Das hilft Nadine Vinzens bei Panikattacken
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Sie gibt Tipps:Das hilft Nadine Vinzens bei Panikattacken

Ex-Miss Nadine Vinzens (42) spricht offen über ihr Leiden
«Ich habe Panikattacken»

Nadine Vinzens bricht ein Tabu: Die Ex-Miss-Schweiz und DJane legt offen, wie Panikattacken ihr Leben seit der Jugend prägen. Trotz Angst vor Kontrollverlust ist sie heute entschlossen, ihren Alltag zu meistern.
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DJane Nadine Vinzens spricht erstmals öffentlich über ihre Panikattacken.
Foto: Zvg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nadine Vinzens spricht erstmals offen über ihre Panikattacken.
  • Sie erlebte Mobbing, Gewalt und Nahtoderfahrung – prägende Ursachen der Panik.
  • Am 8. August legt Vinzens an der Street Parade in Zürich auf.
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Flavia SchlittlerRoyal- und People-Expertin

Herzrasen. Schwindel. Die Gedanken füllen sich mit der Angst, «gleich ohnmächtig zu werden», sagt Nadine Vinzens (42). Was sie seit ihrer Jugend begleitet, kennen viele. «Ich habe Panikattacken», offenbart die Miss Schweiz 2002 gegenüber Blick. Es ist das erste Mal, dass sie darüber öffentlich spricht. Sie nennt beim Namen, was viele andere Betroffene verschweigen. Seit ihrer Wahl zur Miss Schweiz 2002 steht die Churerin in der Öffentlichkeit. Damals als schönste Schweizerin, dann als Schauspielerin und seit zehn Jahren als DJane, oft vor Tausenden von Menschen. Die Panikattacken passieren bei ihr nicht im geschützten Privaten – sondern mitten im Leben. Auch genau dann, wenn niemand sehen soll, was in ihr passiert.

«Ich sehe mich nicht als Opfer», sagt Vinzens bewusst. Sie sieht sich als Betroffene. Als jemand, der immer besser lernt, mit der Panik umzugehen. Und als jemand, der heute weiss: «Die Panik definiert mich nicht und hält mich nicht davon ab, meinen Weg zu gehen.» Um für sich zu verstehen, woher das kommt, muss sie weit zurückgehen. Mit 13 Jahren erleidet sie eine schwere Infektion im Gesicht. Sie verliert das Bewusstsein, ihre Ärzte, die sich nicht erklären können, was mit ihr passiert ist, kämpfen um ihr Leben. «Es war ein Nahtoderlebnis. Wer das erlebt hat, weiss, wie fragil das Leben ist. Nichts ist selbstverständlich. Ein gesundes Hier und Jetzt schon gar nicht.»

Gewalt, Mobbing, Kontrollverlust

Diese Erfahrung ist ein prägender Teil ihrer Geschichte. Sie erlebt, wie ihr Körper plötzlich nicht mehr funktioniert, sie nichts mehr in der Hand hat. Die Angst vor Kontrollverlust wird später zum Kern ihrer Panik. Als Kind und Jugendliche erlebt Vinzens Mobbing und Gewalt. Zwischen 7 und 13 Jahren wird sie in der Schule schikaniert. Mitschülerinnen reissen ihr neue Schuhe weg, schlagen sie, schubsen sie in Büsche, stecken ihr Zettel mit Beleidigungen zu. Im Sportunterricht wird sie zur Zielscheibe. Sie spielt Basketball und ist gut darin. Das gefällt der Mädchengruppe nicht. «Daraufhin haben sie mich noch mehr gemobbt.»

Nadine Vinzens beginnt, die Sportstunde zu schwänzen. «Ich hatte Schiss vor den Mädchen und keine Lust mehr auf Auseinandersetzungen. Gegen ihre Eifersucht kam ich nicht an.» Hinzu kommt, dass zu dieser Zeit ein Junge aus ihrem friedlichen Quartier, der einiges älter ist als sie, plötzlich auf sie losgeht, sie zu Boden wirft und auf sie einprügelt. Bis herbeieilende Nachbarn ihr zu Hilfe kommen. Ihr Daheim bleibt ihr sicherer Hafen. «Ich habe zum Glück eine wundervolle Familie.» Die Erlebnisse mit Mobbing und Gewalt aber hinterlassen Spuren. Mit etwa 15 Jahren kommen bei ihr die ersten Panikattacken.

Plötzlich ist da dieses Gefühl. Prüfungen werden zum Albtraum. «Ich hatte plötzlich Blackouts. In Fächern, in denen ich immer gut war, habe ich komplett alles vergessen.» Die panische Angst vor Ohnmacht und Kontrollverlust zieht sich seither durch ihre Attacken. Ein einschneidendes Erlebnis folgt 2011 auf dem Weg zur Filmpremiere von «Mary and Johnny», in der sie die weibliche Hauptrolle spielt. Kurz vor der Ankunft wird sie immer nervöser und verliert das Bewusstsein. Die Leute wollen sie ins Spital bringen. Vinzens denkt nur an eines: Sie muss zur Premiere. «Ich sagte, es sei mir egal, ich müsse gehen.»

Auftritt an der Street Parade

Heute sind die Attacken seltener geworden. Ganz verschwunden sind sie nicht. Doch sie hat gelernt, die Kontrolle nicht der Angst zu überlassen. Ihr wichtigstes Werkzeug ist der Atem. Sobald sie merkt, dass eine Attacke aufkommt, konzentriert sie sich auf ihre Atmung. Vier bis sechs Sekunden tief einschnaufen, dann langsam während elf Sekunden ausschnaufen. Dazu spricht sie sich zu: «Es ist alles okay. Es ist nur in deinem Kopf.» Kaffee lässt sie weg. Koffein fühlt sich für sie teilweise ähnlich an wie eine Panikattacke: Herzrasen, Unruhe, dieses körperliche Alarmgefühl. Der Spagat zwischen ihrem professionellen Anspruch und der Angst, diesem nicht gerecht zu werden, bleibt. Wenn sie einen Zug verpasst, sie sich wegen anderer Umstände verspätet oder sie durch Menschenmengen rennen muss, springt ihr innerer Alarm sofort an.

«Ich ging ganz kurz in eine Therapie. Medikamente waren für mich nie eine Option. Denn ich glaube, man muss selbst bereit sein, etwas verändern zu wollen. Unterstützung ist wichtig, aber den Weg muss man letztlich selbst gehen.» Heute hilft sie sich durch die jahrzehntelange Auseinandersetzung selbst – auch mit Achtsamkeit und dem bewussten Umgang mit ihren Gedanken. «Es ist enorm, wie stark wir unsere Gedanken lenken können. Ich lerne immer mehr, die Panik nicht mit Angst zu füttern. Sie ist nicht mehr mein Feind, sondern ein immer kleiner werdender Teil meines Lebens. Zudem ist meine Arbeit für mich eine riesige Kraftquelle.»

Ihr Freund, DJ Mark Reeve (47), hat ebenfalls Panikattacken. Wenn es bei einem von ihnen passiert, weiss der andere sofort, was los ist. Kein Erklären. Kein Schämen. Verständnis. Und Beruhigung. «Es leiden viel mehr Menschen darunter, als man denkt. Offen darüber zu sprechen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Genau deshalb mache ich meine Geschichte öffentlich. Ich möchte Mut machen und zeigen, dass man lernen kann, mit Panikattacken zu leben. Niemand ist perfekt. Und warum sollte man alles allein durchstehen, wenn man sich gegenseitig unterstützen kann?»

So ist es auch nicht die Angst, die sich in ihr breitmacht, wenn sie an den 8. August denkt, sondern es sind Glückshormone, Leichtigkeit und Adrenalin. «Ich werde an der Street Parade auf dem Lovemobile Medusa auflegen. Wie auch mein Freund. Es wird mega.» Zwei Wochen später tritt die Bündnerin am Open Air Gampel auf. Für Nadine Vinzens bedeuten beide grossen Anlässe: Menschenmengen, grossen Druck – doch vor allem grosse Vorfreude. Heute weiss sie: Die Angst kann kommen. Aber sie bestimmt nicht mehr ihr Leben.

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