Manche Songs machen ihre Musiker unsterblich. Für Kurt Cobain (1967–1994), Sänger und Gitarrist der US-Rockband Nirvana, wurde «Smells Like Teen Spirit» allerdings auch zur Belastung.
Als die Single 1991 erschien, ahnte kaum jemand, welche Wirkung sie entfalten würde. Das dazugehörige Album «Nevermind» machte Nirvana international berühmt. Plötzlich lief die Band aus dem US-Bundesstaat Washington im Radio, auf MTV und in ausverkauften Konzerthallen. Der Song wurde zur Hymne einer Generation.
Doch während Millionen Fans begeistert mitsangen, entwickelte Cobain ein zunehmend zwiespältiges Verhältnis zu seinem grössten Hit.
Ein Popsong, der die Welt eroberte
Dabei hatte Cobain durchaus das Ziel, einen grossen Hit zu schreiben. Im Januar 1994 erklärte er in einem Interview mit dem Musikmagazin «Rolling Stone», dass er eine Art ultimative Popnummer im Kopf gehabt habe.
Als musikalische Inspiration dienten ihm unter anderem die Pixies. Besonders deren Wechsel zwischen ruhigen Passagen und lauten, explosiven Refrains gefiel ihm. Genau dieses Prinzip prägt auch «Smells Like Teen Spirit»: Auf zurückhaltende Strophen folgt ein kraftvoller Gitarrenrefrain, der sich sofort einprägt.
Den berühmten Gitarrenriff fand Cobain allerdings selbst nicht besonders originell. Er bezeichnete ihn als ziemlich klischeehaft und verglich ihn mit dem Sound der Rockband Boston sowie dem Klassiker «Louie, Louie».
Was er nicht erwartet hatte: Ausgerechnet diese Komposition sollte zu einem der bekanntesten Rocksongs der Musikgeschichte werden.
«Fast schäme ich mich, ihn zu spielen»
Mit dem Erfolg kam ein Problem, das Cobain zunehmend beschäftigte: Viele Menschen kannten Nirvana fast ausschliesslich wegen dieses einen Songs. Dabei wollte er nicht auf einen einzigen Hit reduziert werden.
Besonders «Drain You» lag ihm am Herzen. Das Lied mochte er wegen seines Textes und konnte es nach eigenen Aussagen immer wieder spielen, ohne dass es ihm langweilig wurde.
Bei «Smells Like Teen Spirit» war das anders. Der Song lief auf MTV in Dauerschleife und entwickelte eine Eigendynamik, die Cobain zunehmend irritierte. Im «Rolling Stone»-Interview brachte er seine widersprüchlichen Gefühle auf den Punkt: Er möge es weiterhin, den Song zu spielen, schäme sich aber beinahe dafür.
Manchmal sei es ihm während eines Konzerts schwergefallen, das Stück überhaupt zu Ende zu spielen. Am liebsten hätte er dann die Gitarre abgestellt und die Bühne verlassen.
Wenn das Publikum nur einen Song hören will
Für viele Konzertbesucher gehörte «Smells Like Teen Spirit» zum absoluten Höhepunkt des Abends. Wenn Nirvana den Hit nicht spielte, reagierten manche Fans enttäuscht.
Die Band liess das Stück tatsächlich bei einzelnen Auftritten weg. Dahinter steckte auch der Wunsch, nicht immer nur die Erwartungen des Publikums zu erfüllen, sondern die eigene Musik in den Mittelpunkt zu stellen.
So wurde ausgerechnet jener Song, der Nirvana weltberühmt gemacht hatte, zum Symbol für Cobains Unbehagen mit dem eigenen Ruhm.
Ein Song, der Kurt Cobain überlebte
Am 5. April 1994 starb Kurt Cobain im Alter von 27 Jahren. Sein Tod beendete die Geschichte von Nirvana, nicht aber die Wirkung ihrer Musik.
«Smells Like Teen Spirit» gehört bis heute zu den bekanntesten Rocksongs der Neunzigerjahre. Das Musikvideo mit der chaotischen Turnhallen-Atmosphäre, den Cheerleadern und dem rebellischen Publikum ist längst Kult.
Und darin liegt die Ironie seiner Geschichte: Ein Musiker, der sich gegen Erwartungen und musikalische Schubladen wehrte, wurde ausgerechnet durch einen einzigen Song unsterblich.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.