«Dürfen nicht stehenbleiben»
Rusch-Büeblä feiern 10-jähriges Bühnenjubiläum

Rusch-Büeblä, das sind Vater Roger und die Zwillinge Cyrill und Simon. Was im Wägital in der Stube begann, wurde zu einer unvergleichlichen Erfolgsgeschichte. Im Interview sprechen sie über ihre neue Doku und offene Wünsche.
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Die Rusch-Büeblä gehören zu den erfolgreichsten Volksmusikformationen des Landes.
Foto: SRF/Nicolas Senn/eastdesign.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Rusch-Büeblä feiern 10 Jahre Bühnenerfolg mit ausverkauften Konzerten
  • 2025 knapp Prix Walo verpasst, aber zweiten Swiss Music Award gewonnen
  • 2027 fast ausgebucht, SRF widmet ihnen Jubiläums-Doku nach einjähriger Begleitung
Gabrielle Jagel
Tele

Seit 10 Jahren stehen die Rusch-Büeblä auf der Bühne und begeistern ein Publikum weit über die Volksmusikszene hinaus. Wo die Familienformation spielt, sind die Säle und Festzelte ausverkauft.

TELE: Sie werden gerne mal als Rockstars der Volksmusik bezeichnet. Trifft es das?
Roger Rusch:
Als Rockstars fühlen wir uns nicht, die Bezeichnung gehört auch weniger in unsere Szene. Wir sind, wie wir sind, machen Musik, sind gerne zusammen, unter Leuten und an einem Fest. «Rockstar» ist nicht unser Lieblingswort, auch wenn es nett gemeint ist (lacht).

Was ist eigentlich mit Ihrer Schwester Lisa, wollte sie nie in der Familienband mittun?
Simon Rusch: Auch Lisa hat die Musik im Blut, hat aber lieber Sport betrieben und viele andere Hobbys. Zum 50. Geburtstag unseres Mamis haben wir jedoch mit ihr ein Stückli vorgetragen. Und Lisa konnte problemlos mitspielen.

Dass Simon und Cyrill eineiige Zwillinge sind, ist auf der Bühne ein Hingucker.
(Herzhaftes Lachen.) Oh, danke!

Da ist es sicher schon zu einigen Verwechslungen gekommen …
Cyrill Rusch: Das kommt vor, ist für uns aber nicht schlimm. Wir erwarten das nicht von den Leuten. Im engeren Umfeld ist es uns schon wichtig, dass wir mit unserem Namen angesprochen werden.

Machten Sie nie «Zwillingsspiele»?
Cyrill:
Sich für den anderen auszugeben? Wir haben in der Schule schon mal die Plätze getauscht, sind aber ziemlich schnell aufgeflogen.

Bei den Auftritten spielen Sie Akkordeon, Bruder Cyrill Schwyzerörgeli, der Vater Kontrabass. Wie kam es dazu?
Simon: Angefangen habe ich eigentlich mit dem Schwyzerörgeli, weil wir das von unserem Dädi lernen konnten. Er spielte damals schon seit zwanzig Jahren in der Formation Trio Rötstock auf dem Schwyzerörgeli. So standen bei uns immer welche herum, wir durften von Dädi lernen, darauf zu spielen.

Er brachte Ihnen alles bei?
Ja, aber nicht nur die Musik, sondern auch alles Wichtige für die Auftritte. Er war und ist noch immer unser Vorbild. Ich habe dann beim Menzi Ernst gelernt, auf dem Akkordeon zu spielen, dabei bin ich geblieben. Ansonsten probiere ich gerne mal etwas aus. Aber auftrittsreif sind meine Spielkünste auf der Gitarre und Bassgeige nicht. Vielleicht kommt’s ja noch (lacht).

2015 waren Sie in «Potzmusig». Danach ging die Post ab, richtig?
Roger:
Das kann man so sagen. Es war der Startschuss. Vor allem war es unser erster Auftritt als Rusch-Büeblä. Da ich, wie schon erwähnt, bereits zwei Jahrzehnte in einer Formation gespielt hatte, waren schon vorher Kontakte da. Aber einem grösseren Publikum bekannt wurden wir durch Nicolas Senn und «Potzmusig».

Inzwischen füllen Sie Hallen, Säle und Festzelte …
Simon:
Wir sind schon 10 Jahre als Formation unterwegs. Zu Beginn durften wir vom Bonus profitieren, dass wir jung waren. Die Leute sagten immer: «Jöh, sooo härzig, Zwilling!» Aber Dädi sagte uns stets, wenn wir weitermachen wollen, dürften wir nicht stehenbleiben. So haben wir uns weiterentwickelt und immer das angestrebt, was wir gerne machen. Und dass wir bei den Leuten so gut ankommen, wussten wir ja vorher nicht (schmunzelt).

Das macht aber schon etwas stolz.
Simon:
Auf jeden Fall! Mit etwas, das man selber so gerne macht, den Leuten eine Freude zu bereiten, ist unbeschreiblich schön. Wir profitieren natürlich auch von der ganzen Ländlerszene. Der Hype ist ja nicht nur uns zu verdanken.

Ihr Vater ist Dachdecker, der Bruder Schreiner und Örgelilehrer, und Sie arbeiten als Metallbauer. Zugleich organisieren und managen Sie sich selbst. Wie geht das?
Simon: Wir arbeiten alle gerne in unseren Berufen, verdienen so unseren Lebensunterhalt, wobei Cyrill noch zwanzig Prozent Schwyzerörgelilehrer ist. Die Arbeit ist ein wichtiger Ausgleich unter der Woche und hält uns auf dem Boden. Die Musik soll aber ein Hobby bleiben.

Wie sieht denn die Aufgabenverteilung bei Ihnen aus?
Simon: Cyrill koordiniert die Auftritte, muss auch mal Nein sagen. Aber wenn wir ablehnen, ist es nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil wir besetzt sind. Wir haben noch nie einen Auftritt abgesagt, weil wir keine Lust hatten.

Über mangelnde Anfragen können Sie also nicht klagen.
Simon: Nein, und wir wissen das zu schätzen! Dass wir für 2027 bereits fast ausgebucht sind, ist eine Ehre. Sehr dankbar sind wir auch unserem Mami Doris: Sie kümmert sich um unsere Hemden, unterstützt uns mit den CDs, macht auch sonst ganz viele Sachen im Hintergrund.

Cyrill: Dazu ist noch zu sagen, dass wir kein Management wollen. Es ist auch unser Stolz, das selber machen zu können. Es wäre sicher etwas anderes, wenn man auf der Profischiene fahren möchte. Aber die Musik ist unser Hobby, wir wollen mit den Leuten Kontakt halten, unabhängig sein, selber entscheiden.

Den Prix Walo haben Sie 2025 knapp verpasst, dafür im gleichen Monat den zweiten Swiss Music Award geholt.
Roger: Es war ein sehr spezielles Gefühl, weil wir im Jahr zuvor nicht alle teilnehmen konnten. Cyrill durfte allein hin. Als unser Name vorgelesen wurde, waren wir nur noch baff. Es war unglaublich!

Bei Ihren Auftritten singt Alt und Jung mit, jodelt, tanzt. Trotzdem sind Sie Künstler zum Anfassen. Wird das nicht auch mal zu viel?
Cyrill:
Bodenständig zu bleiben, ist für uns das Wichtigste. Aber es ist manchmal schwierig, allen gerecht zu werden. Vor allem an grossen Festen oder Anlässen können wir nicht allen die Hand schütteln. Wir freuen und schätzen es sehr, dass die Leute zu den Auftritten kommen. Und mit den Leuten zu reden, ist für uns kein Problem. Wir sind ja bekanntlich nicht die Verschlossensten … (Lacht.) Darum, nein, wir haben keine Mühe damit.

Simon: Ob Reich oder Arm, Jung oder Alt – wir behandeln alle gleich. Ich glaube, das merken die Leute.

Sie spielen authentische Schweizer Volksmusik, doch Sie haben auch Pop- und Rock-Interpretationen im Repertoire, womit auch viele Jüngere abgeholt werden. Ist es der Mix, der den Erfolg ausmacht?
Roger:
Ich denke schon. Auch wir hören ja gerne mal andere Musik – Hardrock, Pop oder Schlager. Wir sind gerne vielseitig, leben die volkstümliche Musik genauso wie andere Genres aus. Aber unser Herz hängt schon an der traditionellen Volksmusik, damit gehen wir auch gerne in kleine Beizen, wo es ebenso schön ist wie in einem grossen Festzelt.

Zum 10-Jahr-Jubiläum widmet SRF Ihnen eine Doku. Dafür wurden Sie ein Jahr mit der Kamera begleitet.
Cyrill:
Das hat uns überhaupt nicht gestört, mit dem Kameramann ist sogar eine Freundschaft entstanden. Er hat sehr viel Rücksicht genommen, wir konnten einfach so sein, wie wir sind. Es war eine schöne Erfahrung für uns.

Simon: Es ist ein Privileg für uns, und wir sind SRF auch sehr dankbar dafür. Auch dass die Volksmusik unterstützt wird, dass man dieser Musik eine solche Plattform bietet.

Welche Wünsche haben Sie offen?
Simon:
Wir haben Projekte, für nächstes Jahr sogar ein grösseres, nur dürfen wir dazu leider nicht viel sagen.

Roger: Und natürlich wünsche ich mir, dass alle gesund bleiben, sonst geht’s nicht. Es muss nicht immer mehr und grösser werden. Ich hoffe einfach, dass wir noch ein paar Jahre zusammen Musik machen dürfen – vor allem für mini Büeblä!

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