Darum gehts
- Hausi Leutenegger feiert seinen 86. Geburtstag auf Gran Canaria
- Er plant eine Weltreise, um Lieblingsorte erneut zu besuchen
- Er wirkte in rund 40 Filmen mit, darunter «Tatort»-Folgen
Das grosse weisse Tor zur schmucken Villa «Cigalle» am Genfersee in Rolle VD schiebt sich langsam quietschend zur Seite. Und schon kommt einem Hausherr und Gastgeber Hausi Leutenegger (85) froh gelaunt, laut und mit offenen Armen entgegen. Ein erster Lichtblick in diesem dichten Nebel, der gespenstig über dem Genfersee wabert. Hausi Leutenegger tischt ein paar Canapés auf und öffnet eine teure Flasche Weisswein aus dem Bordeaux. Den Hausangestellten Ferdi hat er in die wohlverdienten Ferien geschickt. Selbst ist nun der Millionen-Mann.
Vormittags um elf Uhr prostet Hausi Leutenegger dem Leben zu. Er weiss, dass ihm nicht mehr allzu viele Jahre bleiben werden, dass «der Spätherbst des Lebens angeklopft hat», wie er sagt. Trotz verschleppter Grippe und einem hartnäckigen Husten wirkt «Hausi National» aufgedreht, munter, agil. Sein Sohn Jean-Claude (53) wird später sagen: «Wenn Papa Besuch von Journalisten bekommt, ist er ein anderer Mensch, blüht so richtig auf. Aber es gibt auch andere Tage.»
Jean-Claude Leutenegger ist vorbeigekommen, so wie jedes Monatsende. Mit einem Auszug aus der aktuellen Bilanz des Unternehmens und mit Autogrammkarten, welche Hausi Leutenegger für Geschäftskunden oder Mitarbeiter unterschreiben soll. Die Karten zeigen den stämmigen Sportler mit umgehängtem Olympia-Gold für den Sieg im Viererbob-Rennen in Sapporo 1972. Es war Hausis grösster Triumph. Es hat ihn über Nacht zur Sport-Legende gemacht und die Türen für ein Millionen-Imperium aufgestossen. «Gsesch, sie wönd no immer alli öppis vo mer», sagt Hausi Leutenegger beim Autogrammkritzeln. Viel Stolz schwingt in diesem Satz mit, und weiss Gott keine Klage. Als Hausi ein bisschen hüftsteifer als auch schon durch die Villa und das Anwesen führt und dann zum Pool und zum Bootsplatz am See durch das nasse Gras stapft, merkt er an: «Das ist die letzte Reportage über mich. Nachher ist fertig. Schluss! Ende! Aus!» Das mag man jetzt glauben oder auch nicht. Aber vorher wird im Blitzlicht des Fotografen noch mal tief eingeatmet, der Bauch eingezogen, strammgestanden und gelächelt. Und immer wieder zieht es ihm wie automatisch beide Daumen hoch. «Alles okay» will er wohl so symbolisieren.
Seit 14 Jahren verheiratet
Ist denn derzeit wirklich alles bestens bei Hausi National? «Es geht mir gut, was soll ich auch jammern», sagt er, zurück am Esstisch in der Villa. Seit 14 Jahren ist er mit Anita (70) verheiratet. «Sie sorgt gut für mich, sie ist meine Liebe.» Bald geht es für das Paar in wärmere Gefilde. «Die Koffer sind gepackt und morgen fliege ich mit meiner Frau Anita und meinem Sohn wieder für ein paar Wochen in meine Villa nach Gran Canaria. Das sonnige Wetter dort wird mir guttun. Das wird auch den Husten ausheilen.» Leutenegger feiert also seinen 86. Geburtstag am 16. Januar unter dem spanischen Sternenhimmel. Mit ein paar Freunden und der Familie wird er in seinem Lieblingsrestaurant in Maspalomas «gut essen gehen». So wie seit Jahren schon. Auch auf das Geplapper seiner vielen Papageien freut sich der Vogelfreund. Das ist kein Witz. «Ich höre lieber auf Gran Canaria meinen Papageien zu, als mich in die Politik einzumischen, das gibt mir viel mehr», sagte er jüngst nach der Abstimmung um die Erbschaftssteuerinitiative zur «NZZ».
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Die Millionen bleiben also in der Familie. Und die hat der Unternehmer ja schliesslich auch alle selbst erarbeitet. «Ich hatte ein gutes Leben», sagt der Thurgauer. «Auch wenn es manchmal ein Chrampf war. Aber man muss nicht immer glücklich sein im Leben. Mir hat es immer gereicht, zufrieden zu sein.» Und doch gibt es da noch einen letzten Traum, den Hausi National gerne wahr werden lassen möchte. «Ich will nochmals um die Welt reisen. Nochmals meine absoluten Lieblingsorte besuchen, da nochmals in Erinnerungen schwelgen.» Ganz nach dem Motto von Schlagerstar Karel Gotts legendärem Hit «Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld».
Er will zum Amazonas
Rio de Janeiro in Brasilien möchte Leutenegger noch mal sehen, den Amazonas und die Dschungel-Metropole Manaus. «Ich war vor vielen Jahren schon mit meiner ersten Ehefrau Elfriede da. Das Land und die Leute faszinieren mich. Rio ist eine der schönsten Städte überhaupt auf dieser Welt. Und ich will noch mal den Sand der Copacabana unter meinen Füssen spüren.» Der gebürtige Bichelseeer und spätere Weltenbummler kommt aus dem Schwärmen über das südamerikanischen Land kaum heraus. Und führt weiter aus: «Auch die Philippinen möchte ich noch einmal besuchen, mit der Hauptstadt Manila.» Das hat seine guten und vielen Gründe.
Auf den Philippinen hat der Schweizer einst seine Filmkarriere so richtig lanciert: mit den beiden actionreichen Söldnerstreifen «Kommando Leopard» (1985), mit Klaus Kinski (1926–1991), und «The Commander» (1987). Die zwei Filme wurden auf den Philippinen gedreht und vom umtriebigen Schweizer Erwin C. Dietrich (†) produziert. In beiden durfte Hausi mittelgrosse Rollen spielen. «Man könnte sagen: Hausi hat sich dabei selber gespielt, einfach unter verschärften Bedingungen», schrieb einst der «Tages-Anzeiger». Eine Zeitlang firmierte der Schweizer Hüne und Schnauzträger gar als «Burt Reynolds der Alpen». «Nach diesen beiden Filmen stand ich auf der Liste der Schauspieler, die für die James-Bond-Rolle infrage kamen», sagte er einst voller Stolz. Das kann man jetzt glauben, oder auch nicht.
Ja, Hausi hat seine Träume verwirklicht. Das Bobfahren entsprang zwar eher der Neugier, aber mit der Schauspielerei erfüllte er sich einen Kindheitswunsch: «Den Traum hatte ich, seit ich als Jugendlicher die ersten Cowboyfilme gesehen hatte.» In knapp 40 Filmproduktionen wirkte Leutenegger schliesslich mit, darunter auch «Tatort»-Folgen. «Für mein Unternehmen waren die Auftritte in den Filmen beste Werbung», sagt er. Die Promotionstouren mit Klaus Kinski in Europa hat er weniger gut in Erinnerung: «Kinski war ein Mensch, der keinen Respekt vor anderen Leuten hatte. Ich war sein Freund, ich darf das sagen. Er mochte mich und ich ihn. Aber er hat keine Grenzen gekannt.»
Neues Geschäftsfeld
In Manila möchte der Unternehmer, der auf Lebzeiten Ehrenpräsident der Hans Leutenegger AG bleibt, auch seine neuen Geschäftspartner besuchen. Denn seit ein paar Jahren werden dort lokale Pflegefachkräfte für deutsche Spitäler rekrutiert und zusätzlich ausgebildet. «Ein Geschäftsfeld, das immer mehr boomt», weiss Hausi. Einmal mehr also scheint der Selfmade-Multimillionär den richtigen Riecher fürs Geschäft zu haben. Aber das alles ist nun nicht mehr die Hauptsache in Hausis filmreifem Leben: «Wichtig ist mir, dass ich mit den Leuten immer anständig und grosszügig war. Darum glaube ich, dass ich in den Himmel komme.»