Darum gehts
- Moderatorin Alexandra Maurer (44) erlebt Alltagsrassismus durch Handwerker in Zürich
- Handwerker sprach absichtlich gebrochenes Hochdeutsch, änderte nach Dialektwechsel Verhalten
- Maurer kritisiert Annahmen über Sprachkenntnisse und Äusserungen als «verletzend»
Alexandra Maurer (44) ist genervt. Am Montag klingelt ein Handwerker an ihrer Tür, drei Stunden zu früh. «Ich bin gerade aus einem Meeting gekommen und war mit dem Kopf woanders», berichtet die Zürcher Moderatorin in ihrer Instagram-Story.
Dann kommt es zu der unangenehmen Situation. Der Mann stellt sich vor. Auffällig langsam und mit übertriebenem Hochdeutsch: «Hallo, ich bin hier wegen der Lüftung. Wartung. Lüftung.» Maurer ist irritiert. «Ich dachte mir: Wieso redet er so mit mir?»
Die Moderatorin antwortet auf Schweizerdeutsch, erklärt, dass er viel zu früh sei. Plötzlich kippt die Situation. «Seine ganze Haltung, die Art und Weise, wie er mit mir umgegangen ist, war eine andere, als er gemerkt hat, dass ich Schweizerdeutsch kann.» Auch der Handwerker selbst wechselt daraufhin die Sprache zu Mundart.
«Das ist verletztend»
Maurer hätte sich eine andere Reaktion gewünscht: «Wie wäre es, davon auszugehen, dass dein Gegenüber Schweizerdeutsch spricht – und sich dann erst aus Höflichkeit anzupassen?» Aufgrund ihres Aussehens habe der Mann angenommen, sie verstehe kein Deutsch. «Das ist verletzend», sagt sie. Im Gespräch mit Blick führt sie aus: «Seit ich ein Kind bin, passiert mir das und irgendwann kann man einfach nicht mehr.»
Sie erlebe auch, dass ältere Frauen ihre Tasche festhalten, wenn sie vorbeigeht oder dass Leute sie für ihr gutes Deutsch loben. «Dass man 2026 immer noch nicht akzeptiert hat, dass das Schweizer Volk nicht einheitlich aussieht und selber das Gefühl zu haben, nicht schweizerisch genug zu sein, das verletzt einfach wahnsinnig.»
Die Zürcherin spricht von «Casual Rassismus», auch als Alltagsrassismus bekannt. «Ich habe dafür einfach keine Toleranz mehr. Wenn du Menschen mit gebrochenem Hochdeutsch ansprichst, weil die Person ‹anders› aussieht, ist das keine Höflichkeit!» Wenn sie mal wieder gefragt werde, woher sie komme, antworte sie mit «Zürich Affoltern». Dann könne man schon nachfragen, wo ihre Wurzeln seien, «aber das muss in einem angebrachten Kontext passieren».
Bäbis und Bücher
Ihr Rat an die Menschen: «Zuhören, Ungewolltes proaktiv ansprechen und schon bei der Erziehung der Kinder die Diversität förden: Meine Kinder haben beispielsweise nicht nur weisse Bäbis, wir haben Büchlein zum Thema und auch beim Essen kann man mit verschiedenen Gerichten den Horizont erweitern.»
Auch Maurer selbst kennt Momente, in denen sie Vorurteile hat, wie sie auf Nachfrage von Blick bestätigt. «Wenn ich nachts alleine an einer Gruppe Männer vorbeigehe, tue ich oft so, als würde ich telefonieren, um mich sicherer zu fühlen.» Es passiere ihr aber nicht, dass sie Menschen aufgrund ihres Aussehens vorverurteile.
Alltagsrassismus – Rassismus, der «nicht so gemeint» ist – geriet zuletzt vermehrt in den Fokus. Die Schweizer Autorin Nora Osagiobare (33) behandelte das Thema in ihrem satirischen Erfolgs-Roman «Daily Soap». Alexandra Maurer behandelte das Thema Sichtbarkeit auch kürzlich in ihrem Podcast «Woman on a Mission», der immer freitags erscheint.