Darum gehts
- Kurt Maloo lebt heute in Hamburg, hält aber den Kontakt zu Zürich über Freunde
- 1986 landeten er und Felix Haug mit «The Captain of Her Heart» einen Welthit
- Zum Jubiläum des Songs tritt Maloo mit neuer Band am 2. Juli in St. Moritz auf
Vor 40 Jahren ging ein Song aus der Schweiz durch die Decke: «The Captain of Her Heart» der Zürcher Band Double von Felix Haug (1952–2004) und Kurt Maloo (73) rangierte in 52 Ländern in der Hitparade, darunter in den UK- und US-Charts. Zum Jubiläum tritt Maloo am 2. Juli am Festival da Jazz in St. Moritz GR auf. Blick erreichte den Sänger und Komponisten telefonisch an seinem aktuellen Wohnort in Hamburg.
Was sehen Sie, während wir zusammen sprechen?
Kurt Maloo: Den Fernsehturm, erbaut in den späten 1960ern. Die Hamburger nennen ihn den «Telemichel» wegen der nahen St.-Michaelis-Kirche. Er gefällt mir, und man weiss immer gleich, wo man ist.
Weshalb ist Hamburg toll?
Ich als Zürcher bin natürlich froh, dass es in der Stadtmitte Wasser hat. Ich lebte zuvor sieben Jahre in Paris, und die dreckige Seine war kein Ersatz für den See. Die Aussenalster ist etwas ganz anderes. Baden kann man zwar nicht darin, doch sie gibt mir ein Gefühl von Ruhe.
Haben Sie noch Kontakt zu Zürich?
Meine Eltern sind leider schon lange gestorben. Aber ich habe noch einige alte Freunde dort, und mein Musikverleger ist auch Zürcher.
Und zur Schweizer Musikszene?
Nein, da bin ich mittlerweile ganz draussen. Aber ich habe an den letzten Swiss Music Awards eine Laudatio gehalten, weil ich den Produzenten von Hecht kenne. Sonst war mir dort niemand mehr ein Begriff. Doch, ja, Stress. Mein Sohn hat früher Stress gehört, wusste aber gar nicht, dass das ein Schweizer ist. Ich kenne nur noch Yello oder Stephan Eicher. Und die Schweiz ist eine Insel. Die Schweizer pflegen dieses Nationale und Regionale mit ihrer Mundartmusik.
Durch welche Musik wurden Sie als Jugendlicher geprägt?
Ich war Generation Beatles und Rolling Stones und lernte mit elf Gitarre spielen. Dann passierte etwas Einschneidendes. Ich wollte mit meinen drei, vier Griffen das Beatles-Album «Rubber Soul» nachspielen, stand aber wie vor einem Berg. Ich war frustriert und realisierte, dass ich mich voll reinknien musste, damit aus mir etwas würde.
Wussten Sie früh, dass Sie Musikstar werden wollten?
Sehr früh (lacht). Ich trat jeweils mit dem Federballschläger als Gitarre vor dem Spiegel auf und schüttelte dazu meine Frisur wie die Beatles. Einmal so heftig, dass ich mir einen Halswirbel ausrenkte. Es war eine verrückte Zeit. Viele Musikrichtungen liefen parallel. Ich hörte Miles Davis, aber auch Jimi Hendrix. In meiner WG hatten alle den gleichen Musikgeschmack, nämlich keinen. Wir waren offen für alles. Und wir waren auch kunstinteressiert und veranstalteten Happenings. Ich begann intuitiv, auf Englisch zu singen, nicht aus Kalkül. Ich hatte den Eindruck, ich könne emotionale Themen besser auf Englisch ausdrücken.
Wie viel Zürich steckte in Double?
Felix kam gerade von der Berkeley Jazzschool zurück, als wir uns bei einer Jamsession kennenlernten. Wir merkten rasch, dass wir auf der gleichen Wellenlänge waren. Wir fühlten uns immer in einer eigenen Blase, die auch anderswo hätte sein können. Aber Zürich war angenehm in den 1980ern, und wir führten ein ruhiges, beschauliches Leben. Wir hatten viel Zeit zum Nachdenken und Musse, das Kopfkino zu aktivieren und im Übungslokal etwas daraus zu machen. Die Rote Fabrik und die Opernhauskrawalle interessierten uns nicht. Obschon ich früher noch bei einer Punkband dabei war, gehörten wir nicht zu dieser Szene. Ich komme aus einem kleinbürgerlichen Elternhaus, wie Felix auch. Uns war es wichtig, etwas Künstlerisches umzusetzen. Wir wollten nie politisch sein. Bis heute will ich das nicht. Musiker sollten Musik machen.
Mitte der 1980er waren gleich mehrere Schweizer Acts international so erfolgreich wie Double, etwa Yello oder Phil Carmen mit «On My Way in L.A.». War das Zufall?
Es gab einen roten Faden bei all diesen Acts. Phil Carmen behauptete immer, er sei Italiener, und hatte dort Erfolg. Yello hatten einen Vertrag mit einem Underground-Label in den USA. Und unser Durchbruch mit dem «Captain» passierte in England. Unsere dortige Plattenfirma war clever und verschickte unbeschriftete Singles an einflussreiche DJs. Der «Melody Maker» schrieb im Januar 1986, er habe bereits die Single des Jahres gehört. Ohne zu wissen, dass wir Schweizer waren. Danach konnten sie nicht mehr zurück. Und Star-DJ Gary Davies spielte den Song dann jede halbe Stunde auf BBC Radio 1. Die Engländer waren die Gatekeeper. Und weil sie uns gut fanden, konnten wir auch in den USA landen. Den Amerikanern waren europäische Erfolge egal.
Wo haben Sie den «Captain» zuletzt gehört?
Das weiss ich gar nicht mehr sicher. Er läuft jedenfalls an den ungewöhnlichsten Orten. Kürzlich habe ich dazu im Baumarkt Farbe gekauft (lacht). Ich höre selber kein Radio, sondern stelle mir Playlists auf Spotify zusammen. Aber ich weiss, dass der «Captain» immer noch häufig im Radio kommt. Das sehe ich jeweils bei den Suisa-Abrechnungen.
Mögen Sie den Song noch?
Absolut! Er ist gut gealtert, finde ich. Und jetzt ist er 40 Jahre alt – ein Grund mehr, in St. Moritz aufzutreten. Dieses Jubiläum sollte man schon feiern. Denn es könnte ebenso anders sein. Man hätte auch einen Hit haben können, den heute keiner mehr will und der einem peinlich ist. Ein Drittel unserer aktuellen Hörer war übrigens noch gar nicht geboren, als der Song entstand. Das sehe ich in den Spotify-Statistiken, und es macht mir grosse Freude, dass eine neue Generation den Song entdeckt.
Sie haben die Suisa-Abrechnungen erwähnt. Was kommt da an Tantiemen zusammen?
Die Miete kann ich damit immer noch locker zahlen (lacht). Aber das Gute an einem Welthit ist auch, dass er einen Scheinwerfer auf mein ganzes Schaffen wirft. Heute ist es mit den tiefen Streaming-Gebühren sehr zäh, von der Musik zu leben. Das Tolle in den 1980ern war, dass die Leute in die Läden gingen und wirklich unsere Musik kaufen wollten. Heute wählen viele eine Playlist, weil sie einen bestimmten Mood wollen und nicht genau einen Song.
Was dürfen wir am 2. Juli erwarten?
Ich habe das Glück, supergute Begleitmusiker zu haben: Jörg Sandmeier, Ramon Ziegler, Dave Blaser, James Varghese und Dimitri Monstein, der die Band zusammengestellt hat. Es ist ein kleines Abenteuer, denn ich treffe sie bei den Proben zum ersten Mal. Vor Jahren habe ich das schon einmal in Toronto gemacht. Dort sah ich die Band erst beim Soundcheck, das war etwas hart (lacht). Das Konzert wird speziell, weil ich nicht auf Tournee bin. Und es ist der Eröffnungsabend des Festivals. «Rangoon Moon» und der «Captain» werden nicht fehlen. Aber wir spielen auch neuere Songs von mir. So entsteht eine schöne Balance.
Kurt Maloo kam 1953 als Kurt Meier in Zürich zur Welt. An der Swiss Business School liess er sich zum Kaufmann ausbilden. Nach mehreren Vorgängerbands gründete er mit dem früheren Yello-Drummer Felix Haug die Jazzpop-Gruppe Double. 1985 erschien ihr erstes Album «Blue», die Single «The Captain of Her Heart» wurde 1986 zum Welthit. Maloo und Haug schufen den Song gemeinsam, der Textinhalt ist fiktiv. Charakteristisch sind das eingängige Klavier-Motiv und das Sopransaxofon-Solo. Wegen seines Auftretens verglich die Presse Maloo gerne mit Roxy-Music-Sänger Bryan Ferry. Haug starb 2004 an einem Herzinfarkt. Maloo ist mit dem deutschen Model Anja Müller verheiratet. 1991 wurde ihre Tochter geboren, 1994 ihr Sohn. Maloo lebt mit seiner Familie in Hamburg.
Kurt Maloo kam 1953 als Kurt Meier in Zürich zur Welt. An der Swiss Business School liess er sich zum Kaufmann ausbilden. Nach mehreren Vorgängerbands gründete er mit dem früheren Yello-Drummer Felix Haug die Jazzpop-Gruppe Double. 1985 erschien ihr erstes Album «Blue», die Single «The Captain of Her Heart» wurde 1986 zum Welthit. Maloo und Haug schufen den Song gemeinsam, der Textinhalt ist fiktiv. Charakteristisch sind das eingängige Klavier-Motiv und das Sopransaxofon-Solo. Wegen seines Auftretens verglich die Presse Maloo gerne mit Roxy-Music-Sänger Bryan Ferry. Haug starb 2004 an einem Herzinfarkt. Maloo ist mit dem deutschen Model Anja Müller verheiratet. 1991 wurde ihre Tochter geboren, 1994 ihr Sohn. Maloo lebt mit seiner Familie in Hamburg.
Das Konzert ist ausverkauft, weiteres Programm: www.festivaldajazz.ch.