Gunter Sachs
Was wäre ohne ihn aus St. Moritz geworden?

BLICK-Reporter André Häfliger erinnert an seinen Freund Gunter Sachs
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Von André Häfliger

Ich trauere um einen lieben Freund, ein grosses Vorbild, ein Idol als Künstler und Mensch. Vor 20 Jahren, Anfang Januar 1991, habe ich Gunter Sachs erstmals getroffen. In seinem berühmten Dracula-Club in St. Moritz GR, seiner zweiten Heimat, wie er mir immer sagte.

Schlagartig änderte ich in dieser unvergesslichen Nacht da oben im Nobelkurort meine Meinung über Gunter Sachs.

Ein Playboy, der in Saus und Braus lebt – das war mein Bild von ihm. Falsch! Gunter Sachs, das merkte ich sofort, ist in erster Linie ein sehr höflicher, ruhiger und bedachter Mensch. Er will die Menschen, mit denen er spricht, nicht nur oberflächlich kennen. Er hört zu, nimmt sich Zeit. Er ist interessiert, er geht in die Tiefe. Das hat mir in dieser Nacht am meisten imponiert: Er wusste damals vermutlich mehr über mich als ich über ihn.

Immerhin bekam ich zu wissen, dass ihm «im Grunde genommen», wie er mir schmunzelnd sagte, ein «Schüblig mit saurem Most» lieber war als ein «zehngängiges Galadinner».

Später, spätestens bei den Besuchen in seinem Chalet in Gstaad BE, wurde mir auch klar: Gunter Sachs ist kein Protzer. Der Bau, die Einrichtung, das ganze Ambiente zeugten vom starken Charaktermenschen mit viel Geschmack, Stil und Klasse. Und nicht von Prunk und Protz.

Natürlich habe auch ich bemerkt, wie Gunter Sachs die Frauen betört, wie charmant er zu ihnen ist. Und zwar zu allen: von der Putzfrau bis hin zu Sophia Loren. Der perfekte Gentleman!

Aber ich spürte auch, dass das nie nur Selbstzweck war. Nein, es war seine innerste Überzeugung, gegenüber Frauen so zu sein. Er konnte gar nicht anders, er musste so.

Genauso gern war Gunter Sachs ein Schweizer. Politisch immer stark interessiert, wenn auch nicht persönlich aktiv. Bei seiner Schweizer Einbürgerung 1976 in der Region Surselva (Kt. GR) verlangte er ausdrücklich, Militärdienst leisten zu dürfen. Was er dann jahrelang im Armee-Filmdienst und in Uniform auch tat.

Neben dem Bündnerland und Gstaad war er eng verbunden mit Lenzerheide GR. Dort ruht sein Bruder Ernst Wilhelm, der 1977 bei einem Lawinenunglück in Val d’Isère (F) ums Leben kam.

«Lass dich ja nie unterkriegen, kämpfe!» Das ist der Leitsatz, den mir Gunter Sachs mitgegeben hat. Als Beispiel dient mir sein Einsatz für St. Moritz. In den Jahren, als sich im Festsaal der Alpen reiche Briten mehr und mehr zurückzogen, nahm Sachs seinen Kampf auf, zusammen mit Peter Kasper, seinem engen Freund und damaligen Kurdirektor.

1969 wurde Gunter Sachs Präsident des Bobklubs und blieb es bis zu seinem Tod. Erst rettete er die Bobbahn. Dann wirbelte er jahrelang mit seinem Namen als Botschafter kräftig die Werbetrommel – mit St. Moritz gings steil bergauf. Was für eine Tatkraft, was für ein Triumph! Was wäre ohne ihn aus St. Moritz geworden?

Gunter Sachs, der Perfektionist. Wie hat mir der Mann imponiert! Er knipste etwa nicht wie ein japanischer Tourist auf der Jungfrau frisch drauflos. Nein, er komponierte sein Bild regelrecht. Bevor er ganz, ganz wenige Male abdrückte, hatte er tagelang ein Konzept ausgeheckt. Er nahm sich Zeit, viel Zeit. Wer macht das heute noch? Das Knipsen war nur die Vollendung, der «Eintritt ins Paradies», wie er sagte. Wie schön wäre es, wenn wir dich genau dort, lieber Gunter, dereinst alle wieder treffen könnten!

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