2010 steht sie für «Bauer, ledig, sucht …» vor der Kamera, präsentierte «The Voice of Switzerland» und «Die grössten Schweizer Talente», rätselte mit bei «The Masked Singer Switzerland» und moderierte von 2017 bis 2019 mit Jonas Projer die Politsendung «Arena/Reporter». Auch als Model und Botschafterin renommierter Marken wie Bulgari, Cembra Money Bank und Molino ist die ehemalige Schönheitskönigin nach wie vor gefragt. Seit 2024 ist sie ihre eigene Managerin, dehnt seither ihr Tätigkeitsfeld über die Schweiz nach Italien, Deutschland und Frankreich aus.
2024 war für Sie ein einschneidendes Jahr.
Christa Rigozzi: Es war wirklich schlimm: Ich verlor geliebte Menschen, mein «erstes Baby» Joker, unsere französische Bulldogge, starb, Einbrecher verwüsteten unser Zuhause, ich musste mein Management neu organisieren …
Was löste all das in Ihnen aus?
Vor allem dieser Einbruch hat mir und meiner Familie sehr zugesetzt. Der Ort, der für uns Sicherheit bedeutet, der unser Nest ist, wurde gewaltsam zerstört. Die Folge war, dass ich über ein Jahr nicht mehr richtig durchschlafen konnte, von Albträumen geplagt wurde, ständig vor Augen hatte, dass jeder unserer Schränke von fremden Fingern geöffnet und jedes Plüschtier der Kinder angefasst worden ist. Die Sicherheit, die uns genommen wurde, zurückzuerlangen, das dauerte seine Zeit. Aber ich zwang mich, nach vorn zu blicken und für meine Familie stark zu sein. Aber nicht nur das, auch die anderen Schicksalsschläge haben mich stärker gemacht – und ich bin härter geworden. Salopp gesagt: «Ich hab jetzt Eier in der Hose» (lacht.) Ausserdem war all das mit ein Auslöser dafür, mein Leben aufzuräumen.
Inwiefern?
Zum einen beruflich: Ich prüfe noch genauer, welche Jobs ich annehme und wo ich Nein sage. Das fiel mir früher schwer. Zum anderen schaute ich mein privates Umfeld genauer an, trennte mich von «Freunden», die nur genommen, jedoch nichts gegeben haben. Es war für mich wirklich eine Befreiung, ich fühle mich seither nicht nur viel besser, sondern habe auch mehr Zeit für meine Familie: für Gio, der mich geschäftlich unterstützt, für unsere beiden Töchter Zoe und Alissa. Und ich bin glücklich, mein eigener Boss zu sein.