800'000 Besucher täglich
Wie lange kann Teletext der App-Konkurrenz noch trotzen?

Der Teletext, ein Schweizer Info-Dino aus den 1980ern, zieht täglich 800'000 Nutzer an. Trotz digitaler Alternativen und SRG-Sparmassnahmen bleibt er dank Übersichtlichkeit und Barrierefreiheit ein Erfolg. Doch wie lange noch?
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Kommt daher wie aus der TV-Steinzeit: Teletext.
Foto: SRF Screenshot

Darum gehts

  • Teletext bleibt trotz Digitalisierung ein beliebter Informationsdienst in der Schweiz
  • SRG kürzte Rubriken wegen Lizenzkosten, Abschaltung derzeit nicht geplant
  • Täglich nutzen 800'000 Schweizer, durchschnittliches Alter der Nutzer beträgt 54 Jahre
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Mischa Christen
Tele

Das Klötzli-Design kommt daher wie aus der Lego-Steinzeit, die Optik ist eine Reminiszenz an die VHS-Kassette der 1980er-Jahre. Klar, es geht um den Teletext, ein ewig lebendiges Info-Fossil. Während wir auf unseren Smartphones mit Google und KI das gesamte Weltwissen nur einen Fingertipp oder «Hey!»-Ruf entfernt im Hosensack herumtragen, besuchen in der Schweiz immer noch täglich 800'000 den grobpixeligen Informations-Dino.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

1,6 Millionen tun es mindestens einmal pro Woche. Das Durchschnittsalter der Nutzerinnen und Nutzer beträgt laut Digimonitor-Studie 54 Jahre. Sie sind zwar mit der Technologie gealtert, aber eigentlich immer noch relativ jung. Wie angedeutet: An der Technologie hat sich seit der Einführung des Teletexts in den frühen 1980er-Jahren kaum etwas verändert. Und doch hat man parallel dazu stets darauf geachtet, den Anschluss an die Moderne nicht zu verpassen.

Wird der Teletext weiter eingestampft?

1995 wurde ein News-Service für Pager eingeführt, ein Jahr später folgte die erste Website des Teletext, kurz vor der Jahrtausendwende kam ein SMS-Newsdienst hinzu, und 2009 wurde das gesamte Angebot mit der Einführung der Teletext-App für die mobile Nutzung fit gemacht. Angesichts der Popularität ist es unbegreiflich, dass die SRG vor vier Jahren den Dienst ausgedünnt und die Rubriken «Börse» und «Verkehr» gestrichen hat.

Der Grund seien «mangelnde Nutzung und zu hohe Lizenzkosten». Blüht den Rubriken «News» und «Sport» bald das gleiche Schicksal? Spürt der Teletext den Spardruck, wie er im Hinblick auf sinkende Gebühren mittlerweile in fast allen SRG-Abteilungen zu spüren ist? Die SRG hält sich auf Anfrage von TELE bedeckt: «Die Kosten für Daten und Lizenzen sind in Partnerverträgen geregelt, über die wir keine Auskunft geben können.» Der technische und finanzielle Aufwand sei allerdings verhältnismässig klein.

Und doch gab es wiederholt Pläne, den Teletext einzustampfen. Sie wurden aber genauso oft verworfen bzw. verschoben – auf 2022, 2025, 2027, auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Heute versichert die SRG: «Eine Abschaltung von Teletext ist zum heutigen Zeitpunkt nicht geplant.» Dabei würde ja der rechtmässige Erbe längst bereitstehen. Er hört auf den sperrigen Namen HbbTV. Erreichbar über den roten Knopf auf der TV-Fernbedienung, bietet er Mediatheken, Livestreams, interaktive Spiele und anderen modernen Komfort. Doch der neue Dienst hat auch über fünfzehn Jahre nach seiner Einführung einen schweren Stand.

Letzte Bastion der Unaufgeregtheit

Die Gründe sind so banal wie ärgerlich: HbbTV setzt eine Internetverbindung voraus und wird zudem von manchen Kabelnetzbetreibern ignoriert. Der Dauererfolg von Teletext ist vielleicht schlicht das Resultat einer allgemeinen digitalen Reizüberflutung. In einer Welt voller Push-Meldungen, blinkender Inserate und Fake News ist er eine letzte Bastion von Übersichtlichkeit und Unaufgeregtheit. Ohne Werbung. Ohne Animationen, die vom Inhalt ablenken. Und ohne lästige Pop-ups, die sich vor den Text schieben.

Sogar das zähe Warten auf die gesuchten Informationen gehört der Vergangenheit an: Moderne TVs rattern nicht mehr die Seitenzahlen runter, als wollten sie einen Tresorcode knacken, sondern zeigen die angesteuerte Seite blitzschnell an. Und nicht zu vergessen: Der Teletext ist für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen durch anpassbare Schriftgrössen und zuschaltbare Untertitel ein unkomplizierter, wertvoller Helfer im Alltag. Irgendwie erinnert der Teletext an das ikonische Handymodell Nokia 3310: anachronistisch und eine optische Zumutung. Aber unbeirrbar und zuverlässig. Möge er ewig weiterklötzeln!

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