Darum gehts
- Die Dreharbeiten zu «It Takes Two to Tango» sind in der Schlussphase
- Zeitplan und Budget des ersten Divertimento-Spielfilms können eingehalten werden
- Der fertige Film soll im Spätsommer 2027 in den Deutschschweizer Kinos anlaufen
Schauplatz ist The Hall in Dübendorf ZH am letzten Montag: Jonny Fischer (46) und Manu Burkart (48) stehen auf der Bühne, Fischer als Patient im Bademantel, Burkart stellt einen Arzt dar. «Ich habe eine spezielle osteuropäische Therapie entwickelt», sagt Burkart. Fischer fragt: «Und die heisst?» Burkart: «Osteopathie.» Der Saal tobt.
So weit, so normal. Divertimento ist schliesslich das erfolgreichste Comedy-Duo der Deutschschweiz, unterwegs seit 27 Jahren. Doch Regisseur Markus Welter (58) ist noch nicht zufrieden. Wieder und wieder kommt Fischer im Bademantel auf die Bühne, die Kamera läuft, das Publikum besteht aus 300 Statisten.
Erstmals dreht Divertimento unter dem Projekttitel «It Takes Two to Tango» einen Kinofilm und verwirklicht sich damit einen «Bubentraum». Aus Bühnenartisten werden Schauspieler, ohne grossen Vorlauf.
Freundschaft neu belebt
«Am meisten Angst hatten wir davor, dass sich die Verwirklichung dieses Traums als gar nicht so lässig entpuppen könnte, wie wir uns das vorgestellt hatten», sagt Fischer. «Zumal es auch um Geld geht und viele Menschen sehr viel Kraft und Zeit in dieses Projekt investiert haben. Doch es lief von Beginn weg so gut, dass wir schon am ersten Abend das während der Drehzeit geltende Alkoholverbot brachen und wie Lausbuben mit einem Glas Weisswein anstiessen. Und die tolle Stimmung hält bis heute an.»
Und Burkart sagt: «Wer unsere Geschichte kennt, weiss, dass wir abseits der Bühne auch ein paar Krisen durchlitten haben. Das hätte hier auch durchbrechen und eskalieren können. Ich sagte im Vorfeld zu Jonny: ‹Ich hoffe sehr, dass uns dieser Film nicht trennen wird.› Passiert ist das Gegenteil: Der Film hat uns wieder neu verbunden und unsere Freundschaft belebt.»
Das Innere nach aussen kehren
In Dübendorf läuft der 31. Drehtag, die letzte Klappe fällt Anfang August. Der Film erzählt die Geschichte von Divertimento, enthält aber auch fiktive Elemente. «Wir realisieren einen Buddy-Film. Es geht um Freundschaften auf der hellen und dunklen Seite», sagt Regisseur Markus Welter.
Probleme mit der Umgewöhnung von der Bühne zum Schauspiel vor der Kamera habe es keine gegeben. «Jonny und Manu haben sich intensiv vorbereitet. Und sie sind es gewohnt, auf der Bühne zu stehen und das Innere nach aussen zu kehren.»
Anders sei vor allem die Grösse des ganzen Apparates mit einer Crew von rund 80 Leuten. «Das hier ist, als würde man einem Fussballer, der bisher Regionalliga spielte, sagen, lass uns nun mal in der Champions League einlaufen. Da geht dir der Puls automatisch hoch.»
Beigezogen wurde auch Schauspiel-Coach Christof Oswald (55). Und arrivierte Schauspieler wie Daniel Rohr (65) stützen die Film-Newcomer zusätzlich. Dass Welter zuletzt den erfolgreichen Kinderfilm «Mein Freund Barry» herausbrachte, passte gemäss Fischer und Burkart gut.
«Er ist auch deshalb der richtige Mann, weil er sich schon mit uns und unseren Macken auskennt. Und wir lernen sehr viel. Wir sind es uns eigentlich nicht gewohnt, dass uns jemand reinredet. Hier haben wir wenig bis nichts zu sagen, weil wir von lauter Profis umgeben sind, die alle besser sind als wir. Das ist sehr befreiend.»
Die Crux mit dem Geld
Fischer beschäftigt sich bereits seit über fünfzehn Jahren mit dem Drehbuch und hat es mehrfach umgeschrieben. Die jetzige Story beginnt zur Jahrtausendwende und führt bis ins Jahr 2063. Konkret möglich wurde der Film, als Produzent Hans Syz (69) mit seiner Firma Condor Films auf den Plan trat.
«Erste Gespräche über ein gemeinsames Filmprojekt gab es bereits bei unserem Kinofilm ‹Handyman› von 2006, in dem Divertimento einen Gastauftritt hatte», sagt Syz. «Der besondere Reiz bestand nun darin, die einzigartige Chemie und den Bühnenerfolg von Jonny und Manu in eine eigenständige Kinogeschichte zu übertragen.»
Ein entscheidender Punkt war das erwähnte Geld. Das Budget beträgt knapp 5 Millionen Franken. Gedreht wurde aus Kostengründen zu einem grossen Teil auf Gran Canaria, wofür es im Frühling mediale Kritik gab. Unterhaltungsfilme wie dieser haben bei Schweizer Fördergremien traditionell einen schweren Stand.
«Einerseits konnten wir auf das Know-how unserer spanischen Produktionspartner zurückgreifen. Andererseits spielte das spanische Steueranreizsystem eine wesentliche Rolle, da es einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung des Films leistete und die Umsetzung in dieser Form überhaupt erst ermöglichte», sagt Syz.
Koproduktionspartner sind Keep Cool Produktion, das Divertimento-Management und SRF. Dazu kommen Beiträge des Kantons Zug, wo ebenfalls gedreht wurde. Szenen entstanden an mehreren Orten in der Stadt Zug, im Burgbachkeller und im Lehrerseminar, wo sich Burkart und Fischer kennenlernten.
Nach einer längeren Pause nimmt Divertimento im November 2026 die unterbrochene Bühnentour wieder auf. Der Film kommt voraussichtlich im Spätsommer 2027 in die Deutschschweizer Kinos.