Heute schauen alle auf die Töchter der Geächteten
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Eugenie und Beatrice:Heute schauen alle auf die Töchter der Geächteten

Zerrissen zwischen Liebe und Pflicht
Emotionale Belastungsprobe für Prinzessinnen Eugenie und Beatrice

Seit ihre Eltern aus dem Königshaus verbannt wurden, durchleiden Prinzessin Eugenie und Prinzessin Beatrice eine emotionale Belastungsprobe. Geprägt ist die härteste Zeit ihres Lebens von Bitterkeit und Scham, Frust und Verdruss.
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Ist der Vater ein Sexgrüsel? Eugenie und Beatrice von York mit Andrew 2016. Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äusserten sie sich öffentlich nie.
Foto: AFP via Getty Images

Darum gehts

  • Prinzessinnen Beatrice und Eugenie stehen im Mittelpunkt eines familiären Skandals.
  • Ihr Vater Andrew wird von Missbrauchsvorwürfen verfolgt, Mutter Fergie ausgegrenzt.
  • Beatrice und Eugenie sind Nummer neun und zwölf in der britischen Thronfolge.
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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René Haenig

Wie muss es sich wohl anfühlen, wenn einen die Welt mit Blicken fixiert und taxiert – und jede noch so kleine Regung registriert und interpretiert? Seit Monaten erleben das die Prinzessinnen Beatrice (37) und Eugenie (35). Angesichts des anhaltenden Skandals um ihren Vater Andrew Mountbatten-Windsor (65) und ihrer Mutter Sarah «Fergie» Ferguson (66) sind die York-Schwestern «caught in the middle». So nennen es die Briten, wenn jemand zwischen zwei Parteien gerät und unter Druck steht. Dabei sind Beatrice und Eugenie vom königlichen Bann ausgenommen. Das zeigte sich zuletzt beim Auftritt mit der Royal Family und König Charles III. (77) Ende Dezember in Sandringham.

Im Gegensatz zu Fergie und Andrew, die alle Titel verloren und sogar aus ihrem Daheim, der Royal Lodge im Windsor Great Park, rausgeworfen wurden, bleiben die Töchter Prinzessinnen und Königliche Hoheiten. Beatrice wohnt weiterhin mit Ehemann Edoardo Mapelli Mozzi (42) und den Kindern Sienna Elizabeth (4) und Athena Elizabeth Rose (1) im St. James’s Palace, dem offiziellen Amtssitz der britischen Monarchen.

Der Missbrauchsvorwurf gegen Andrew verfolgt seine Töchter seit Jahren. Beatrice und Eugenie sind 13 und 11, als 2010 ein Foto auftaucht, das ihren Vater 2001 mit der 17-jährigen Virginia Giuffre zeigt. Seinen Arm hat er um die Taille der Teenagerin gelegt. Für Beatrice und Eugenie ein Moment tiefen Erschreckens. Ihr Vater und ein Mädchen, nur wenig älter als sie selbst. Der Vater, der für sie ein Fels ist, wie ihn die Ältere einst bezeichnete: stark, unumstösslich, einer, zu dem sie aufblicken.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Qual der Wahl: Loyal oder royal?

Wie ist es, plötzlich jemanden zu sehen, der gar nicht mehr zu sein scheint, wer er einmal war? Ihr Fels – rissig und bröckelnd. Beatrice und Eugenie müssen sich wie im Sog eines Strudels fühlen. Auf einmal erscheint der vertraute Vater so fremd. Auch die Mutter steckt mit im Epstein-Sexskandal und wurde von König Charles III. zum Gehen aufgefordert. Doch nicht nur die Königsfamilie will mit der Ex-Frau von Andrew nichts mehr zu tun haben, auch gesellschaftlich und medial wird Fergie in Grossbritannien ausgegrenzt.

Beatrice und Eugenie stecken in einem tiefen Loyalitätskonflikt. Auf der einen Seite die Eltern, die sie zutiefst lieben. Auf der anderen Seite die royale Familie mit Onkel König Charles III. an der Spitze, den sie nicht weniger lieben. Und zwischendrin zwei Prinzessinnen, die wählen müssen zwischen familiärer Loyalität oder royaler Treue.

Wie eng das Verhältnis von Beatrice und Eugenie zu Vater und Mutter ist, brachte Beatrice in einem Interview mit dem «Tatler» zum Ausdruck. Sie habe «die besten geschiedenen Eltern». Beatrice war vier, Eugenie zwei, als sich Andrew und Fergie 1992 trennten und vier Jahre später scheiden liessen. Trotz allen Schlagzeilen und Enthüllungen über ihre «Skandal-Eltern» hatten die beiden Schwestern das Glück, weitgehend normal und abseits von Kameras aufzuwachsen. Arthur Edwards (85) Royal-Fotograf von «The Sun», erinnert sich, dass er Fergie bei Familien-Skiferien in der Schweiz einmal fragte, ob er Fotos machen dürfe. «Sie sagte: Lass mich das zuerst mit den Mädchen besprechen.»

Umgekehrt war es für Eugenie und Beatrice selbstverständlich, ihrer Mutter beizustehen, als diese 2023 die Diagnose Brustkrebs erhielt und ein Jahr später auch noch Hautkrebs festgestellt wurde. Die Schwestern pflegen zu beiden Eltern innigen Kontakt. Laut «Harper’s Bazaar» treffe Eugenie keine Entscheidung, ohne ihre Mutter zu fragen, von ihrem Vater dagegen habe sie die Eigenschaft, zu Temperamentsausbrüchen zu neigen.

Betäubt, beschämt und ängstlich

Im Moment bleibt den Geschwistern nichts anderes, als geduldig mit ihrem Schicksal zu hadern – und Haltung zu wahren. Immer wieder tauchen neue Vorwürfe auf. So wird es auch in nächster Zeit ein Auf und Ab zwischen Hoffnung und Zweifel bleiben – vielleicht auch flehentlicher Gebete, endlich aufzuwachen aus diesem Albtraum.

Doch wie hält man das aus? Ihre eigenen Familien stehen für beide an erster Stelle. Beatrice gab 2020 dem britisch-italienischen Immobilienunternehmer Edoardo Mapelli Mozzi das Jawort. Sie haben zwei Töchter, Beatrice ist zudem Stiefmutter von Christopher; er stammt aus einer früheren Beziehung ihres Mannes. Eugenie heiratete 2018 den britischen Marketingmanager Jack Brooksbank (39) und ist Mutter zweier Buben: August Philip Hawke (4) sowie Ernest George Ronnie (2).

Als Nichten von König Charles III. sind Beatrice und Eugenie Nummer neun und zwölf der britischen Thronfolge. Die Ältere ist als Staatsrätin gar befugt, den Monarchen bei Staatsgeschäften zu vertreten. Geld aus dem königlichen Haushalt beziehen weder Beatrice noch Eugenie. Beide sind keine «working royals», treten aber bei öffentlichen Auftritten der Royals auf und übernehmen seit dem krankheitsbedingten Kürzertreten von Charles und Kate mehr repräsentative Pflichten.

Würde es ihnen helfen, sich jetzt – in ihrem Zustand von Betäubtheit, von Scham und der Angst, sämtliche Blicke auf sich gerichtet zu sehen – noch mehr in royale Pflichten zu stürzen? Die Zerrissenheit, in der sie sich gerade befinden, kann ihnen niemand abnehmen. Zum persönlichen Schmerz kommt auch Wut und Ohnmacht über Schlagzeilen wie: «Andrew nutzt Beatrice und Eugenie als königliche Spione». So titelte das britische Boulevardblatt «The Sun» vor zwei Wochen. Da behaupteten die Royal-Experten Ingrid Seward und Charles Rae, dass Beatrice und Eugenie dem traditionellen Weihnachtsgottesdienst ursprünglich fernbleiben wollten, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie würden Partei ergreifen. Ihr Vater Andrew habe sie aber angefleht: «Ihr müsst gehen!» Seine Beweggründe: Er will wissen, was vor sich geht und was die Leute über ihn sagen.

Auch wenn sich Beatrice und Eugenie wohl kaum dafür missbrauchen lassen, haben sie trotzdem die Qual der Wahl zwischen familiärer Loyalität und royaler Treue. Wobei das eine das andere nicht ausschliessen muss.

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